Laux Karl
Musikwissenschaftler
* 26.8.1896 Ludwigshafen 27.6.1978 Dresden Trinitatisfriedhof Dresden

GND: 118570269

Während der Gymnasialzeit in Speyer erhielt L. eine Ausbildung im Violin-, Klavier- und Orgelspiel. 1914 wurde er Soldat und geriet 1916 für drei Jahre in englische Kriegsgefangenschaft, u.a. in den Lagern Potishall, Sobs und Brocton. Hier erhielt er entscheidende berufliche Anregungen durch den Musikwissenschaftler Friedrich Blume. 1921 bis 1925 studierte L. in Heidelberg Musikwissenschaft bei Theodor Kroyer, Hans Joachim Moser und Hermann Halbig sowie Soziologie und bei Karl Jaspers Philosophie. Schon während des Studiums, das er 1925 mit der Promotion zum Thema „Der Erziehungsgedanke bei Schleiermacher“ abschloss, war er als Musikkritiker in Ludwigshafen und Mannheim tätig. Bis 1934 wirkte er als Musikredakteur der „Neuen Badischen Landeszeitung“ in Mannheim und zugleich als Dozent für Musikgeschichte an der dortigen Musikhochschule und Volkshochschule. Anschließend arbeitete L. für die „Dresdner Neuesten Nachrichten“, bis die Zeitung kriegsbedingt 1943 eingestellt bzw. mit anderen Presseorganen zur „Dresdner Zeitung“ zusammengelegt wurde. 1936 bis 1942 nahm er daneben einen Lehrauftrag am Konservatorium der Landeshauptstadt Dresden, der Akademie für Musik und Theater, wahr. – Nach Kriegsende war L. 1945 bis 1948 als Referent für Musik und Theater bei der Landesregierung Sachsens für den Wiederaufbau des sächsischen Musiklebens verantwortlich. 1948 bis 1951 arbeitete er als Musikredakteur der „Täglichen Rundschau“ sowie als erster Chefredakteur der Zeitschrift „Musik und Gesellschaft“ sowie als Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler in Ostberlin. 1951 wurde L. zum Direktor und Professor an der Dresdner Akademie für Musik und Theater berufen, die unter seiner Leitung 1952 zur Hochschule für Musik ausgebaut wurde und 1959 den Ehrennamen „Carl Maria von Weber“ erhielt. Der 1957 zum Rektor ernannte und 1963 emeritierte L. gehörte gleichwohl bis ins hohe Alter zu den führenden Persönlichkeiten des Dresdner Musiklebens und blieb bis zu seinem Tod wissenschaftlich, journalistisch und organisatorisch aktiv. Seit 1949 war er Vorstandsmitglied der Joseph-Haas-Gesellschaft, seit 1956 Präsident der Robert-Schumann-Gesellschaft mit Sitz in Zwickau, 1956 bis 1964 Beiratsmitglied der Neuen Heinrich-Schütz-Gesellschaft, 1959 bis 1962 Vizepräsident, 1963 bis 1968 zweiter Vizepräsident der Gesellschaft für Musikforschung und 1965 bis 1972 erster Vorsitzender des Verbands der Komponisten und Musikwissenschaftler, Bezirksverband Dresden. 20 Jahre stand L. auch als erster Vorsitzender der Bezirksleitung des Kulturbunds Dresden vor. Seine kulturpolitische und pädagogische Arbeit wurde in der DDR durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt. Die Dresdner Musikhochschule ernannte ihn 1963 zum Ehrensenator, die Stadt Dresden verlieh ihm 1969 den Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis. – Der überaus produktive, stilistisch gewandte Musikschriftsteller und -kritiker besaß ausgeprägten wissenschaftlichen Ehrgeiz, und zwar sowohl im Deutschland vor 1945 und v.a. in der DDR, wo er zu beträchtlichem Einfluss gelangte. Freilich bewegte sich L. mitunter auf schmalem politischen Grat, nicht selten in Handlungen und Äußerungen widersprüchlich lavierend, wie es sich beispielsweise in manchen Darstellungen seiner Autobiografie „Nachklang“ niederschlug. Er passte sich nicht nur herrschenden Ideologien gern an, sondern vertrat sie auch leidenschaftlich, wie etwa die Prinzipien des sog. sozialistischen Realismus. Heftig stritt er gegen Formalismus, serielle Dekadenz und Zwölftontechnik als „Deformierung des Menschenbildes in der Musik“, obwohl er andererseits durchaus vehement für - allerdings gemäßigte - Vertreter der zeitgenössischen Musik eintrat. Eine wenig rühmliche Rolle spielte er beim erzwungenen Austritt der DDR-Mitglieder aus der bundesrepublikanisch dominierten „Gesellschaft für Musikforschung“ 1968.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftenabteilung, Nachlass L.

W  Joseph Haas, Mainz 1931, Berlin/Düsseldorf 21954, gekürzt Leipzig 31958; Orchester- und Kammermusik, in: Atlantisbuch der Musik, Zürich 1934; Der Thomaskantor und seine Söhne, Dresden 1939; Anton Bruckner, Leipzig 1940, Leipzig/Wiesbaden 21947; (Hg.), Das Musikleben in der Deutschen Demokratischen Republik 1945-1950, Leipzig 1963; Musik und Musiker der Gegenwart, Essen 1949; Kleine Bach-Biographie, Berlin 1950; mit I. Becker-Glauch/H. Schnoor, Dresden, in: MGG 3, Kassel/Basel 1954, Sp. 757-794; Dresdner Ansprachen, Dresden 1956; Dresden ist doch gar zu schön. Der Aufenthalt Schumanns in Dresden, eine Ehrenrettung, in: Robert-Schumann-Festschrift, Leipzig 1956; Bausteine zu einer Dresdner Musikgeschichte, in: Wissenschaftliche Annalen, Berlin 1956; Die Musik in Russland und in der Sowjetunion, Berlin 1958; Ottmar Gerster, Leipzig 1959, 21961; Dirigent - Diener oder Diktator, in: Franz-Konwitschny-Festschrift, Leipzig 1961; Die Dresdner Staatskapelle, Leipzig 1964; Carl Maria von Weber, Leipzig 1966; Wesen und Wandlung des philharmonischen Gedankens, in: Walther-Vetter-Gedenkschrift „Musa - Mens - Musica“, Leipzig 1970; Hg., C. M. von Weber: Kunstansichten. Ausgewählte Schriften, Leipzig 1975; Nachklang. Autobiographie, Berlin 1977; Carl Maria von Weber, Berlin 1979.

L  Musik in der Schule 22/1971; Musik und Gesellschaft 21/1971; L. Klingberg, Politisch fest in unseren Händen, Kassel/Basel 1997, S. 102ff., 353ff.; M. Demuth, Karl L. Autor, Kulturpolitiker, Rektor, in: M. Herrmann/H.-W. Heister (Hg.), Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert, Teil 2: 1933-1966, Laaber 2002, S. 325-335; M. Herrmann, Selbstkritisch das Musikleben betrachten, in: ebd., S. 155-158; L. Klingberg, Der Bezirksverband Dresden des Komponistenverbandes der DDR, Teil 1, in: ebd., S. 245-248; S. Weiss, Der Dresdner Kulturbund und die Neue Musik (1946-1950), in: ebd., S. 214-216. – DBA II, III; DBE 6, S. 274; NDB 13, S. 742f.; Musica 10, Kassel 1956; MGG 8, Kassel/Basel 1960, Sp. 382f.; Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR, Berlin 21967, S. 121f.

P  Karl L., 1966, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Dieter Härtwig
9.1.2008


Empfohlene Zitierweise:

Dieter Härtwig, Laux, Karl, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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