Freystein (Freistein) Johanna Marianne
Landschaftsmalerin und -radiererin
* 1.5.1760 Leipzig 21.6.1807 Leipzig
VKarl Friedrich, OberpostkommissarMMaria Christina, geb. GrünthalGu.a. 1 Schwester
GND: 116786477

F. gehörte zu den zahlreichen Landschaftsmalern in Dresden um 1800, die der Malerei der Romantik den Boden bereiteten. – F.s Familie war mit der des Leipziger Malers und Direktors der Kunstakademie in Leipzig Adam Friedrich Oeser befreundet, bei dem sie ihren ersten Zeichenunterricht erhielt. 1796 kam F. nach Dresden, um bei Johann Christian Klengel Landschaftsmalerei zu studieren und nach Werken der Gemäldegalerie zu kopieren. Hier gehörte die unverheiratet gebliebene F. zu den wenigen Frauen jener Zeit, die Mitglieder der Akademie waren und die an den Akademieausstellungen teilnahmen. Ihr gelang es, auf Ausstellungen und durch Erwähnung in Kunstperiodika die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen auf sich zu ziehen. 1807 kehrte sie nach Leipzig zurück, wo sie bis zu ihrem Tod bei ihrer Schwester, der Gattin eines Buchhändlers namens Grieshammer, lebte. In dessen Besitz befanden sich später ihre Arbeiten, doch ist von einem Kunstnachlass eines Buchhändlers Grieshammer heute nichts mehr bekannt. – Die Mehrzahl von F.s Arbeiten ist heute nicht mehr aufzufinden, und dass obwohl in den Katalogen der Dresdner Akademieausstellungen 1801 bis 1805 und der Leipziger Akademieausstellung 1806 insgesamt 16 große und kleine Landschaften in Öl nach eigener Erfindung, Ansichten aus dem Großen Garten in Dresden, dem Plauenschen Grund, aus der Umgebung des Schlosses Lohmen, ein Prospekt vom Landhaus des Fürsten Nikolaus Abramowitsch Putjatin in Zschachwitz und Kopien nach Jacob van Ruisdael, Jakob Philipp Hackert und Aert van der Neer angegeben sind. Mit den wenigen überlieferten Werken, darunter dem Gemälde „Landschaft“ aus der Nationalgalerie Oslo, repräsentiert F. die spätbarocke Landschaftsauffassung der Dresdner Schule, die von Johann Alexander Thiele ausgehend über Christian Wilhelm Ernst Dietrich und Klengel vermittelt wurde. Bei realen Landschaftsansichten wählte sie Adrian Zingg zum Vorbild, der möglicherweise ebenfalls ihr Lehrer gewesen war.



W  Die Holzhütte unter Bäumen, Radierung, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Kupferstichkabinett; Zwei Landschaften, Radierung, ebd.; Flusslandschaft (nach A. van der Neer), Pinsel in Schwarz und Grau, laviert, Albertina Wien, Grafische Sammlung; Landschaft, Öl auf Leinwand, Nationalgalerie Oslo.

L  Leipziger gelehrtes Tagebuch, Leipzig 1807, S. 58f.; C. J. G. Haymann, Dresdens theils neuerlich verstorbene theils ietzt lebende Schriftsteller und Künstler, Dresden 1809, S. 367; J. F. Freiherr zu Racknitz, Skizze einer Geschichte der Künste, besonders der Malerei in Sachsen, Dresden 1811, S. 93; 150 Jahre Kunst und Künstler in Leipzig, Leipzig 1937, Nr. 105, 106; M. Prause (Bearb.), Die Kataloge der Dresdner Akademie-Ausstellungen 1801-1850, Berlin 1975; M. Grönig/M. L. Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Wien 1997, S. 49; B. Kovalevski, (Hg.), Zwischen Ideal und Wirklichkeit, Ostfildern-Ruit 1999, S. 315; A. Fröhlich, Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 218-223; dies., „... kühne Manier in männlicher Kraft...“, in: Weltkunst 73/2003, H. 4, S. 536-538. – AKL, Bd. 45, München/Leipzig 2005, S. 13f.; DBA I, II, III; DBE 3, S. 439; Thieme/Becker, Bd. 12, Leipzig 1999, S. 447; J. G. Meusel (Hg.), Teutsches Künstlerlexicon oder Verzeichnis der jetztlebenden teutschen Künstler, Bd. 1, Lemgo ²1808, S. 257.



Anke Fröhlich
14.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Freystein (Freistein), Johanna Marianne, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.5.2017)

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