Küttner Carl (Karl) Gottlob
Reiseschriftsteller, Übersetzer
* 18.2.1755 Wiedemar bei Delitzsch 14.2.1805 Leipzig
VCarl Gottlob (* 1728), PfarrerMJohanna Regina, geb. BörschG12
GND: 117553875






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K. war ein bedeutender Reiseschriftsteller und erlangte mit seinen kenntnisreichen Reiseberichten über England, Irland, Italien sowie Nordeuropa bleibende Bedeutung. – K. entstammte als ältestes von 13 Kindern einem evangelischen Pastorenhaus in Wiedemar bei Delitzsch, wuchs aber vom zehnten Lebensjahr an bei den Großeltern in Annaberg auf. Ab 1770 studierte er in Leipzig kurzzeitig Theologie, danach Sprachen und Philosophie. 1776 verließ er die Universität ohne Abschluss und ging als Hauslehrer in die Schweiz, wo er bis 1783 in Basel, Vevey, Genf und Lausanne lebte. Noch im selben Jahr trat er eine Stelle als Hofmeister in England an, später arbeitete er auch in Irland. Im Rahmen dieser Anstellungen unternahm K. ausgedehnte Reisen durch Italien, die Niederlande und Frankreich. In Abwesenheit erhielt er 1789 ohne Prüfung im Fach Philosophie die Magisterwürde der Universität Leipzig, wohl für seine Werke über die Schweiz, England und Irland. Nach seiner Rückkehr nach Leipzig 1793 erhielt er ein regelmäßiges Gehalt, das ehemalige Schüler für ihn ausgesetzt hatten. Darüber hinaus war er Mitarbeiter und Übersetzer von Zeitschriften und Literaturzeitungen. Bereits 1797 begab sich K. erneut auf eine dreijährige Reise durch Dänemark, Schweden und Norwegen. Zwei Jahre später kehrte er wieder nach Leipzig zurück und arbeitete nun an Aufsätzen zu kulturgeschichtlichen Aspekten v.a. Deutschlands und Englands für die „Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste“. Daneben schrieb er Rezensionen und Kritiken zu geografischen und statistischen Werken für die „Hallesche Literaturzeitung“, die „Jenaische allgemeine Literatur-Zeitung“ und die „Leipziger Neue Literaturzeitung“ und arbeitete zudem als Übersetzer. – K.s Hauptwerk jedoch waren seine Reisebeschreibungen, die sich durch zutreffende Sachbeschreibungen und eingestreute persönliche Bemerkungen auszeichneten. Nach eigenen Aussagen richteten sich seine Werke primär an den Reisenden selbst. Trotzdem seine Publikationen einerseits als Reiseführer zu verstehen sind, enthalten sie aufgrund der umfassenden Bildung K.s und seines detaillierten Blicks auf die Fremde reiche Kenntnisse zur Reisegeschichte der damaligen Zeit. K.s Werke können als Beispiele einer im Umbruch begriffenen Reiseliteratur im ausgehenden 18. Jahrhundert gelten. Sie haben zum einen noch den enzyklopädischen Anspruch umfassender Erfassung fremder Staaten (Erkundung von Kunst, Geografie, Zoologie, Botanik, Volkswirtschaft, Landwirtschaft, Architektur usw.), zum anderen zeigen sie bereits die Individualität und Subjektivierung der Aufklärung und Romantik.



W  Briefe eines Sachsen aus der Schweiz an seinen Freund in Leipzig, 3 Teile, Leipzig 1785/86; M. Schenk (Hg.), Carl Gottlob K., Briefe über Irland an seinen Freund den Herausgeber, Leipzig 1785; Beyträge zur Kenntniss vorzüglich des gegenwärtigen Zustandes von Frankreich und Holland, Leipzig 1792; Wanderungen durch die Niederlande, Teutschland, die Schweitz und Italien in den Jahren 1793 und 1794, 2 Bde., Leipzig 1796, ²1807; Ueber den ökonomischen und politischen Zustand von Großbrittannien zu Anfange des Jahres 1796, Leipzig 1796; Beyträge zur Kenntniss vorzüglich des Innern von England und seiner Einwohner, 16 Stücke, Leipzig 1791-1796; Reise durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und einen Theil von Italien in den Jahren 1797, 1798, 1799, 4 Bde., Leipzig 1801, ²1804; Unreinlichkeit in Rom, in: Blätter für Polizei und Kultur 2/1802, H. 1, S. 184-186; (Hg.), R. Warner, Reisen durch England, Leipzig 1803; mit W. Nicholson, Neues und vollständiges deutsch-englisches Wörterbuch, Bd. 1, Leipzig 1805.

L  F. Friedrich, Carl Gottlob K., Diss. Leipzig 1903. – ADB 17, S. 443f.; DBA I, DBE 6, S. 155.



Heike Wolter
16.5.2011


Empfohlene Zitierweise:

Heike Wolter, Küttner, Carl (Karl) Gottlob, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.8.2017)

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