Junge Margarete
Designerin, Modezeichnerin
* 14.4.1874 Dresden 19.4.1966 Dresden
VJohann Bernhard Junge, UhrenhändlerMFranzösin
GND: 139713107

J. wuchs in behüteten Verhältnissen in Dresden auf. Bereits in jungen Jahren ermöglichte ihr der Vater Privatunterricht in Malerei, vermutlich bei Wilhelm Claudius, sowie zwei Jahre lang den Besuch der Zeichenschule des Frauenerwerbsvereins Dresden. Um 1894 setzte sie ihre Ausbildung für zwei Jahre an der „Damen-Akademie“ des Künstlerinnen-Vereins in München fort. 1898 kehrte sie nach Dresden zurück. 1901 nahm J. an der Ausstellung „Die Kunst im Leben des Kindes“ in Berlin und an der Internationalen Kunstausstellung teil. Bis in die 1920er-Jahre hinein entwarf sie mit Gertrud Kleinhempel, anfangs anonym, Zimmereinrichtungen für die „Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst Schmidt und Müller“. Einige der Arbeiten konnte sie im Kunstsalon Emil Richter ausstellen, wo Henry van de Velde auf sie aufmerksam wurde. 1902 beteiligte sich J. im Namen der „Werkstätten für Deutschen Hausrat“ mit Entwürfen für Möbel, Haushaltsgegenstände, Stoffe und Gartenmobiliar an der Internationalen Kunstgewerbeausstellung in Turin. 1904 nahm sie an der Weltausstellung in St. Louis (USA) teil und stellte dort Möbel für das sächsische Kunstgewerbe aus. 1905 arbeitete sie für die Textildruckerei De-We-Tex (Deutsche Werkstätten Textil), für die sie kunsthandwerkliche Webereien anfertigte. 1906 beteiligte sich J. an der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden und erregte u.a. mit Gartenmobiliar, Schmuck und Lampen das Interesse der Öffentlichkeit. 1907 erfolgte ihre Anstellung als Lehrerin an der Kunstgewerbeschule in Dresden. Neben ihrer Lehrtätigkeit entwarf sie weiterhin Zimmereinrichtungen. 1908 beteiligte sich J. an der Großen Kunstausstellung in Dresden. Nach 1915 wurde sie an der Kunstgewerbeschule Professorin für Entwerfen und Ausführen künstlerischer weiblicher Handarbeiten und von Kleidungsstücken sowie für Entwerfen im architektonischen Kunstgewerbe. Im Frühjahr 1933 enthoben sie die Nationalsozialisten ihres Lehramts. Sie verließ Dresden und zog in den Vorort Hellerau, wo sie bis zu ihrem Tod zurückgezogen lebte. Im Auftrag der Dresdner Firma Villeroy & Boch bemalte sie in den 1930er- und 1940er-Jahren Weißporzellan. Ihrer Leidenschaft für die Kunst blieb sie Zeit ihres Lebens treu. Würdigung verdient nicht nur J.s Leistung als Künstlerin und Designerin, sondern auch ihre Rolle als Frau in einer von Männern geprägten akademischen Welt, in der sie konsequent für die Gleichberechtigung der Studentinnen in Lehrprogramm und Bewertung eintrat.



W  Harmonium, ca. 1906, Ausführung Harmoniumfabrik J. T. Müller, Dresden; mit Gertrud Kleinhempel, Glocken und Hämmer aus dem Dresdener Ratssilber, ca. 1906, Ausführung Goldschmied Arthur Berger, Dresden; Blumentisch, ca. 1908, Ausführung Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst, Dresden; Beim Pferderennen, Tusche/Aquarell, Hochschule für Bildende Künste Dresden; Im Gespräch, Bleistift, Hochschule für Bildende Künste Dresden; Dame mit Pudel, Federzeichnung, Hochschule für Bildende Künste Dresden.

L  G. Claußnitzer, in: Margarete J., Modebilder und Blumenzeichnungen, Ausstellung von August bis September 1981 in der Galerie „Kunst der Zeit“ Dresden, Dresden 1981; H. J. Safert, Hellerau, Die Gartenstadt und Künstlerkolonie, Dresden 1995, S. 98f.; N. Kardinar, Margarete J. - Künstlerin und Lehrerin, in: Dresdener Kunstblätter 4/2003, S. 223-226. – DBA II; Thieme/Becker, Bd. 19, Leipzig 1926, S. 326f.

P  Frau Prof. Margarete J., F. Tröger, 1926, Öl auf Sperrholz, 98 x 68,5 cm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister; Margerete J., Teichert, 1936, Steingut bemalt nach F. Tröger, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kunstgewerbemuseum, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Anna Pauline Weinke
2.2.2005


Empfohlene Zitierweise:

Anna Pauline Weinke, Junge, Margarete, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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