Görner Herbert Otto
Literaturwissenschaftler, Germanist, Volkskundler
* 18.5.1902 Meerane 10.10.1955 Karlsruhe(ev.)
VAlbert Otto († 1911), KaufmannMAnna Elisabeth, geb. HärtelGFriedrich (* 1907)
GND: 142615234

G. stammte sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits aus Kaufmanns- und Fabrikantenfamilien. Ab 1908 besuchte er in Meerane die Bürgerschule, 1912 bis 1921 die Oberrealschule. Nach Abschluss der Schulausbildung übte G. einige Monate lang eine praktische Tätigkeit im elektrotechnischen Bereich aus, weil er zunächst ein Studium in dieser Fachrichtung beabsichtigte. Auf privater Grundlage eignete er sich Kenntnisse in den Altsprachen Griechisch und Hebräisch an. 1922 ergänzte er sein Reifezeugnis durch eine Lateinprüfung in der sprachlichen Abteilung des Zwickauer Realgymnasiums. Vom Sommersemester 1921 bis zum Wintersemester 1922/23 studierte er erst in Heidelberg und vom Sommersemester 1923 bis 1925 dann in Leipzig Philosophie, Volkswirtschaft, Geschichte, Kunstgeschichte und deutsche Literatur. Seit dem Wintersemester 1923/24 gehörte er in Leipzig der Literarischen Gesellschaft von Georg Witkowski an. Er promovierte 1925 bei Witkowski und Friedrich Neumann mit einer Arbeit über „Waiblingers Lyrische Gedichte“. Da G. sein ererbtes Vermögen infolge der Wirtschaftskrise und der Inflation verloren hatte, verdiente er sich nach der Promotion seinen Lebensunterhalt durch Arbeiten für verschiedene Verleger in Halle/Saale und Leipzig sowie als Lehrer in den Leipziger Kursen „Deutsch für Ausländer“. Zugleich setzte er sein Studium der Germanistik sowie der vergleichenden Literaturgeschichte fort. 1930/31 nahm er an den Oberseminaren von Theodor Frings und André Jolles sowie an den Veranstaltungen von Jolles und Fritz Karg zur volkskundlichen Methode und Methodologie teil. Studienreisen führten ihn 1926 nach Italien und 1930 nach Holland. Zusammen mit Elisabeth Kutzer übernahm er 1929 die Redaktion des im Folgejahr erschienenen Werks „Einfache Formen“ von Jolles. 1932 reichte er eine Habilitationsschrift zum „Tugendproblem und Bildungsbegriff bei Wieland“ ein, die jedoch von der Habilitationskommission abgelehnt wurde. In der 1934 von Adolf Spamer herausgegebenen Deutschen Volkskunde ist G. mit einem grundsätzlichen Artikel zum „Volkslesestoff“ vertreten. Zu dieser Zeit wohnte er noch in Leipzig. Ende 1937 wurde er als hauptamtlicher Referent für das gesamte Gebiet der Volkskunde in das nationalsozialistische Heimatwerk Sachsen nach Dresden berufen. Aus diesen Jahren sind nur noch kleinere Artikel zu Bräuchen, Festen und aktuellen Anlässen nachgewiesen, die vorwiegend in der Zeitschrift des Heimatwerks Sachsen („Sachsen“) veröffentlicht wurden. Während der alliierten Bombenangriffe im Februar 1945 wurde G.s Dresdner Wohnung zerstört. Er übersiedelte nach Mainz, 1950 dann nach Karlsruhe, wo er als Verlagslektor arbeitete. – G.s volkskundlich-soziologischen Studien zu Bänkelsang, Vulgärschrifttum bzw. Volkslesestoff sowie zum Verhältnis von Reklame und Volkskunde sind von bleibendem Interesse. Seine recht einseitigen Ausführungen zur Memorabile-Gattung wurden bereits in ihrer Entstehungszeit kritisch beurteilt.



Q  Universität Leipzig, Universitätsarchiv, Promotionsakte und Personalakte G.; Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv.

W  Waiblingers Lyrische Gedichte, Diss. Leipzig 1925 [MS]; Ulrich von Lichtenstein in Zerbst, in: Mitteldeutsche Blätter für Volkskunde 5/1930, H. 2, S. 33-48; Amor est passio quaedam innata procedens ex visione ..., in: Neophilologus 16/1931, S. 281-284; Vom Memorabile zur Schicksalstragödie, Berlin 1931; Reklame und Volkskunde, in: Mitteldeutsche Blätter für Volkskunde 6/1931, H. 3, S. 109-127; Bänkelsang, in: W. Frenzel/F. Karg/A. Spamer (Hg.), Grundriß der Sächsischen Volkskunde, Bd. 1, Leipzig 1932, S. 326-330; Vulgärschrifttum, in: ebd., S. 350-357 (WV); Der Bänkelsang, in: Mitteldeutsche Blätter für Volkskunde 7/1932, H. 4, S. 113-128, H. 5, S. 157-171; Baudelaire und Aloisia Sigaea, in: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur 56/1932, S. 330; Liebes- und Gesellschaftskasuistik im Mittelalter und Rokoko, in: Archiv für Kulturgeschichte 22/1932, H. 3, S. 298-331; Volkskunde und Tageszeitung, in: Mitteldeutsche Blätter für Volkskunde 8/1933, H. 3, S. 73-84; Volkslesestoff, in: A. Spamer (Hg.), Die Deutsche Volkskunde, Bd. 1, Leipzig 1934, S. 388-399; Isländische Saga, in: Die höhere Schule des Freistaates Sachsen 13/1935, S. 8-16.

L  K. E. Fritzsch, Arbeitsgemeinschaft für Volkskunde im Heimatwerk Sachsen, in: Mitteldeutsche Blätter für Volkskunde 12/1937, H. 4, S. 233; ders., Volkskundearbeit im Heimatwerk Sachsen, in: ebd. 13/1938, H. 1, S. 1-3.



Brigitte Emmrich †
5.5.2011


Empfohlene Zitierweise:

Brigitte Emmrich †, Görner, Herbert Otto, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

Wikipedia Link