Ludeger (Ludegerus, Ludgerus, Ludigerus, Lutegerus, Lutgerus)
Abt des Zisterzienserklosters Altzelle, Theologe
26.2.1234 Kloster Altzelle

GND: 102507260

L. stammte nach eigenem Bekunden aus dem Altzeller Mutterkloster Pforte (südwestlich von Naumburg), welches er als seine „mater ecclesia“ bezeichnete. In einer gefälschten Urkunde von 1202 wird erstmals ein Altzeller Mönch namens L. erwähnt. Vier Jahre später dann bekannten Bischof Dietrich II. und das Domkapitel von Meißen, dass ihnen der Mönch L. von Altzelle die Schrift des hl. Augustinus (354-430) „De civitate dei“ mit der Bitte geschenkt hat, den Festtag des Heiligen alljährlich zu begehen. Ob es sich bei dem Anfang des 13. Jahrhunderts bezeugten Altzeller Mönch L. und den beiden gleichnamigen Altzeller Äbten, die 1207/09 bis 1211/13 bzw. 1223/24 bis 1234 dem Kloster vorstanden, um ein und dieselbe Person handelt, kann lediglich vermutet werden, ein Beweis für deren Identität ist nicht zu erbringen. L.s erste Amtsübernahme erfolgte nach dem Tod seines Vorgängers, des Abts Matthäus, welcher am 21.8. des Jahres 1207, 1208 oder 1209 starb. Der Todestag von Matthäus ist im Altzeller Nekrologfragment überliefert, das Todesjahr ergibt sich aus seinem letzten urkundlichen Auftreten am 12.4.1207 in Verbindung mit einer Nachricht des Altzeller Weiheverzeichnisses, nach welcher L. am 2.1.1210 an der Spitze der Zisterze stand. Für L.s erstes Abbatiat haben sich nur zwei urkundliche Nachweise erhalten, der erste Beleg stammt vom 14.3.1211, der zweite vom 26.8.1211. Zwischen dem zuletzt genannten Datum und dem 7.11.1213 (erste und auch einzige urkundliche Erwähnung seines Nachfolgers Winemar) erfolgte die Resignation L.s, der 121(4)/15 als ehemaliger Abt von Altzelle bezeichnet wird. Der Zeitpunkt seiner zweiten Amtsübernahme liegt zwischen dem 29.3.1223 (letzter urkundlicher Beleg für Abt Gerhard, L.s Vorgänger) und dem 10.6.1224 (erste urkundliche Erwähnung Abt L.s). L., der letztmalig am 14.3.1233 in einer Urkunde nachzuweisen ist, starb nach dem Altzeller Nekrologfragment am 26.2., und zwar 1234, denn die Nachricht der „Annales Veterocellenses“, dass 1234 ein „Rudegerus (statt Ludegerus) quartus abbas in Cella“ verstorben sei, kann sich nur auf L. beziehen, da 1235 bereits sein Nachfolger Johannes amtierte und L. tatsächlich als vierter Abt von Altzelle sein Amt angetreten hatte (1207/09). – Von L.s großer Gelehrsamkeit zeugen mehr als 160 bislang noch unveröffentlichte Predigten, die allesamt in der Universitätsbibliothek Leipzig verwahrt werden, und zwar „Sermones de tempore et de sanctis“ (Ms. 452), „Sermones festivales de tempore et de sanctis“ (Ms. 453, Bl. 1-206) und eine Reihe von Predigten, darunter Sermone für die Osterzeit, im „Liber azymorum“ (Ms. 454), ferner ein „Sermo in natali sancti Augustini episcopi“ (Ms. 166, Bl. 159-165) sowie ein vermutlich von L. verfasster „Sermo in transitu beati Bernhardi abbatis“ (Ms. 278, Bl. 2-5b). Darüber hinaus wird L. u.a. die theologische Konzeption für das Bildprogramm der um 1230 geschaffenen Goldenen Pforte am Freiberger Dom zugeschrieben.



Q  Dedicationes variorum altarium et capellarum in Cella Veteri, in: Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum …, hrsg. von J. B. Mencke, Bd. II, Leipzig 1728, Sp. 453-462, hier Sp. 456; [H.] Leyser, Bruchstuecke eines Nekrologiums des Klosters Altenzelle, in: Bericht vom Jahre 1841 an die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft zu [sic!] Erforschung vaterlaendischer Sprache und Alterthuemer in Leipzig 1841, S. 1-10, hier S. 3; Annales Veterocellenses, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, Bd. 16, Hannover 1859 (ND Hannover 1994), S. 41-47, hier S. 43, Zeile 16; Urkundenbuch des Klosters Pforte, bearb. von P. Boehme, T. I: 1132-1350, Halle 1893-1904, S. 546, Nr. LXVII; J.-M. Canivez (Hg.), Statuta capitulorum generalium ordinis Cisterciensis ab anno 1116 ad annum 1786, Bd. II: 1221-1261, Louvain 1934, S. 47, Nr. 61; Codex diplomaticus Saxoniae, II. Hauptteil, Bd. 19: Urkundenbuch des Zisterzienserklosters Altzelle, Tl. 1: 1162-1249, bearb. von T. Graber, Hannover 2006, S. 308f., 345 (Register).

L  C. Schlegel, De Cella Veteri …, Dresden 1703, S. 137; J. C. Knauth, Des alten beruehmten Stiffts-Closters und Landes-Fuerstlichen Conditorii Alten-Zella … geographisch- und historische Vorstellung …, T. 2, Dresden/Leipzig 1721, S. 115ff.; [J. L.] Rueling, Versuch einer Erlaeuterung des im Bericht vom J. 1840 (S. 32ff.) mitgetheilten „Alten Verzeichnisses der fruehesten Erwerbungen des Klosters Altenzelle“, in: Bericht vom Jahre 1841 an die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft zu [sic!] Erforschung vaterlaendischer Sprache und Alterthuemer in Leipzig, S. 42-63, hier S. 59f.; K. Gautsch, Beitraege zu einem Commentar des Necrologiums des Klosters Altenzella …, in: ders. (Hg.), Archiv für sächsische Geschichte und Alterthumskunde 1/1843, S. 24-40, hier S. 28, 36; [J. L.] Rueling, Beitraege zu dem Commentar des Necrologiums vom Kloster Altenzella, in: ebd., S. 160-171, hier S. 161f., 166f.; E. F. Mooyer, Einige Erlaeuterungen zu dem Nekrologium des Klosters Altenzelle, in: Bericht vom Jahre 1844 an die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft zu [sic!] Erforschung vaterlaendischer Sprache und Alterthuemer in Leipzig, S. 27-38, hier S. 30ff.; C. H. F. v. Zehmen, Die Reihenfolge der Aebte des ehemaligen Cistercienser-Klosters Alten-Zelle bei Nossen an der Mulde, Dresden 1845, S. 11, 13; E. Beyer, Das Cistercienser-Stift und Kloster Alt-Zelle in dem Bisthum Meißen, Dresden 1855, S. 64-66, 120, 128, 740 (Register); L. Schmidt, Beiträge zur Geschichte der wissenschaftlichen Studien in sächsischen Klöstern, [T.] 1: Altzelle, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 18/1897, S. 201-272, hier S. 212, 237 (F 12), 239 (G 2), 243 (I 12-14), 269f.; H. Möbius, Gedenkblätter aus Altenzelle, Bd. 1, Nossen [1897], S. 99-117, 213; G. Buchwald, Abt L. von Altzelle als Prediger, in: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte 34/35/1924/25, S. 1-52; R. Helssig, Katalog der lateinischen und deutschen Handschriften der Universitäts-Bibliothek zu Leipzig, Bd. I: Die theologischen Handschriften, Tl. 1, Leipzig 1926/35, S. 196, 406ff., 731-736; A. Chroust, Monumenta palaeographica. Denkmäler der Schreibkunst des Mittelalters. Schrifttafeln in lateinischer und deutscher Sprache, Serie III, Bd. 2 (Lieferung IX-XVI), Leipzig 1935, hier Lieferung XI, Tafel 1 (581); W. Rittenbach/S. Seifert, Geschichte der Bischöfe von Meißen 968-1581, Leipzig 1965, S. 127; H. Magirius, Zu Fragen der Ikonographie der Goldenen Pforte, in: E. Hütter/F. Löffler/H. Magirius (Hg.), Kunst des Mittelalters in Sachsen, Weimar 1967, S. 198-221, hier S. 210-214; ders., Der Freiberger Dom, Weimar 1972, S. 219-222, 263, 269-273; J. B. Schneyer, Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters für die Zeit von 1150-1350, [Bd. 4:] Autoren: L-P, Münster ²1972, S. 95-107; W. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter, Bd. 2, Köln/Wien ²1983, S. 448f., 711 (Register); K. Blaschke, Geschichte Sachsens im Mittelalter, Berlin 1990, S. 188f., 216; F. E. Zehles, Beobachtungen zur allegorischen Bibelinterpretation bei Leodegar von Altzelle, in: Cistercienserchronik 107/2000, S. 53-67; H. Kunde, Vaterabt und Tochterkloster, in: M. Schattkowsky/A. Thieme (Hg.), Altzelle, Leipzig 2002, S. 39-67, hier S. 42, 60f., 64-67; ders., Das Zisterzienserkloster Pforte, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 232, 239f.; G. Karpp, Auflösung der Klöster in Sachsen - die Zisterzienserabtei Altzella, in: H. Marx/E. Kluth (Hg.), Glaube und Macht. Katalog, Dresden 2004, S. 337-343, hier S. 339f., Nr. 568. – DBA I; K. Ruh (Hg.), Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Bd. 5, Berlin/New York ²1985, Sp. 948f.



Tom Graber
15.5.2006


Empfohlene Zitierweise:

Tom Graber, Ludeger (Ludegerus, Ludgerus, Ludigerus, Lutegerus, Lutgerus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (1.5.2017)

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