Grohmann (Gromann) Nikolaus (Nickel)
Baumeister
* um 1500 29.11.1566
SNickel d.J., Baumeister; Daniel, Maler; Sebastian, Bildhauer; Hans, Geselle; Georg, Steinmetz in Freiberg und Pirna
GND: 123929288

G. arbeitete als Hofbaumeister für Kurfürst Johann Friedrich (der Großmütige) und war auch unter dessen Nachkommen, die in Weimar, Gotha und Altenburg residierten, als Baumeister beschäftigt. Mit seiner umfangreichen Bautätigkeit machte er den Renaissancestil im ernestinischen Sachsen heimisch. Die von ihm erbaute Schlosskapelle in Torgau fand in der Architekturgeschichte eine weite Nachfolge. – Der ausgebildete Steinmetz G. wurde 1537 von Kurfürst Johann Friedrich zum Baumeister berufen und zunächst in Weida eingesetzt, wo er den Um- und Ausbau des Schlosses Osterstein leitete. In Torgau gestaltete G. 1543/44 den Nordflügel des Schlosses Hartenfels um. An den mittelalterlichen Gebäudekern wurde die Schlosskapelle angefügt, die Martin Luther am 5.10.1544 als erste nach der Reformation neu errichtete evangelische Kirche weihte. G. fügte den Sakralraum in die umgebende Schlossarchitektur ein und entwarf eine Emporensaalkirche, deren Raumwirkung durch nach innen gezogene Strebepfeiler und eingespannte zweigeschossige Emporen geprägt wird. Diese Gestaltung befruchtete die Kapellenneubauten evangelischer Fürsten im 16. und 17. Jahrhundert. Die Schlosskapellen in Dresden, Augustusburg, Schwerin, Stettin und Heidelberg greifen den in Torgau entwickelten Bautyp auf. 1552 errichtete G. in Gotha die sehr ähnlich angelegte, aber nicht erhalten gebliebene Schlosskapelle des Schlosses Grimmenstein. Im Anschluss an die Schlosskapelle in Torgau baute G. die östliche Hälfte des Nordflügels um. V.a. der Flaschenturm verrät sein künstlerisches Vermögen. In diesem brachte G. eine Toranlage und einen für Pferde begehbaren Aufritt sowie Festräume unter. Die Wohngemächer des Kurfürsten sind mit dem „Schönen Erker“ ausgestattet. – G. wurde am 31.12.1543 auf Lebenszeit zum kurfürstlichen Baumeister ernannt und blieb auch nach der Niederlage Johann Friedrichs in der Schlacht von Mühlberg (1547) und dem Verlust der Kurwürde an der Seite seines Landesherrn. Er baute ein Jagdschloss bei Wolfersdorf (1548-1551), das in der Hoffnung auf die baldige Rückkehr des ehemaligen Kurfürsten aus der Gefangenschaft den Namen „Fröhliche Wiederkunft“ erhielt. Weiterhin leitete er den Umbau des Schlosses in Weimar, in dem Johann Friedrich seit 1552 residierte, und errichtete in der Stadt das Cranach-Haus am Markt (1549) sowie sein eigenes Wohnhaus neben dem ehemaligen Kloster. An der Befestigung des Schlosses Grimmenstein in Gotha (1553) und am Westturm der Kollegienkirche in Jena (1557-1559) war er ebenfalls beteiligt. 1553 erhielt der Baumeister als außerordentliche Belohnung für seine Verdienste ein Stück Land in Gotha. Für Herzog Johann Friedrich II. (der Mittlere) errichtete er den mit zwei reich dekorierten Erkern geschmückten Französischen Bau auf der Veste Heldburg (1560-1566) und den Neuen Bau des Schlosses zu Weimar (1562-1566). Das nach seinen Plänen erbaute Rathaus zu Altenburg (1562-1564) ist ein herausragendes Beispiel für die zeittypischen Bau- und Dekorationsformen der deutschen Renaissance.



W  Schloss Osterstein, Weida, 1537; Schloss Hartenfels, Torgau, Schlosskapelle, Nordflügel, 1543/44; Jagdschloss Fröhliche Wiederkunft, bei Wolfersdorf, 1548-1551; Cranach-Haus Weimar, 1549; Schloss Grimmenstein, Gotha, Schlosskapelle, Befestigungen, 1552/53; Kollegienkirche Jena, Westturm, 1557-1559; Veste Heldburg, Französischer Bau, 1560-1566; Rathaus Altenburg, 1562-1564; Schloss Weimar, Neuer Bau, 1562-1566.

L  P. Findeisen/H. Magirius (Bearb.), Die Denkmale der Stadt Torgau, Leipzig 1976, S. 56f., 171f., 206f., 219, 300. – NDB 7, S. 125f.; Thieme/Becker, Bd. 15, Leipzig 1922, S. 79f.



Matthias Donath
7.5.2009


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Donath, Grohmann (Gromann), Nikolaus (Nickel), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

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