Linck Johann Heinrich d.Ä.
Apotheker, Naturforscher, Sammler
* 17.12.1674 Leipzig 29.10.1734 Leipzig Leipzig(ev.)
VHeinrich (1638-1717), Apotheker, SammlerMBenigna, geb. Scholler (1651-1686)GChristian Heinrich († 1728), Apotheker1710 Maria Elisabeth, geb. DöringS3 u.a. Johann Heinrich d.J. (1734-1807), Apotheker, Naturforscher, SammlerT2
GND: 120979322

L. führte die Naturalien- und Kuriositätensammlung seines Vaters Heinrich Linck fort und begann, diese wissenschaftlich zu erschließen. Infolge seiner umfangreichen Beschäftigung mit Seesternen wurde die Gattung „Linckia“ nach ihm benannt. – L.s Jugend ist durch vielfaches Reisen nach Dänemark und Schweden, Belgien, die Vereinigten Niederlande und England geprägt. 1690 bis 1706 versuchte er dadurch, seine medizinischen und pharmazeutischen Kenntnisse zu vervollkommnen. Zudem schloss er in dieser Zeit Bekanntschaften mit einigen bedeutenden europäischen Gelehrten. Unter diesen ist besonders auf den Apotheker Albert Seba in Amsterdam sowie auf den Arzt und späteren Präsidenten der Royal Society in London Sir Hans Sloane zu verweisen. – Zusammen mit seinem Bruder Christian Heinrich übernahm L. 1710 von seinem Vater die Leipziger Apotheke „Zum Goldenen Löwen“. Vermittels seiner Kontakte gelang es ihm, die durch den Vater angelegte Naturalien- und Kuriositätensammlung entscheidend zu erweitern. Noch zu dessen Lebzeiten kaufte er Teile anderer Leipziger Kabinette an, so von Christian Sigismund Wolff, Martin Naboth und Gottlob Friedrich Mylius. Zudem kümmerte er sich um die wissenschaftliche Erschließung seines Besitzes. Von ihm in Auftrag gegebene Kupferstiche verschiedener Exponate der Sammlung finden sich in mehreren zeitgenössischen Werken. Ab 1718 begann L. eigene naturwissenschaftliche Untersuchungen in der „Sammlung von Natur- und Medicin- wie auch hierzu Gehörigen Kunst- und Literaturgeschichten“ zu publizieren. Seine Leistungen widerspiegeln auch die Aufnahmen in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, in die Royal Society in London sowie in das Institut für Wissenschaft und Kunst in Bologna. Grundlegend dafür war nicht zuletzt L.s weit gespanntes Korrespondenznetz. Den Mitgliedern der Royal Society, insbesondere deren Präsidenten Sloane, widmete er sein 1733 erschienenes Werk „De stellis marinis“. Diese Arbeit stellt den Höhepunkt seines wissenschaftlichen Wirkens dar und begründete die spätere wissenschaftliche Zuordnung einer Seesterngattung unter dem Namen „Linckia“. – L. verstarb kurz vor der Geburt seines Sohns Johann Heinrich d.J.



Q  Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Halle/Saale, Matricula dominorum collegarum acad. Caes. Leop. Naturae curiosorum, Protocollum acad. Caes. Leop. Naturae curiosorum.

W  Von einem in Schieffer-Stein eingedruckten Crocodil-Scelete, in: Sammlung von Natur- und Medicin- wie auch hierzu gehörigen Kunst- und Literatur-Geschichten 1719, S. 817-819; Ausgedeutete Erfüllung derer in der Ukraine Ao. 1717 bemerckten rothen Characteren und Buchstaben, in: ebd., S. 1082-1085; Von dem Thier Babio, in: ebd. 1721, S. 508; Eigentliche Vorstellung des Indianischen Thieres Mungos, in: ebd., S. 221-223; Von den Leipziger Lerchen, in: ebd. 1722, S. 412-414; Arbor Caffe Lipsiae Horens, in: Acta physico-medica acad. Caes. Leop-Carol. naturae curiosorum exhibentia Ephemerides, Observatio CVI, Bd. 1, Nürnberg 1727, S. 204-210; Meine Collection von Naturalien bestehet in dreyen Regnis, in: C. F. Jenkel, Museographia oder Anleitung zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum oder Raritäten-Kammern, Leipzig/Breslau 1727, S. 154-157; De stellis marinis liber singularis ..., Leipzig 1733.

L  G. F. Mylius, Memorabilia Saxoniae subterraneae, 2. Teil, Leipzig 1718, S. 86f.; J. C. Lehmann, Memoriam vivi nobilissimi atque celeberrimi domini Ioannis Henrici Linckii ..., Leipzig 1734; A. Seba, Locupletissimi rerum naturalium thesauri accurata descriptio, 4 Bde., Amsterdam 1734-1765; J. E. Hebenstreit, Memoriam vivi nobilissimi atque celeberrimi domini Ioannis Henrici Linckii, in: Acta physico-medica acad. Caes. Leop-Carol. naturae curiosorum exhibentia Ephemerides, Bd. 6, Nürnberg 1742, Appendix, S. 225-238; G. Klemm, Zur Geschichte der Sammlungen für Wissenschaft und Kunst in Deutschland, Zerbst ²1838; E. Bormann, Zur Geschichte der Apotheke zum Goldenen Löwen in Leipzig, Leipzig 1909; A. Seifert, Die Apothekerfamilie Linck in Leipzig und ihr Naturalien- und Kunstkabinett, Mittenwald 1934; ders., Das Lincksche Naturalien- und Kunstkabinett in Leipzig (1670-1840) und seine teilweise Neuaufstellung im Fürstlich Schönburgischen Naturalienkabinett in Waldenburg (Sachsen), in: Museumskunde NF 7/1935, H. 1, S. 1-15; E. Mohr, Das Linck-Kabinett und die Fischkunde, Waldenburg 1940, S. 15; H. Beyrich, 320 Jahre Lincksche Sammlung, 150 Jahre Naturalien- und Kunstkabinett Waldenburg, Chemnitz 1990; ders., Das Linck‘sche Naturalien- und Kunstkabinett aus Leipzig, jetzt in Waldenburg (Sachsen), in: A. Grote (Hg.), Macrocosmos in Microcosmo, Opladen 1994, S. 581-601; Naturalienkabinett Waldenburg, hrsg. von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, Meerane 1999; V. Hammer, Georg Meister und das holländische Nutzpflanzenherbar zu Waldenburg, in: OAG Notizen 2008, H. 12, S. 39-46; D. Döring/C. Hollberg (Hg.), Erleuchtung der Welt, Dresden 2009. – ADB 18, S. 661; DBA I, II, III; DBE 6, S. 399; NDB 14, S. 571.

P  Johann Heinrich L., Unbekannter Künstler, Öl auf Leinwand, Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg; Johann Heinrich L., M. Bernigeroth, Kupferstich, Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg (Bildquelle).



Veit Hammer
29.7.2010


Empfohlene Zitierweise:

Veit Hammer, Linck, Johann Heinrich d.Ä., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

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