Vogel Johann Jakob
Theologe, Historiker, Pfarrer
* 4.5.1660 Leipzig 16.7.1729 Panitzsch(ev.)
VNicol, KrämerMMaria Magdalena, geb. Fruben († 1670) 1.Magdalena Maria, geb. Mayer († 1708)SJohann Friedrich, Chirurg; Samuel Ulrich, TheologeTJohanna Regina; Johanna Susanna († 1744) 2.Eva Elisabeth, geb. TilemannTAnne Elisabeth
GND: 11746337X

V. wurde bereits von Zeitgenossen eines unermüdlichen Fleißes gerühmt. Beinah seine gesamte schriftstellerische Tätigkeit widmete er der Leipziger Stadt-, Familien- und Kirchengeschichte. – Schon in seiner frühen Kindheit erkannten die Eltern V.s ausgeprägte Interessen für die Wissenschaften und Künste und ermöglichten ihm Privatunterricht durch Hauslehrer. Mit elf Jahren besuchte V. die Nikolaischule und wurde u.a. von den damaligen Rektoren Jakob Thomasius und Johann Gottfried Herrichen unterrichtet. Seit 1678 studierte er Theologie und Philosophie an der Universität Leipzig und erhielt auch hier Unterricht von angesehenen Leipziger Persönlichkeiten, wie dem Moral- und Politikprofessor Otto Mencke oder den Theologen Johann Adam Schertzer und Adam Rechenberg. Nach seinem Magisterabschluss 1681 verteidigte V. seine im Druck erschienene historische Abhandlung über das Leipziger Wappen „De Insignibus Lipsiae“ und hielt anschließend als Dozent theologische Vorlesungen in Hebräisch, Philosophie, Homiletik und Exegese. – Aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste für Leipzig wurde V. im Juni 1686 vom Leipziger Stadtrat das Diakonat in Taucha mit den Filialkirchen Sommerfeld und Althen anvertraut. Nach elfjähriger Amtszeit wechselte er nach Panitzsch, wo er trotz enormer Belastungen das Pfarramt 32 Jahre bis zu seinem Tod bekleidete. 1722 wurde ihm zur Unterstützung Christian Martin Jacobi als Adjunkt zur Seite gestellt. Bereits 1728 erlitt V. einen ersten Schlaganfall, infolge dessen er sein Amt nicht mehr ausführen, sich jedoch noch intensiv seinen wissenschaftlichen Studien widmen konnte. – Obwohl V. in seinen historischen und genealogischen Arbeiten nur wenig Quellenkritik zeigt, zeugen sie doch von gründlich betriebenen archivalischen Studien sowie von einem außergewöhnlichen Sammelfleiß. Insbesondere seine Leipziger Annalen, die unter dem Titel „Leipzigisches Geschichtbuch oder Annales“ in der ersten Auflage 1714 erschienen sind, belegen seine rege Sammeltätigkeit. Die Annalen, die bis in das Druckjahr 1714 reichen, sind bis heute eine unverzichtbare Quelle nicht nur für die Leipziger, sondern für die gesamte sächsische Geschichte. Weniger bekannt ist hingegen sein „Chronicon“ der Stadt Leipzig, welches Zeitgenossen für sein bestes Werk hielten, das jedoch nicht vollständig gedruckt werden konnte und somit kaum verbreitet ist. Oftmals befindet sich diese Chronik an die Annalen angebunden. – V. war ebenso auf dem Gebiet der Genealogie eifrig tätig. 1698 erschien der „Geschichts-Calender“, der Biografien Leipziger Superintendenten enthält. Außerdem verfasste er handschriftliche Lebensbeschreibungen über gelehrte Leipziger Universitäts- und Ratsangehörige, unabhängig davon, ob sie gebürtige Leipziger waren oder nicht. Ebenso existieren Abschriften V.s aus Tauf- und Traubüchern sowie aus Leichenregistern von Grimma und Oschatz. Darüber hinaus stellte V. ein umfangreiches Geschlechtsregister Leipziger Familien des 16. und 17. Jahrhunderts aus Tauf-, Trau- und Leichenbüchern sowie aus Bürger- und Universitätsmatrikeln zusammen. Dieses „Florilegium Genealogicum Lipsiense“ bezeichnete der Historiker Ernst Kroker als die „Krönung […] seiner genealogischen Arbeiten“. Da V. aufgrund seiner Forschungen zu Leipzig stadtbekannt war, erhielt er oftmals Zugang zu privaten Familienbüchern und Hauschroniken, aus denen er seine Informationen schöpfte. Einen wichtigen Beitrag zur sächsischen Kirchengeschichte leistete er mit seinem Verzeichnis der evangelischen Prediger des Kurfürstentums Sachsen, dem sog. Presbyterologia Saxonica. Seine handschriftlichen Sammlungen sowie sein gesamter Nachlass befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Leipzig.



Q  Universität Leipzig, Universitätsbibliothek, Nachlass Johann Jacob V.

W  Disputatio Philologico-Historica De Insignibus Lipsiae, Leipzig 1683; Nützlicher Geschichts-Calender, Welcher Die Lebens-Beschreibungen der Leipziger Herren Superintendenten …, Leipzig 1698; Leipzigisches Chronicon, Das ist: Gründ- und Ausführliche Beschreibung Der Churfürstl. Sächs. Welt-bekandten Handels-Stadt Leipzig, Leipzig [um 1710]; Leipzigisches Geschichtbuch oder Annales, Leipzig 1714, ²1756; Leben Des Päbstlichen Gnaden-Predigers Oder Ablas-Crämers Johann Tetzels …, Leipzig 1717; Florilegium Genealogicum Lipsiense [Ms., Stadtarchiv Leipzig]; Presbyterologia Saxonica [Ms., Universitätsbibliothek Leipzig].

L  S. Schneider, Umständliche Nachricht von dem ehemaligen so unermüdeten leipziger Geschichtsschreiber, dem sel. M. Joh. Jac. Vogeln …, in: Dreßdnische Gelehrte Anzeigen 41/1752, Sp. 346-372; C. G. Dietmann, Die gesamte der ungeänderten Augsp. Confeßion zugethane Priesterschaft in dem Churfürstenthum Sachsen und denen einverleibten, auch einigen angrenzenden Landen, Teil 1, Bd. 2, Dresden/Leipzig 1753, S. 381-383; G. Wustmann, Quellen zur Geschichte Leipzigs, Bd. 1, Leipzig 1889, S. 197f.; G. Witkowski, Geschichte des literarischen Lebens in Leipzig, Leipzig 1909, S. 181f.; E. Kroker, Der Leipziger Chronist Johann Jakob V. als Genealoge, in: Familiengeschichtliche Blätter 12/1914, Sp. 106-109, 144-147; E. Leskien, Der Leipziger Geschichtsschreiber und Familienforscher Johann Jacob V. und seine handschriftlichen Sammlungen zur Leipziger Familiengeschichte, Leipzig 1927. – DBA I; ADB 40, S. 111f.; R. Grünberg, Sächsisches Pfarrerbuch, Bd. 2/2, Freiberg 1940, S. 968.

P  J. Kenckel, 1703/1722, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Hansen, Inventar-Nr. Portr. Slg/Slg Hansen/Reformierte Theologen/2°/Bd. 2/Nr. 158; J. Kenckel, 1719/1722, Österreichische Nationalbibliothek Wien, Porträtsammlung, Digitaler Portraitindex der druckgraphischen Bildnisse der Frühen Neuzeit (Bildquelle).



Katharina Hofmann-Polster
21.2.2014


Empfohlene Zitierweise:

Katharina Hofmann-Polster, Vogel, Johann Jakob, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.4.2017)

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