Clajus (Clai, Clay, Klai, Klaj) Johannes (Johann) d.Ä.
Philologe, Dichter, Pädagoge, Theologe
* 24.6.1535 Herzberg/Elster 11.4.1592 Bendeleben Bendeleben(ev.)
VAntonMKatharina, geb. Schickrath 1.1558 Anna, geb. Starcke (Storke) († 1576)S6 u.a. Johannes (Johann); Paul; Michael (Michel); MartinT4 u.a. Anna; Marie; Sabina 2.1576 Anna Martha, geb. Pisiquin († 1587), Hausmädchen, AmmeK3 3.1587 Elisabeth Anna MarthaT1
GND: 100084168

C. war einer der Begründer der deutschen Grammatik und Wegbereiter einer einheitlichen deutschen Literatursprache. Sein Wirken als Sprachwissenschaftler ist sowohl für die Entwicklung der deutschen Sprache und Literatur im 16. Jahrhundert als auch für die Reformationsgeschichte von Bedeutung. – In ärmlichen Verhältnissen geboren, konnte C. aufgrund einer Unterstützung durch den Kurfürsten Johann Friedrich (der Großmütige) eine erste fundierte Schulausbildung in der Herzberger Lateinschule erhalten. Daran anschließend bezog C. ab 1550 die von Kurfürst Moritz neu gegründete sächsische Landesschule in Grimma, wo er eine Freistelle erhielt, die ihm eine freie Lehrzeit, Kleidung, Kost und Logis ermöglichte. Nach fünfjähriger Schulzeit, in der er sich u.a. bei dem Schulrektor Adam Siber in lateinischer Dichtkunst ausbildete, verließ C. als einer der ersten Alumnen die Landesschule. Anschließend ging er als kurfürstlicher Stipendiat zum Universitätsstudium nach Leipzig. Hier erwarb er sich das Wohlwollen von Joachim Camerarius d.Ä., der ihn besonders im Studium des Griechischen förderte. Während der Studienzeit 1555 bis 1557 verlobte sich C. mit Anna Starcke (Storke), die er 1558 heiratete. Dies veranlasste ihn, sich eine selbstständige Stellung zu suchen, um ein eigenes Einkommen aufweisen zu können. Philipp Melanchthon, der zu diesem Zeitpunkt Visitator der Herzberger Lateinschule war, verschaffte C. dort eine Lehrstelle, die er 1558 antrat. Aufgrund der kargen Wohnsituation, unzulänglicher Lebensumstände und einer geringen Besoldung richtete C. an Camerarius und einen neu gewonnenen Gönner, den Generalsuperintendenten Paul Eber in Wittenberg, die Bitte, ihm eine andere Stellung zu verschaffen. Daraufhin daran erhielt er 1560 eine Berufung auf die fünfte Kantorenstelle des protestantischen Gymnasiums in Goldberg (poln. Złotoryja), das durch die Reformen unter Valentin Trotzdendorf einen über die Grenzen des Deutschen Reichs hinaus reichenden Ruf erlangt hatte. Durch die Lektüre lateinischer Dichter, den Unterricht in hebräischer Sprache, den Umgang mit den Amtsgenossen und den Aufstieg in die dritte Lehrstelle als Kantor, gefiel C. das Lehramt in Goldberg. Der Zuwachs in seiner Familie, eine schwere Erkrankung seiner Frau (1567) und die immer noch geringe Besoldung bereiteten ihm jedoch Sorgen, weshalb er sich eine Verbesserung seiner Lage wünschte. Er verließ 1568 Goldberg und folgte ein Jahr später einer Berufung als Rektor in das schlesische Frankenstein (poln. Ząbkowice Śląskie), trat jedoch bereits nach einem Jahr vom Rektorenposten zurück. Es ist anzunehmen, dass C. diese Stelle v.a. angetreten hatte, um seine Familie während der Wartezeit auf einen Stipendienplatz finanziell abzusichern. Seit 1564 stellte Kurfürst August von Sachsen 27 solcher Plätze zur Verfügung. Nach dem positiven Bescheid, der erfolgreich absolvierten Aufnahmeprüfung und einer zweijährigen Wartezeit besuchte C. ab 1569 die Universität Wittenberg. 1570 - nach nur zwei Semestern an der Theologischen Fakultät - erlangte er die Magisterwürde, was C. neue berufliche Möglichkeiten eröffnete. Noch im selben Jahr trat er eine Rektorenstelle an der Stadtschule in Nordhausen an. Da C. aber seit langem nach einer Stellung als Landpfarrer mit einem befriedigenden Auskommen und genügend Mußestunden für seine wissenschaftliche Beschäftigung strebte, bewarb er sich bereits 1572 auf eine vakante Pfarrerstelle in Bendeleben, die er 1573 antrat und bis zu seinem Tod 1592 ausübte. – In der Bendelebener Zeit entstanden C.s große Werke. Aus seiner Beschäftigung mit der Grammatik der deutschen Sprache erarbeitete er z.B. 1578 seine „Grammatica Germanicae linguae“, die neben Schriften Albert Ölingers und Laurentius Albertus der schriftsprachlichen deutschen Grammatik den Weg bereitete. Als Vorlage dafür diente ihm Martin Luthers Übersetzung der Bibel. Dabei schien C. sich auch an der Einteilung der lateinischen Grammatik in Orthografie, Prosodie, Etymologie und Syntax orientiert zu haben. Seine Ausführungen stellte er dazu an der Laut- und Formenlehre dar. Die Grammatik wurde bis 1720 mehrfach aufgelegt, meist in mitteldeutschen Druckorten. Daraus ergab sich das bevorzugte Verbreitungsgebiet des Werks. Dem unmittelbaren Unterricht soll es bis weit ins 17. Jahrhundert gedient haben. Justus Georg Schottelius und nach ihm noch deutsche Grammatiken bis ins 18. Jahrhundert bauten auf C. auf. Zudem zeigte sich C. in seiner literarischen Tätigkeit als ein Zögling der sächsischen Fürstenschulen und als ein begeisterter Anhänger der Reformation und Verehrer Luthers. Viele seiner Schriften dienten religiöser Erbauung, andere sind aus seiner Lehrtätigkeit hervorgegangen. Seine poetischen Arbeiten sind zahlreich und die meisten in elegischem Versmaß geschrieben. Die Werke sind klar und verständlich und zeugen von sorgfältiger Arbeit.



Q  Libellus de origine et conservatione scholae Goldbergensis, Görlitz 1563; Precationum libri IV, Wittenberg 1568; Varia carmina, Görlitz 1568; Epithalamia honoris causa optimo et doctissimo viro Dn. M. Paulo Ebero, Wittenberg 1570; Graecorum poematum libri sex, Wittenberg 1570; Elementa linguae hebraeae, Wittenberg 1573 (ND 1577); Prosodiae, Wittenberg 1576 (ND 1620); Grammatica Germanicae linguae, Leipzig 1578 (ND 1973); Grammaticae graecae erotemata, Leipzig 1580 (ND 1606); Epicedia in obitum Elect. Saxon. Augusti, quadruplici lingua, latina, graeca, ebraica & germanica scripta, Leipzig 1587.

L  H. Drobner-Dechering, Johannes C. der Ältere, Herzberg/Elster 2010 [WV]. – ADB 4, S. 270-272; DBA I, II, III; DBE 2, S. 328f.; NDB 3, S. 258f.; J. S. Ersch/J. G. Gruber (Hg.), Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Sektion 1, Bd. 17, Leipzig 1828, S. 354; W. Killy (Hg.), Literaturlexikon, Bd. 2, Gütersloh u.a. 1989, S. 420f.



Stefan Schröter
6.3.2017


Empfohlene Zitierweise:

Stefan Schröter, Clajus (Clai, Clay, Klai, Klaj), Johannes (Johann) d.Ä., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.4.2017)

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