Buchner (Puchner) Paul d.Ä.
Baumeister, Oberzeugmeister, Festungsbaumeister, Tischler, Schraubenmacher
* 1531 Nürnberg 27.3.1607 Dresden
GBernhard, Zeugwart in WittenbergMaria, geb. Kroß, Tochter des Dresdner Bürgermeisters Sebastian KroßSGeorg (1563-1606), Baumeister, Maler, Zeugmeister; Paul d.J. (1574-1626), Oberzeugmeister, Festungsbaumeister; Augustus (1591-1661), Dichter, Philologe, Professor in Wittenberg
GND: 135656648

B. zeichnete sich durch eine vielseitige technische und künstlerische Begabung aus. Der gelernte Schraubenmacher fertigte im Dienst der sächsischen Kurfürsten technische Geräte an, führte mathematische Studien aus und erstellte militärische Planungen. Als Oberzeug- und Festungsbaumeister war er nicht nur für Geschütze und Waffentechnik zuständig, sondern auch für das Festungsbauwesen im albertinischen Sachsen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts galt er im deutschen Raum als einer der besten Experten für Waffenkunde und Festungsbauwesen. Mit dem Stallhof und dem Kleinen Schlosshof schuf er in Dresden bedeutende Renaissancebauten. B.s Nachfahren blieben in Dresden und übten in fortgesetzter Familienfolge im 17. Jahrhundert das Amt des Oberzeugmeisters aus. – Der in Nürnberg aufgewachsene B. erlernte bei seinem Vetter Leonhard Danner das Tischlerhandwerk und die Schraubenmacherkunst. Er trat 1556 in London in den Dienst der englischen Königin Elisabeth I., für die er Schraubenwerke herstellte, die zur Zerstörung von Befestigungsanlagen dienen sollten. Herzog Emanuel Philibert von Savoyen holte ihn 1557 nach Brüssel. Das Angebot König Philipps II., nach Spanien zu kommen, lehnte B. ab. Auf Empfehlung Danners, der den sächsischen Hof mit militärischem Gerät belieferte, holte Kurfürst August B. 1558 nach Dresden. Der gelernte Tischler stellte zunächst Schraubenwerkzeuge her, wurde 1559 zum kurfürstlichen Werkmeister und 1563 zum Kommandanten des Dresdner Zeughauses berufen. Ihm gelang es, den aus Italien stammenden Festungsbauexperten Rochus Graf von Lynar zu verdrängen. Seit 1575 verwaltetet B., der sich umfassende Kenntnisse in der Festungsbaukunst und Waffentechnik erworben hatte, als Haus- und Landzeugmeister alle Befestigungsanlagen, Gießhäuser, Zeughäuser und Waffen in Sachsen, einschließlich der auf den Bastionen stationierten Geschütze. Er erprobte neue Geschütze und entwarf Schlachtordnungen für militärische Gefechte. Kurfürst August, der selbst handwerklich tätig war, machte sich B.s Begabung zunutze und ließ sich von ihm technische Geräte aller Art herstellen, darunter eine Schnellwaage, Druckerpressen, Prägewerkzeuge für die Münzherstellung, Fahrzeuge, eine transportable Jagdhütte, Vorrichtungen für Mühl- und Hammerwerke sowie mechanische Spiele. Außerdem gestaltete B. prächtige Feuerwerke. – Die Bautätigkeit B.s war zunächst v.a. auf Festungswerke und militärische Anlagen gerichtet. So vollendete er das unter Caspar Vogt von Wierandt begonnene Zeughaus in Dresden, baute die dortige Pulvermühle (1574/75) und erstellte mit Hans Irmisch Pläne für das Lindenhaus auf Schloss Augustusburg (1577). Auch am Bau der Pleißenburg in Leipzig wirkte er mit (1580). Weil B. auch künstlerisch sehr talentiert war und die damals modernen Bauformen überzeugend umsetzen konnte, wurde er von Kurfürst August und ab 1586 von Kurfürst Christian I. zunehmend für nichtmilitärische Bauten herangezogen. Beispielsweise war er am Umbau des Jagdschlosses Moritzburg beteiligt (1582) und errichtete in Dresden den Stallhof (1586-1588) mit dem später mehrfach umgebauten Stallgebäude und dem Langen Gang. Der Stallhof vereinte Stall, Rüstkammer, Turnierplatz und Rennbahn. Giebelgestaltung und Sgrafittodekoration bezogen sich auf das benachbarte Schloss. Auf B.s Pläne geht auch der Kleine Schlosshof zurück, der sich im Süden an die Vierflügelanlage des Dresdner Residenzschlosses anschließt, 1588 begonnen und 1595 vollendet wurde. In Zabeltitz baute B. das kurfürstliche Stallgebäude neben dem Schloss (1588-1598), das selbst wie ein Schloss aussieht und Stallungen und Appartements für die Jagdgesellschaft Christians I. aufnahm. In Dresden errichtete er zudem das Pirnaische Tor (1590/91) und das Gewandhaus am Neumarkt (1591). Auch wirkte er an der Ausgestaltung der kurfürstlichen Begräbniskapelle in Freiberg mit. – Der Ruf B.s als Festungsbaumeister reichte weit über Dresden hinaus. 1585 wurde er nach Braunschweig gebeten, 1594 nach Breslau (poln. Wrocław). Kaiser Rudolf II. ernannte ihn 1596 in Prag zum Kriegsrat. 1598 sollte er Festungsbauten in Glückstadt/Holstein ausführen. – B. wohnte in Dresden, wo er sich 1568 ein Haus hinter dem Zeughaus baute. Obwohl er ein hohes Jahresgehalt bezog, gelang es ihm nicht, ein größeres Vermögen zusammenzutragen. Sein Haus vermietete er 1580 an den Kurfürsten, der dort einen Beamten unterbrachte. In der Dresdner Werkstatt arbeiteten B.s Söhne und sein Bruder Bernhard, der 1582 zum Zeugwart in Wittenberg berufen wurde. 1604 trat B. in den Ruhestand. Sein ältester Sohn Georg trat die Nachfolge als Oberzeug- und Festungsbaumeister an. Ihm folgte 1606 der jüngere Sohn Paul, der u.a. die Johann-Georgenburg und die Magdalenenburg auf der Festung Königstein errichtete.



W  Pulvermühle Dresden,1574/75; Stallhof Dresden, 1586-1588; kurfürstliches Stallgebäude Zabeltitz 1588-1598; Pirnaisches Tor Dresden 1590/91; Gewandhaus am Dresdner Neumarkt 1591.

L  C. Gurlitt, Paul B., ein Dresdner Baumeister der Renaissance, in: Dresdner Geschichtsblätter 9/1900, S. 249-260; E. Haenel, Der alte Stallhof in Dresden, Dresden 1937. – AKL, Bd. 14, München/Leipzig 1996, S. 684-686; Thieme/Becker, Bd. 27, Leipzig 1999, S. 444f.



Matthias Donath
1.12.2006


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Donath, Buchner (Puchner), Paul d.Ä., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

Wikipedia Link