Crocinus Matthäus (Mattheus)
Maler
* 1580/83 Schlan (tschech. Slaný) 22.2.1653/ 4.1.1654 Bautzen Bautzen, Taucherfriedhof
SAugustinus, Maler
GND: 139632905

Der aus dem mittelböhmischen Schlan stammende C. kam während des Dreißigjährigen Kriegs als protestantischer Glaubensflüchtling mit seiner Familie nach Sachsen und ließ sich zunächst in Pirna nieder. 1637 zog er weiter nach Bautzen, wo er als Maler in den Dienst der Stadt trat. Seine erste nachweisbare Arbeit ist ein 1637 für die Ausstattung des Rathauses gemaltes Bildnis des Kurfürsten Johann Georg I. Ebenfalls für das Rathaus malte C. 1637/38 eine großformatige Ansicht der Stadt Bautzen, wie sie vor dem durch sächsische Truppen verursachten Stadtbrand von 1620 ausgesehen hatte, sowie eine kleinere Stadtansicht, die den Brand von 1634 zeigt. 1641 entstand eine Innenansicht des Bautzener St. Petridoms sowie im gleichen Jahr eine „Ecce Homo“-Darstellung, die sich bis heute im Petridom befindet. Zugeschrieben werden ihm ferner mehrere Porträts Bautzner Bürgermeister sowie ein Porträt des Bürgers und Stifters Gregorius Mättig. Auf dem Bautzener Taucherfriedhof hat sich C.s Grabstein erhalten, der aber vermutlich erst Jahrzehnte nach seinem Tod entstanden ist. Wie Paul Bruger nachgewiesen hat, stimmen die auf dem Stein angegebenen Geburts- und Sterbedaten nicht mit den Eintragungen in den Bautzener Kirchenbüchern überein. Sein Sohn Augustinus Crocinus führte die Malerwerkstatt des Vaters in Bautzen bis 1671 fort.



W  Porträt Kurfürst Johann Georg I., 1637, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Bautzen; Ansicht der Stadt Bautzen vor dem Stadtbrand 1620, 1637/38, Öl auf Leinwand, Stadtverwaltung Bautzen; Bautzener Stadtbrand 1634, 1637/38, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Bautzen; Innenansicht des St. Petridoms, 1641, Öl auf Kupfer, Stadtmuseum Bautzen; Ecce Homo, 1641, Öl auf Leinwand, Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Petri Bautzen.

L  C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, Bd. 33, Dresden 1909, S. 103; P. Bruger, Michael Sporer, Mattheus C., Sigismund Heinrich Kauderbach und andere Bautzener Maler bis zum Ausgange des 17. Jahrhunderts, in: Bautzener Geschichtshefte 1/1915, S. 28-63, hier 43-50 (WV); Stadtmuseum Bautzen, Bildführer, hrsg. von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, Bautzen 1994, S. 61-63; S. Seifert, Matthäus C. - ein barocker Maler des 17. Jahrhunderts, in: C.-M. Hassert (Hg.), Es blieb mehr als ein Name, Bautzen 1997, S. 29-31; W. Flügel, Katalogeintrag Bautzener Stadtbrand von 1634, in: J. Oexle/M. Bauer/M. Winzeler (Hg.), Zeit und Ewigkeit, Halle/Saale 1998, S. 285f.; W. Flügel, Katalogeintrag Inneres des Petridomes, in: ebd., S. 288f.; O. Rehor, Katalogeintrag Ansicht der Stadt Bautzen im Zustand vor 1620, in: U. Koch (Red.), Zwischen Katheder, Thron und Kerker, Bautzen 2002, S. 29. – DBA II; Thieme/Becker, Bd. 8, Leipzig 1913, S. 142.



Kai Wenzel
19.12.2005


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Crocinus, Matthäus (Mattheus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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