Oettel Johann Paul
Schulvorsteher, Chronist
* 18.1.1699 Plauen 19.12.1771 Eibenstock(ev.)
VJohann Christoph, ZinngießerMSusanna, geb. Gebhart1735 Johanna Rosina, geb. ViehwegSPaul Friedrich (* 1746)TLydia Sophia (* 1739); Christiana Friederica (* 1742)
GND: 120761505






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O.s schriftstellerisches Wirken gab der erzgebirgischen Chronistik des 18. Jahrhunderts wichtige Impulse. Seinen Publikationen verdankt die sächsische Landesgeschichtsforschung wertvolle Kenntnisse auf dem Gebiet des Bergbaus und der erzgebirgischen Volkskunde. – Obwohl O. bereits während seiner Schulzeit in Plauen vielfältige wissenschaftliche Neigungen erkennen ließ, folgte er dem Wunsch des Vaters und begann 1712 eine Lehre als Zinngießer in Schneeberg. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dieses Handwerk jedoch nach drei Jahren aufgeben. Endgültig schlug er nun eine wissenschaftliche Laufbahn ein, die ihn 1716 an das Gymnasium in Altenburg und ab 1718 an die Universitäten Jena und Leipzig führte. Finanziell sicherte er sein Studium als Korrekturleser in verschiedenen Buchdruckereien ab. Erste schriftstellerische Versuche unternahm O. 1724 mit einer Veröffentlichung unter dem Titel „Trostreiche und erbauliche Neu Jahrs Gedancken“. 1725 erhielt er eine Anstellung als Privatlehrer bei dem Oberforstmeister Ludolph Kasten in Schöneck/Vogtland. Die Zeit in Schöneck mag ihn später veranlasst haben, eine von Johann Ernst Marbach verfasste historische Beschreibung dieser Stadt herauszugeben (1761). Nachdem mehrere Bewerbungen um ein kirchliches Amt gescheitert waren, trat O. 1733 die Stelle eines Vorstehers der Mädchenschule in Eibenstock an. Als solcher verfasste er weitere theologische und pädagogische Schriften. Auch trug er fünf Lieder zum evangelischen Universalgesangbuch Sachsens von 1737 bei. – O.s Hauptwerk erschien 1748 unter dem Titel „Alte und Neue Historie der freyen Berg-Stadt Eybenstock“ und war aus geradezu banalem Anlass entstanden: Die falsche Verzeichnung Eibenstocks auf offiziellen Landkarten - auf einer Homannschen Karte erschien Eibenstock bei Reichenbach/Vogtland - hatte O. verärgert und zur Niederschrift der Chronik angeregt. Stilistisch und inhaltlich von Christian Meltzers „Historia Schneebergensis renovata“ (1716) und Johann Christian Engelschalls „Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt“ (1723) beeinflusst, versuchte O. mit detaillierten Schilderungen der Stadtgeschichte von den Anfängen bis 1748 den Bekanntheitsgrad Eibenstocks zu erhöhen und zugleich Einblicke in die westerzgebirgische Bergbaugeschichte zu geben. 1749 bis zu seinem Tod 1771 schrieb der Chronist seine Arbeit in insgesamt 23 veröffentlichten Fortsetzungen weiter. O.s Chronik von Eibenstock wurde 1997 als Reprint herausgegeben.



W  Trostreiche und erbauliche Neu Jahrs Gedancken, Leipzig 1724; Lutherisches Paradieß-Gärtlein zur Buß-, Beicht-Communion und Täglicher Andacht, Schneeberg 1747; Alte und Neue Historie […] der freyen Berg-Stadt Eybenstock, Schneeberg 1748 (ND Stuttgart 1997); Die rechte Kinderzucht, Schneeberg 1754; Die Beschaffenheit der wahren Christlichen Kirchen, Plauen 1761.

L  H. von Elterlein, Würdigung des Chronisten O., in: Alte und Neue Historie […] der freyen Berg-Stadt Eybenstock, ND Stuttgart 1997, Anhang, S. 1-20 (WV). – DBA I.



Michael Wetzel
9.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Oettel, Johann Paul, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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