Otto Ernst Graf von Schönburg
* 12.12.1681 28.11.1746 Glauchau(ev.)
VChristian Ernst (1655-1718), Graf von SchönburgMJuliana Maria, geb. von Schönburg-Hartenstein (1645-1684)GErnesta Beata (1683-1684); Christian Ernst (1687-1707); Beata Eleonora (1688-1733); Gottfried Ernst (1692-1747); Wolf Ernst (1694-1739); Juliane Sophia (1697-1743); Johann Ernst (1698-1738); Gustav Ernst (1699-1749); Gottlieb Ernst (1701-1707); Heinrich Ernst (1703-1704)Wilhelmine Christiane, geb. Gräfin von Solms-Sonnewalde (1692-1772)SHeinrich Ernst (1711-1777); Otto Christian Ernst (1715-1718); Ernst Wilhelm Carl (1718-1720); Albert Christian Ernst (1720-1799), kaiserlicher Geheimer Rat; Johann Ernst (1726-1806), Oberforstmeister der Grafschaft MansfeldTWilhelmine Louise (1713-1780); Henriette Sophie (1714-1734); Juliana Albertina (1717-1719); Louise Auguste (1721-1734); Antoinette Friederike (1723-1795); Christiane Maria Elisabeth (* † 1727)
GND: 102463654


Verknüpfte Personen im Text:






O. trat 1704 in den österreichischen Militärdienst ein. Im Spanischen Erbfolgekrieg geriet er bei Landau in französische Gefangenschaft, aus der er durch umfangreiche Lösegeldzahlungen von seinem Vater freigekauft wurde. Daraufhin wechselte er ins kursächsische Heer, wo er die schmähliche Niederlage Friedrich Augusts I. im Nordischen Krieg gegen Karl XII. von Schweden miterlebte. Nach dem Einmarsch schwedischer Truppen in Kursachsen entschied sich O. 1707 seine militärische Laufbahn zu beenden. – In Ermangelung einer Primogeniturordnung musste sich O. das aus den Herrschaften Hinterglauchau und Remse bestehende väterliche Erbe mit seinen vier jüngeren Brüdern teilen. Gegen eine Abfindung von 120.000 Gulden sicherte er sich 1722 die exklusiven Besitzrechte an Hinterglauchau, während die Brüder gemeinsam Remse übernahmen. Das war der einzig sinnvolle Weg, eine weitere Zersplitterung der Schönburgischen Herrschaften zu vermeiden. Trotzdem gestaltete sich die Regentschaft O.s äußerst kompliziert. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und wiederholte Eingriffe Kursachsens in die schönburgischen Angelegenheiten überforderten nicht nur O., sondern alle Mitglieder des Gesamthauses Schönburg. In seinen Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung legte O. Vorsicht und Bedachtsamkeit an den Tag. Dagegen mied er kostenintensive Projekte und solche, die ein gewisses Maß an Mut zum Risiko erforderten. Zwar gründete er 1725 die Häuslersiedlung Voigtlaide, was eine weitere Entfaltung von Handwerk und Gewerbe in der Herrschaft Hinterglauchau mit sich brachte, doch sprach er sich gleichzeitig gegen die Wiederaufnahme des Bergbaus aus, obwohl das von Fachleuten empfohlen worden war. – Gegen die kursächsischen Bestrebungen zur Beseitigung der schönburgischen Landeshoheit zeigte sich O. kampfbereit, ohne dass ihm jedoch geeignete Mittel zu dauerhaftem Widerstand zur Verfügung standen. Als 1720 kursächsisches Militär in Glauchau einrückte, musste er dem ebenso tatenlos zusehen wie zahlreichen weiteren Provokationen. Mit den Rezessen vom 4.5.1740 unterwarf er sich zusammen mit allen übrigen Herrschaftsbesitzern der Oberbotmäßigkeit des sächsischen Kurfürsten. – O.s Lebensstil offenbarte die Vorliebe für ein schlichtes Hauswesen. Da der Graf kein Interesse für den Erhalt seines Residenzschlosses Hinterglauchau aufbrachte, verwahrloste dieses so sehr, dass Teile des Gebäudes über Jahre unbewohnbar blieben. Die asketischen Prinzipien O.s führten Anfang der 1730er-Jahre zum Bruch mit seiner Gemahlin Wilhelmine Christiane, die schließlich Glauchau verließ um fernab ihrer Familie auf den elterlichen Gütern ein standesgemäßeres Leben zu führen – ein Skandal, dessen öffentliche Vertuschung große Anstrengungen erforderte. – Das hohe Ansehen, das O. dennoch genoss, gründete sich auf seine Rolle als wohltätiger Kirchenpatron. Persönlich sehr fromm, lag ihm das Seelenheil seiner Untertanen ernstlich am Herzen. Nach der Zerstörung der Glauchauer St. Georgenkirche bei einem verheerenden Stadtbrand 1712 gestattete er eine Zeit lang die Abhaltung der Gottesdienste auf seinem Schloss. Von der Unzulänglichkeit des auf den alten Umfassungsmauern wieder errichteten Kirchenbaus überzeugt, regte O. einen völligen Neubau an. Da eine Beteiligung der Herrschaft Forderglauchau an dem Projekt nicht erfolgte, ließ O. ab 1726 den Bau allein ausführen, wobei er selbst den prächtigen Altar stiftete.



L  E. Eckardt, Chronik von Glauchau, Glauchau 1882, S. 119f.

P  O. von Schönburg, 1732, Öl auf Leinwand, St. Georgenkirche Glauchau, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Michael Wetzel
20.12.2004


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Otto Ernst, Graf von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

Wikipedia Link