Dołhi (Lange) Matej (Matthäus, Mattheus)
Rittergutsbesitzer, Pietist, Gründer der Wendischen Kolonie der Herrnhuter Brüdergemeine in Kleinwelka (sorb. Mały Wjelkow)
* 24.5.1704 Doberschütz bei Malschwitz (sorb. Dobrošecy) 2.11.1786 Kleinwelka Kleinwelka(ev.)
G2 u.a. Caspar1732 Maria, geb. Handrick (1714-1784)K13 u.a. Andreas (1732-1772)
GND: 142279056





Als Halbwaise und Tagelöhner gelang D. ein Aufsehen erregender Aufstieg zum erfolgreichen Rittergutsbesitzer. 1751 öffnete er sein Gut Kleinwelka den Anhängern der Brüdergemeine um Bautzen (sorb. Budyšin) und schuf damit die Grundlage für die Herrnhuter Kolonie Kleinwelka, die sich rasch zum pietistischen Zentrum der erweckten Sorben in der Ober- und Niederlausitz entwickelte. – Nach dem Schulbesuch in Malschwitz (sorb. Malešecy) verdingte sich D., dessen Vater bereits in seinem ersten Lebensjahr verstorben war, zunächst als Knecht, wurde dann jedoch als Soldat eingezogen. Hiernach ließ er sich als Tagelöhner in der Seidau bei Bautzen (sorb. Židow) nieder, wo er um 1730 durch die Predigten des sorbischen Diakons Jan Pjech (Johann Pech) erweckt wurde. Daraufhin folgten bald erste Kontakte zur Brüdergemeine in Herrnhut. Ab 1732 pachtete D. das Gut seines Bruders in Doberschütz. In dieser Zeit erhielt er von dem Bautzener Oberamtshauptmann und Protektor der brüderischen Bewegung, Friedrich Caspar Graf von Gersdorf, und dem Klixer Diakon Jan Bohuměr Kühn (Johann Gottfried Kühn) den Auftrag, religiöse Versammlungen (Erbauungsstunden) in der Umgebung abzuhalten. Um enger mit Gersdorf und Kühn zusammenarbeiten zu können, zog D. 1738 als Tagelöhner nach Klix (sorb. Klukš), erwarb jedoch 1740 mit Hilfe Gersdorfs ein Bauerngut in Temritz (sorb. Ćemjercy). In dieser Zeit orientierte sich D., ähnlich wie Gersdorf, an der pietistischen Schlossgemeine in der reußischen Residenz Ebersdorf im Vogtland, die er auch persönlich besuchte. Nach der Vereinigung der Schlossgemeine Ebersdorf mit Herrnhut 1746 wandte er sich jedoch wieder Herrnhut zu. Zwischen 1744 und 1748 wirkte D. als Verwalter des Gersdorfschen Guts Teichnitz (sorb. Ćichońca), wo er dessen Aufbau zum zentralen Versammlungsort der Erweckten um Bautzen begleitete. Ebenfalls mit Gersdorfs Hilfe erwarb D. 1746 das nur wenige Kilometer von Teichnitz entfernt liegende Gut Kleinwelka. Möglicherweise wollte Gersdorf damit für den Fall seines Tods vorsorgen, wusste er doch, dass mit seinem Tod die frommen Versammlungen im Teichnitzer Schloss enden würden. Als Gersdorf im Sommer 1751 verstarb, folgten die Teichnitzer Gemeinemitglieder deshalb der Einladung D.s nach Kleinwelka. Damit legte er den Grundstein für den brüderischen Gemeinort Kleinwelka, der als Wendisch Niska in erster Linie für die sorbischen Mitglieder bestimmt war. Um die Entwicklung der wachsenden Kolonie zu sichern und unter adligen Schutz zu stellen, verkaufte D. Kleinwelka 1756 für 17.000 Taler an Agnes Sophie Gräfin von Reuß-Ebersdorf. Später wirkte er auch als Verwalter des Guts in Trebus und investierte in verschiedene Unternehmen. So festigte sich sein Ruf, der größte Wirtschafter in der Lausitz zu sein. Der Aufstieg D.s vom Tagelöhner zum Rittergutsbesitzer ist somit zwar im Wesentlichen auf seine enge Zusammenarbeit mit Gersdorf zurückzuführen und nicht ohne den pietistischen Kontext zu verstehen, er hing jedoch letztlich v.a. mit seiner unternehmerischen Begabung zusammen.



Q  Unitätsarchiv Herrnhut; Archiv der Brüdergemeine Kleinwelka.

L  L. Mahling, Der Pietismus und die Sorben, in: Lětopis 62/2015, H. 2. S. 15-33. – J. Sołta/P. Kunze/F. Šěn (Hg.), Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow [Neues biografisches Lexikon zur Geschichte und Kultur der Sorben], Bautzen 1984, S. 114.



Lubina Mahling
26.10.2016


Empfohlene Zitierweise:

Lubina Mahling, Dołhi (Lange), Matej (Matthäus, Mattheus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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