Hermann IV. Herr von Schönburg
1300/01
VFriedrich I. († 1290/91), Herr von SchönburgGFriedrich II.; Dietrich; Friedrich III. († 1310), Landrichter im Egerland; Heinrich; AgatheSophie (?)SFriedrich IV., Landrichter im Pleißenland
GND: 13970440X

H. wird urkundlich zwischen 1261 und 1299 erwähnt. Ob er darüber hinaus mit einem „Hermann von Sconenberg“ identisch ist, der am 9.8.1251 als Zeuge in einer Urkunde Heinrichs des Erlauchten für das Kloster Altzelle auftritt, erscheint zumindest zweifelhaft. Eindeutig belegt ist dagegen H.s Zustimmung zu der von seinem Vater Friedrich I. vorgenommenen Übertragung der peinlichen Gerichtsbarkeit an das Kloster Geringswalde (1261). Für drei Jahrzehnte im Schatten des Vaters stehend, ist H.s Wirken erst seit seinem zwischen 1290 und 1291 erfolgten Regierungsantritt genauer fassbar. Da sich in den Quellen keinerlei Hinweis auf eine Besitzteilung findet, muss H. die ererbten Herrschaften Glauchau und Lichtenstein mit dem dazugehörigen Kloster Geringswalde zeitlebens gemeinsam mit seinen Brüdern verwaltet haben. H.s Fürsorge galt vornehmlich den Klöstern der näheren Umgebung. Bedeutende Schenkungen sind für das schönburgische Hauskloster Geringswalde, das Zisterzienser-Nonnenkloster Frankenhausen und das Augustinerkloster Crimmitschau belegt. In H.s Regierungszeit fällt der Erwerb der Herrschaft Stollberg, die erstmalig am 14.10.1299 als schönburgischer Besitz genannt wird. Etwas später muss auch die Herrschaft Crimmitschau an die Schönburger übergegangen sein. Ob dies noch zu Lebzeiten H.s geschah, ist umstritten. Eine Absonderung der Linie Schönburg-Crimmitschau trat zumindest erst 1301 mit H.s Sohn Friedrich IV. ein. – Als angesehener pleißenländischer Herrschaftsträger war H. in alle wichtigen meißnisch-thüringischen Zeitvorgänge des ausgehenden 13. Jahrhunderts involviert. Häufig trat er für die Wettiner, die Burggrafen von Altenburg, aber auch in Bischofsurkunden als Zeuge und in Rechtsstreitigkeiten als Schiedsrichter auf. Während der Krise der wettinischen Landesherrschaft nach dem Tod Heinrichs des Erlauchten (1288) ergriff H. Partei für Friedrich den Freidigen und Diezmann gegen deren Vater Albrecht II. Auch zu Markgraf Friedrich (gen. Clemm) unterhielt H. gute Beziehungen. Dessen Herrschaft Dresden nahm er 1294 pfandweise in Verwahrung. H.s eigentliches Ziel war es jedoch, seine Landesherrschaft unabhängig von den Wettinern zu erhalten. Als Rudolf von Habsburg 1290 das Pleißenland von den Wettinern zurückgewann, unterstützte H. daher die Wiederherstellung der ursprünglichen Verfassung des Reichsterritoriums. Bereits 1291 ist er zusammen mit Unarg von Waldenburg, Heinrich und Volrad von Colditz sowie Johannes von Sayda beim Landrichter Heinrich von Plauen in Altenburg anzutreffen, um das Landding zu halten. Die auf Dauer instabilen Machtverhältnisse bewogen H. außerdem, sich nun enger an das Königreich Böhmen anzulehnen. Diese Neuorientierung fand ihren deutlichsten Ausdruck darin, dass sich die Herrschaften Glauchau und Lichtenstein um 1300 freiwillig in den böhmischen Lehnsverband begaben. Damit schufen die Schönburger eine wichtige Basis, um ihre Selbstständigkeit gegenüber den Wettinern zu behaupten.



Q  T. Schön, Geschichte des Fürstlichen und Gräflichen Gesamthauses Schönburg. Urkundenbuch, Bd. I, Stuttgart/Waldenburg 1901.

L  C. Müller, Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 114-118; W. Schlesinger, Die Landesherrschaft der Herren von Schönburg, Münster/Köln 1954, S. 70; D. Rübsamen, Kleine Herrschaftsträger im Pleißenland. Studien zur Geschichte des mitteldeutschen Adels im 13. Jahrhundert, Köln/Wien 1987, S. 609.



Michael Wetzel
7.11.2007


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Hermann IV., Herr von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.4.2017)

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