Magdalena Sibylla von Preußen
Kurfürstin von Sachsen
* 31.12.1586 Königsberg 12.2.1659 Dresden Freiberg, Dom(ev.)
VAlbrecht Friedrich (1553-1618), Herzog von PreußenMMaria Eleonora, geb. von Jülich-Kleve-Berg (1550-1608), Herzogin von PreußenGAnna (1576-1625), Kurfürstin von Brandenburg; Maria (1579-1649), Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth; Albrecht Friedrich (* † 1580); Sophia (1582-1610), Herzogin von Kurland; Eleonora (1583-1607), Kurfürstin von Brandenburg; Wilhelm Friedrich (1585-1586)1607 Johann Georg (I.) (1585-1656), Herzog von Sachsen, ab 1611 KurfürstSN.N. (* † 1608); Christian Albert (* † 1612); Johann Georg II. (1613-1680), Kurfürst von Sachsen; August (1614-1680), Herzog von Sachsen-Weißenfels; Christian (1615-1691), Herzog von Sachsen-Merseburg; Moritz (1619-1681), Herzog von Sachsen-Zeitz; Heinrich (* † 1622)TSophia Eleonora (1609-1671), Landgräfin von Hessen-Darmstadt; Maria Elisabeth (1610-1684), Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf; Magdalena Sibylla (1617-1668), Herzogin von Sachsen-Altenburg
GND: 101041535






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M. wurde als siebtes Kind des preußischen Herzogs Albrecht Friedrich aus der fränkischen Linie der Hohenzollern und der Herzogin Maria Eleonora von Jülich-Kleve-Berg geboren. Die Kindheit und Jugend verbrachte M. überwiegend am Königsberger Hof, aber auch in Brandenburg. Da Herzog Albrecht Friedrich spätestens ab 1573 an einer Geisteskrankheit litt, kümmerte sich v.a. die Mutter Maria Eleonora um ihre Bildung und Erziehung. So erhielt M. neben der für fürstliche Töchter üblichen Ausbildung auch Unterricht in Französisch. Die Ehepolitik Maria Eleonoras war vom absehbaren Aussterben des preußischen sowie des Jülicher Herzogshauses bestimmt. Die älteste Tochter Anna brachte sowohl die preußischen als auch die Jülicher Erbansprüche in ihre 1594 geschlossene Ehe mit dem Markgrafen und späteren Kurfürsten von Brandenburg, Johann Sigismund, ein. Alle anderen Töchter - also auch M. - wurden finanziell entschädigt. – Johann Sigismund von Brandenburg war es auch, der die Ehe M.s mit seinem sächsischen Vetter Johann Georg förderte. Für den 22-jährigen sächsischen Herzog war es die zweite Ehe, nachdem wenige Monate zuvor seine erste Frau Sibylla Elisabeth von Württemberg kinderlos im Alter von 21 Jahren verstorben war. – Anfänglich akzeptierte Kursachsen den Verzicht M.s auf die Ansprüche am Herzogtum Jülich und die dafür erhaltene Entschädigung von 60.000 Gulden. Bereits kurz nach der Eheschließung wurden jedoch mögliche preußische Erbansprüche von kursächsischer Seite vertreten. Auch M. selbst engagierte sich aktiv für ihre Rechte. Ziel war weniger der tatsächliche territoriale Zugewinn als eine mögliche finanzielle Entschädigung. Schließlich einigten sich Kurbrandenburg und Kursachsen 1630 auf eine Abfindung in Höhe von 100.000 Reichstalern statt der geforderten 300.000 Reichstaler. Dieses Geld spielte eine wichtige Rolle bei der finanziellen Absicherung M.s als Ehefrau und später als Witwe. – Nach einer Fehlgeburt gebar M. in den 49 Ehejahren neun Kinder, von denen zwei im Kindesalter verstarben. Alle anderen erhielten am kursächsischen Hof eine für fürstliche Kinder übliche Erziehung und konnten standesgemäß verheiratet werden. M. nahm auf die Partnerwahl ihrer Kinder keinen großen Einfluss, kümmerte sich dafür aber umso intensiver um die materielle Ausstattung ihrer Töchter bei der Eheschließung sowie um die Vorbereitung der Hochzeiten. – Neben der Familie war die Religiosität eine wichtige Konstante im Leben von M. Während des Dreißigjährigen Kriegs zeigte sie sich als engagierte Anhängerin des lutherischen Glaubensbekenntnisses. Der Krieg war für sie ein Glaubenskrieg, in welchem sich das Schicksal des Luthertums entscheiden sollte. Dementsprechend war auch M.s Einstellung zur Politik des Kaisers und seiner Verbündeten. 1631 begrüßte sie den politischen und militärischen Wechsel Kursachsens zum protestantischen Schweden. Nach dem Tod des schwedischen Königs Gustav II. Adolf verlor sie jedoch zunehmend die Illusion, Schweden könne der Friedensbringer im Reich sein. Ihre Hoffnungen setzte sie deshalb in ihren eigenen Mann. Seinen Koalitionswechsel 1635 zur kaiserlichen Seite wertete sie als Möglichkeit zur Wiedererlangung eines dauerhaften Friedens im Reich. Mit zunehmender Kriegsdauer wandelte sich ihre politische Einstellung. In den späteren Jahren war es für sie wichtig, Frieden und Religionssicherheit für Kursachsen zu bewahren, das eigene Territorium zu schützen und für ihre Nachkommen zu sichern. Ihre ausgeprägte antikatholische Haltung gab sie aber auch nach dem Krieg nicht auf. M. entwickelte eigene Maßstäbe, nach denen sie ihre Umgebung beurteilte. Wichtige Kriterien dafür waren das Glaubensbekenntnis und die Standeszugehörigkeit. Während des Kriegs, als ihre eigenen finanziellen Mittel und Möglichkeiten begrenzt waren, achtete sie umso stärker auf die Lebensweise der Menschen im Land. 1628 entwickelte sie eine Kleiderordnung für Kursachsen, mit welcher sie der Prunksucht bürgerlicher und auch adliger Frauen ein Ende bereiten wollte. Hofadlige, die während des Kriegs teilweise materiell besser gestellt waren als sie, bezichtigte M., Kriegsgewinnler zu sein und sich illoyal gegenüber dem Kurfürsten zu verhalten. Hintergrund für eine solche Grundhaltung war zweifelsohne M.s schlechte finanzielle Situation. Zwar hatte sie durch ihre Jülicher und preußischen Erbschaften sowie durch ihre gute Haushaltung in den Vorkriegsjahren große Geldsummen eingebracht, doch war die kurfürstliche Rentkammer seit den 1630er-Jahren de facto zahlungsunfähig. M. bemühte sich um finanziellen Zugewinn, ohne dabei die Standesgrenzen zu verletzen. So investierte sie in Immobilien und nutzte v.a. Vorwerke und Gärten als Möglichkeit der Selbstversorgung. Wie ihr Vorbild, die sächsische Kurfürstin Anna von Dänemark, widmete sie sich dem Gartenbau. Auch nach dem Krieg kaufte sie weitere Grundstücke an und erwirkte bei ihrem Mann, ihr statt finanzieller Zuwendungen aus der kurfürstlichen Rentkammer das Amt Lichtenwalde sowie die Vorwerke Frankenberg, Sachsenburg, Neusorge, Zadel und Baselitz zu überlassen. Über diese Besitzungen sowie über ihr Leibgedinge Colditz konnte sie nach dem Tod ihres Ehemanns verfügen und war damit als Witwe gut ausgestattet. Durch persönliches Engagement konnte sie so ihre finanzielle Situation deutlich verbessern. Zeitgenossen wie der Augsburger Patrizier Philipp Hainhofer beschreiben M. außerdem als eine Kurfürstin von gutem Verstand und mit großem Kunstsinn. Ihre Kunstkammer war über die Landesgrenzen hinaus bekannt. – Die Witwenzeit verbrachte M. in Dresden. Dort wohnte sie in ihrem Stadthaus in der Kreuzgasse, Fraumutterhaus genannt. Hier verstarb sie zwei Jahre nach ihrem Mann.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Finanzarchiv, Urkunden; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Brandenburgisch-Preußisches Hausarchiv, Königsberger Archiv.

L  K. A. Müller, Kurfürst Johann Georg I., seine Familie und sein Hof, Dresden/Leipzig 1838; F. O. Stichart, Galerie der Sächsischen Fürstinnen, Leipzig 1857; M. Tutzschmann, M. Sibylla I., Kurfürstin zu Sachsen, Gemahlin Johann Georg’s des Ersten, in: Freie Gaben für Geist und Gemüth 7/1862, S. 98-121; G. Müller, Kurfürstin M. Sibylla als Verfasserin des Entwurfs zur Kleiderordnung von 1628, in: NASG 11/1890, S. 156-160; J. Meyer, Frauengestalten und Frauenwalten im Hause Wettin, Bautzen 1912; U. Essegern, Kursächsische Eheverträge in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: M. Schattkowsky (Hg.), Witwenschaft in der Frühen Neuzeit, Leipzig 2003, S. 115-135; dies., Fürstinnen am kursächsischen Hof, Leipzig 2007, S. 253-413. – ADB 20, S. 49; DBA I.

P  M. Sibylla von Preußen mit Sohn Christian, unbekannter Meister, 1617, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Schloss Moritzburg, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Ute Essegern
6.8.2009


Empfohlene Zitierweise:

Ute Essegern, Magdalena Sibylla von Preußen, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.8.2017)

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