Bertram Max Richard Eduard
Gartenkünstler, königlich sächsischer Gartenbaudirektor, Gartenbaupädagoge
* 1.7.1849 Potsdam 9.6.1914 Dresden Dresden, Johannisfriedhof Tolkewitz(ev.)
Johanna, geb. Schlössing (1851-1923)SEduard H. M. (1879-1942), Gartenbauingenieur
GND: 142593982

B. realisierte als freischaffender Gartenkünstler und im Auftrag des sächsischen Königshauses zahlreiche gärtnerische Anlagen, die Mehrzahl davon in Sachsen. Dabei folgte er stets den Gestaltungsprinzipien der Lenné-Meyer’schen Schule, die er auch künftigen Generationen zu vermitteln suchte. Frühzeitig erkannte B. den besonderen Wert urbaner Freiräume als „grüne Lungen“ der expandierenden Industriestädte. Er forderte, die Parkanlagen möglichst allen Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen, da Gärten aus seiner Sicht kein Luxus waren, sondern ein wichtiges Erfordernis für die schnell wachsenden Städte im Industriezeitalter. Um diesen Anspruch auch auf behördlicher Ebene durchzusetzen, engagierte er sich für die Anstellung und bessere Bezahlung von Gartenbeamten und Gärtnern in den Stadtverwaltungen Deutschlands und forderte deren Mitwirkung bei der Stadtplanung. – Im Alter von 17 Jahren begann B. eine zweijährige Gärtnerlehre in der königlich preußischen Hofgärtnerei Charlottenhof in Sanssouci beim Hofgärtner Friedrich Morsch. Ab 1868 besuchte er die Königliche Gärtnerlehranstalt Potsdam-Wildpark. Hier eignete er sich unter dem Einfluss von Gustav Meyer den für seine Arbeiten charakteristischen Gestaltungsstil an. Als Assistent von Hermann Sigismund Neumann, dem Hofgärtner auf Schloss Albrechtsberg in Dresden, hatte B. 1870/71 Gelegenheit, seine Fähigkeiten bei der Gestaltung von Privatgärten zu erproben. Anschließend vermittelte Neumann ihm eine Stelle als technischer Beamter in dem von ihm entworfenen Blasewitzer Waldpark. B. war hier zunächst bis 1873 tätig, bevor er 1880 nach Neumanns Tod die Gesamtverantwortung für den Park übernahm. 1873 gründete B. am heutigen Schillerplatz in Dresden-Striesen das „Bureau für Gartenkunst“, wo er bis zur Übernahme des Betriebs durch seinen Sohn Eduard 1912 Entwürfe für weit mehr als 200 Projekte in Sachsen schuf. Sein Leistungsspektrum reichte von Planungen für Dresdner Privatgärten, wie etwa den der Rothermundt-Villa oder den von Gottlieb Traugott Bienert in Dresden-Plauen, über öffentliche Aufträge, wie den Promenadenanlagen in Bad Schandau oder den Gärten und Plätzen zwischen den ausgedehnten Militärbauten in der Dresdner Albertstadt, bis hin zu Begräbnisstätten, wie den Neuen Annenfriedhof in Dresden-Löbtau oder den Nikolaifriedhof in Pirna. Außerdem oblag B. als Direktor der Ersten, Zweiten und Dritten Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden sowohl die Entwurfsplanung als auch die Anlageleitung. 1892 wurde er zum künstlerischen Beirat des sächsischen Königs Albert ernannt und hatte die privaten königlichen Hofgärten Sybillenort (poln. Szczodre) und Dresden-Strehlen zu verwalten. Auch als gartenkünstlerischer Berater anderer Adliger, z.B. des Reichsgrafen von Hochberg, des Herzogs von Pleß, des Landgrafen von Hessen oder des Prinzen von Hohenlohe-Rothenburg, war B. gefragt. 1887 begründete er den „Verein deutscher Gartenkünstler“ mit. Des Weiteren ist B.s Rolle als Mitbegründer der „Gartenbauschule des Gartenbauverbandes für das Königreich Sachsen“ 1892 in Dresden hervorzuheben, die er 1893 bis 1907 als Direktor im Nebenamt leitete. Hier lehrte B. 1892 bis 1914 die Fächer Freihand-, Linear- und Planzeichnen, Landschaftsgärtnerei, Feldmessen, Gartentechnik sowie Gartenkunst. Die Schule widmete sich der theoretischen Ausbildung junger Gartenkünstler. – In Anerkennung seiner Verdienste erhielt B. mehrere Auszeichnungen, darunter den 1893 verliehenen Ehrentitel „Königlich Sächsischer Gartenbaudirektor“ und den vom preußischen König Wilhelm II. 1895 in Blasewitz verliehenen Kronenorden vierter Klasse. Für die im Rahmen der Zweiten Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden durchgeführten Planungen wurden ihm 1896 das Ritterkreuz erster Klasse des sächsischen Albrechtsordens sowie das Ritterkreuz vierter Klasse des königlich bayerischen Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen. – Am 9.6.1914 erlag B. den Folgen eines Schlaganfalls.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Ministerium des Innern; Adress- und Geschäfts-Handbuch für Blasewitz für das Jahr 1887 nach amtlichen Registern bearbeitet … 9/1887.

W  Gärtnerisches Planzeichnen, Berlin 1891; mit F. Bouché/C. Hampel, Gärtnerische Plankammer, 3 Bde., Berlin 1892-1894; Die Technik der Gartenkunst, Berlin 1902; Die Parkanlagen zu Sybillenort, in: Die Gartenkunst 5/1903, S. 1-3, 37-39, 55-57, 89-91; Die deutsche Gartenkunst in den Städten, in: R. Wuttke (Hg.), Die deutschen Städte, Leipzig 1904, S. 151-180; Büro für Gartenkunst Dresden-Blasewitz: Entworfene und Ausgeführte Anlagen 1873-1912, Erster Bericht, Dresden 1912.

L  T. Echtermeyer, Die königliche Gärtnerlehranstalt Dahlem, Berlin 1913, S. 192; F. Tamms, Max Richard Eduard B., in: Möllers Deutsche Gärtnerzeitung 29/1914, S. 324 (Bildquelle); A. R. Lux/D. Prskawetz, Blasewitz im historischen Elbbogen, Dresden 1994; N. Landsberg, Künstlertouren durch Striesen und Blasewitz, Dresden 2004; Sachsen Grün, hrsg. von den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen, Hamburg 2006.



Roman Hanisch
7.12.2010


Empfohlene Zitierweise:

Roman Hanisch, Bertram, Max Richard Eduard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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