Martin
Bischof von Meißen
15.7.1190 Antiochia (türk. Antakya)
V Graf Diepold von Berg (?)
GND: 13716324X





M., der vielleicht aus der schwäbischen Grafenfamilie von Berg stammte, wurde 1170 als Meißner Domherr zum Bischof von Meißen gewählt. Im Lauf seiner zwei Jahrzehnte währenden Amtszeit bemühte er sich, soweit es die Überlieferung erkennen lässt, besonders um den weiteren Ausbau und den Erhalt des Hochstifts, ein Engagement, das im Kontext des einsetzenden Landesausbaus steht. So regelte 1185 M. die Rechtsverhältnisse der Marktbürger („forenses“) und der Bauern („coloni“) der bischöflichen Siedlung Löbnitz an der unteren Mulde. Zäh verteidigte M. auch die bischöfliche Burg Seidenberg am Queis gegen Entfremdungsbestrebungen der in der Oberlausitz ansässigen edelfreien Familie von Kittlitz. Den sich entzündenden Streit brachte er vor Papst und Kaiser und verhängte mehrfach die Exkommunikation gegen seine Widersacher, zuletzt 1188 gegen Burkhard von Kittlitz. Ob die gelegentlich erwähnten, aber nicht näher ausgeführten Auseinandersetzungen mit dem Klerus seiner Diözese damit zusammenhängen, dass seine landesherrlich zu nennende Politik auf Widerstand innerhalb des Domkapitels stieß, dem mit Propst Dietrich (Bischof 1191-1208) ein Angehöriger der Familie von Kittlitz vorstand, ist unsicher. Die Gründung und Entwicklung geistlicher Einrichtungen in der Diözese (in seine Zeit fiel die Stiftung oder der Ausbau von Altzelle, Zschillen, Dobrilugk und Riesa) förderte M. durch die Befreiung vom Bischofszehnten. Außerdem fixierte und begrenzte er die Beherbergungspflicht der Klöster, die den mit seinem Gefolge umherziehenden Bischof beköstigen mussten. Diese bischöfliche „procuratio“ ist anlässlich ihrer Festsetzung für das Kloster Zschillen 1182 erstmals für die Meißner Diözese greifbar. Das spiegelt auch die wachsenden Aufgaben und eine intensiver werdende Reisetätigkeit sowie Herrschafts- und Amtsausübung in Diözese und Hochstift angesichts der steigenden Bevölkerungszahl wider. Dem äußeren Ausbau des Hochstifts steht dabei - allerdings nur schemenhaft greifbar - ein innerer Ausbau der bischöflichen Herrschaft gegenüber: Für Löbnitz wurde 1185 ein Amtsvogt erwähnt, belegt sind auch durch die Zeugenlisten von M.s Urkunden Vertreter einer bischöflichen Ministerialität. – Auffällig an M.s Episkopat ist aber besonders, dass er in einem von seinen Nachfolgern nicht mehr erreichten Ausmaß Einfluss auf die Reichspolitik ausübte. Anders als etwa noch sein Vorgänger Gerung pflegte M. ein enges Verhältnis zu Kaiser Friedrich I. Barbarossa und war häufig in dessen Dienst und Umgebung zu finden, so auf dem Erfurter Reichstag 1181. Nicht nur dieses reichspolitische Engagement, sondern auch die Einbindung in die abendländische Kirche führten M. dabei immer öfter - v.a. in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit - aus seiner Diözese heraus. Nachdem er zum Friedensschluss zwischen Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich I. in Venedig 1177 noch den Dompropst Dietrich mit einer kleinen Gesandtschaft abgeordnet hatte, nahm er 1179 persönlich am dritten Laterankonzil teil. 1185/86 hielt er sich mit anderen deutschen Bischöfen in Italien an der Kurie auf, um erneut zwischen Kaiser Friedrich I. und dem neuen Papst Urban II. zu vermitteln. Auf der Rückreise von Italien besuchte M. 1187 den Wormser Reichstag. Im Anschluss an den Mainzer „Hoftag Jesu Christi“ vom März 1188 begab er sich gemeinsam mit dem Kaiser und vielen anderen Großen des Reichs auf den Kreuzzug. Nachdem schon Friedrich I. unerwartet verstorben war, erlag auch M. auf dem Weg ins Heilige Land im Fürstentum Antiochia einer im Kreuzfahrerheer grassierenden Seuche.



Q  Codex diplomaticus Saxoniae regiae, II. Hauptteil, Bd. 1: Urkundenbuch des Hochstifts Meißen, Teil 1, hrsg. von E. G. Gersdorf, Leipzig 1864 (Bildquelle); Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae thuringiae, Bd. 2, 1152-1227, hrsg. von O. Dobenecker, Jena 1898.

L  W. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter, Bd. 2, Köln 1962, S. 48-50.; W. Rittenbach/S. Seifert, Geschichte der Bischöfe von Meißen 968-1581, Leipzig 1965, S. 114-120. – DBE 6, S. 635; NDB 16, S. 276.



Marek Wejwoda
10.7.2009


Empfohlene Zitierweise:

Marek Wejwoda, Martin, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.10.2017)

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