Nienborg (Nienburg) Johannes
Dichter, Bibliothekar, Kanzleischreiber
* um 1573/74 Ende 1639/Anfang 1640 Dresden Dresden, Friedhof der Frauenkirche(ev.)
1. 1605 Anna, geb. Schürer (1585-1610), Tochter des Topografen David Otto Schürer 2.1613 Elisabeth, geb. Thiele, Tochter des Hausvogts Hans ThieleSSamuel, Ingenieur, Feldmesser; August, Apotheker
GND: 104145072

Die Familie Nienborg stammte aus der Oldenburger Umgebung. Deren erster nachweisbarer Angehöriger in Dresden war der gekrönte Dichter, kaiserliche Notar und Bibliothekar N. Über seine Jugend und Ausbildung ist nur wenig bekannt: Im Juni 1590 immatrikulierte sich N. als "Johannes Nienburg Frisius" an der Universität Rostock. N. wurde von dem seit 1592 als Hofrat in Dresden wirkenden Johann Georg Goedelmann von Rostock in die kursächsische Residenz berufen. Er unterstützte Goedelmann im diplomatischen Dienst. Dabei scheint er ihn bei seinen 44 Gesandtschaften bis 1605 an den kaiserlichen Hof in Wien mehrfach begleitet zu haben, denn er schreibt von seinen „Legationen“, die ihm den Titel eines kaiserlichen Notars einbrachten. Am 14.6.1602 setzte Kurfürst Christian II. N. zu seinem „zu den Geistlichen Sachen verordneten Kanzleischreiber“ ein. N. hatte gute Beziehungen zum kurfürstlichen Hof. Er erhielt beispielsweise öfter Geschenke von Christian II. Wegen „groß Unvermögen und Armuth“ erhielt N. 1617 von Johann Georg I. aus den Hilfs- und Strafgeldern mehrerer sächsischer Ämter 1.500 Gulden. Von N.s Wirken als Hofpoet haben sich einige Gedichte erhalten; eines widmete er 1606 der verstorbenen Frau Kurfürst Johann Georgs I., Sibylla Elisabeth, ein weiteres Giovanni Maria Nosseni. Seit 1606 übte N. auch das Amt des Bergkanzleisekretärs aus. – Am 12.7.1610 wurde N. außerdem von Christian II. zum kurfürstlichen Bibliothekar ernannt. Er sollte gemäß der Bestallungsurkunde ein Bestandsverzeichnis der Bibliothek in zweifacher Ausfertigung erarbeiten. Über sein Wirken in der Bibliothek ist nicht viel bekannt. Sicher ist, dass Christian II. im Gegensatz zu seinem Vater Kurfürst Christian I. wenig Interesse für die kurfürstliche Büchersammlung aufbrachte. – N. scheint bis zu seinem Tod Bibliothekar gewesen zu sein. 1629 und 1630 erstellte er ein Gutachten zu dem von Johann Georg I. beabsichtigten Umzug der Bibliothek in die drei Räume des Residenzschlosses oberhalb des Riesensaals. N., der sich in einem der Gutachten als „Liebhaber der Bücher“ bezeichnete, maß die Räume aus und riet schließlich von einem Umzug ab, da die Bücher für die Decke zu schwer wären. Er warnte außerdem vor Mäusen, Ungeziefer, vor Regen bzw. Tauwetter sowie vor möglichen Brandgefahren. Glücklicherweise erfolgte der Umzug nicht; die kurfürstliche Bibliothek wäre sonst unweigerlich dem Schlossbrand von 1701 zum Opfer gefallen und hätte die spätere Sächsische Landesbibliothek ihrer ältesten Schätze beraubt.



W  Exequiae illustrissimae et generosissimae Principi Dn. Sibyllae Elisabethae ... [Trauergedicht auf Sibylla Elisabeth Herzogin von Sachsen, geb. Herzogin von Württemberg], Dresden 1606.

L  H. Beschorner, Johannes N., in: H. Neubert (Hg.), Festschrift Martin Bollert zum 60. Geburtstage, Dresden 1936, S. 67-77. – DBA II; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 182; T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 173.



Konstantin Hermann
11.12.2009


Empfohlene Zitierweise:

Konstantin Hermann, Nienborg (Nienburg), Johannes, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.4.2017)

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