Fürstenau Moritz Ignaz Ludwig Carl Franz August
Flötist, Musik- und Theaterhistoriker
* 26.7.1824 Dresden 27.3.1889 Dresden(kath.)
VAnton Bernhard (1792-1852), FlötistMMaria Anna Elisabeth Friederike Antonia, geb. Schmidt (1803-1867)GCamilla (* † 1822); Oskar (1826-1863), Lithograf; Antonia Caroline (1828-1884); Louisa Auguste (* 1828); Julius Franz Christian (* † 1833); Maria Marianna Adolphina (1834-1845)1855 Johanna Friederike Wilhelmine, geb. Poser
GND: 102532907

F. entstammte einer Musikerfamilie, sein Vater Anton Bernhard, der als Flötist der sächsischen Hofkapelle angehörte, hatte sich 1820 in Dresden niedergelassen. F. selbst erlernte ebenfalls das Flötenspiel und trat bereits 1832 erstmals in einem Konzert seines Vaters auf. Im folgenden Jahr gab er sein Debüt am Dresdner Hof. Gemeinsam mit seinem Vater unternahm er noch im Kindesalter zahlreiche Konzertreisen, die ihn u.a. nach Breslau (poln. Wrocław), Halle/Saale und Weimar führten. Doch die Blütezeit des „Wunderkindwesens“ ging allmählich vorüber und auch die Beliebtheit der Flötenkonzerte ließ nach. – Im Alter von 18 Jahren trat F. als Aspirant in die Königliche Dresdner Kapelle ein und erhielt bereits 1844 den Titel eines Königlichen Kammermusikus. In der Folgezeit experimentierte er mit einer von Theobald Böhm neu entwickelten Flöte, der sog. Böhm-Flöte, kehrte aber später zur Mehrklappenflöte zurück. Mit seinem ersten eigenen Konzert 1846 begann F.s selbstständiges Wirken als Flötist. Er unternahm nur wenige Tourneen, was sich wiederum auf die mangelnde Publikumsresonanz der Flötenkonzerte zurückführen lässt. Lediglich eine Reise, die er mit der Sängerin Jenny Lind 1855 durch Holland unternahm, ist hervorzuheben. Seinem ehemaligen Kapellmeister Richard Wagner blieb er freundschaftlich verbunden und stand mit ihm auch nach dessen Weggang aus Dresden in Briefkontakt. – Im Gegensatz zu seinem Vater trat F. als Komponist kaum in Erscheinung. Er hinterließ nur wenige Werke, die kaum Bedeutung erlangten. Seit der Gründung des Konservatoriums für Musik 1856 war F. Mitglied des Lehrkörpers, aber erst ab 1858 unterrichtete er Flötenspiel. Ab 1864 war F. Erster Flötist der sächsischen Hofkapelle, eine Stellung, die auch sein Vater zuvor innehatte. – Über seine engere berufliche Tätigkeit ging F.s musikhistorische Arbeit hinaus. Obwohl er zeitlebens auf diesem Gebiet Autodidakt blieb, gilt er doch als Nestor der Dresdner Musikgeschichtsschreibung. Archivalische Forschungen und das zufällige Auffinden der Stiftungsurkunde der Hofkapelle, die eine sichere Datierung ihrer Gründung auf 1548 ermöglichte, weckten F.s Interesse an der lokalen Musikhistorie. Zum 300-jährigen Jubiläum ihres Bestehens veröffentlichte er die „Beiträge zur Geschichte der Königlich Sächsischen musikalischen Kapelle“ (1849). Nach dem Tod seines Vaters übernahm er dessen Amt als Kustos der Königlichen Privatmusiksammlung. In dieser Eigenschaft war F. für die Ordnung und Erweiterung der Bestände der Bibliothek zuständig. Die Frucht dieser Arbeit waren zwei Bände „Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden“ (1861/62). Auch in den Folgejahren veröffentlichte F. in verschiedenen Periodika zahlreiche Beiträge und teilte darin hauptsächlich Quellenmaterial zur lokalen Musikgeschichte mit. Es ist v.a. F.s Verdienst, die lokale musikgeschichtliche Forschung in Sachsen angeregt zu haben, wenn auch seine Publikationen wegen seiner mangelnden wissenschaftlichen Schulung häufig kritisch betrachtet wurden. – Einen dritten Schwerpunkt seines Schaffens bildete F.s organisatorische Arbeit. Als einer der ersten Wagner-Verehrer gehörte er in den 1870er-Jahren mit zu den Gründern des Dresdner Wagner-Vereins. Schon 1854 war F. an der Gründung des Tonkünstler-Vereins beteiligt und blieb bis zu seinem Tod dessen Vorsitzender. Zudem war er Delegierter des Allgemeinen Deutschen Musiker-Verbands. Für seine Verdienste zeichnete ihn der sächsische König mit dem Titel eines Professors der Musik aus; auch weitere Orden und Medaillen wurden ihm verliehen.



W  Instrumentalmusik: 12 Stücke aus Richard Wagners Opern Rienzi, Der Fliegende Holländer und Tannhäuser für die Flöte mit Begleitung des Pianoforte, Dresden; Schriften: Die Stiftungsurkunde der Königlich Sächsischen Musikalischen Kapelle, Dresden 1848; Beiträge zur Geschichte der Königlich Sächsischen musikalischen Kapelle, Dresden 1849; Zwei Aktenstücke, Johann Sebastian Bach betreffend, in: Neue Zeitschrift für Musik 35/1853, Nr. 17, S. 175f.; Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden, 2 Bde., Dresden 1861/62; Joseph Tichatscheck, Leipzig 1868; Mitteilungen über die Musikaliensammlungen des Königreichs Sachsen, in: Mitteilungen des Königlich Sächsischen Altertumsvereins 23/1873, S. 41-58; Die musikalischen Beschäftigungen der Prinzessin Amalie, Herzogin von Sachsen, Dresden 1874; Die Theater in Dresden 1763-1777, in: Mitteilungen des Königlich Sächsischen Altertumsvereins 25/1875, S. 44-78; Das Conservatorium für Musik in Dresden 1856-1881. Festschrift zur 25jährigen Jubelfeier am 26. Januar 1881, Dresden 1881.

L  Professor Moritz F. †, in: Tage-Buch der Königlich Sächsischen Hoftheater 73/1890, S. 103-106; B. M. H. Schneeberger, Die Musikerfamilie F. Untersuchungen zu Leben und Werk, 2 Teile, Münster/Hamburg 1992. – ADB 49, S. 214; DBA I, II, III; DBE 3, S. 528; MGG 4, S. 1096-1098; MGG2P 7, S. 286; NDB 5, S. 694f.; W. Kosch, Deutsches Theater-Lexikon, Bd. 1, Klagenfurt/Wien 1953, S. 512; Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 4, Berlin 1874, S. 81; Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog, Bd. 1, Berlin 1897, S. 114f.

P  Moritz F., R. Eich, Fotografie, Universitätsbibliothek Frankfurt, Bildsammlungen; A. Goldberg, Porträts und Biographien hervorragender Flöten-Virtuosen, -Dilettanten und -Komponisten, Berlin 1906, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Corinna Kirschstein
10.8.2011


Empfohlene Zitierweise:

Corinna Kirschstein, Fürstenau, Moritz Ignaz Ludwig Carl Franz August, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.8.2014)

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