Fischer (Fischer-Geising) Heribert
Maler, Grafiker
* 23.2.1896 Teplitz-Schönau (tschech. Teplice) 23.8.1984 Freiburg/Breisgau Altenberg
VArthur (1861-1947), Direktor einer Niederlassung der CreditreformMMaria, geb. PietzkaGWalter (1893-1988), Angestellter 1.1924 Wilhelmine, geb. Leu (1898-1971), KeramikerinTChristiane (1939-1977), Angestellte 2.1971 Hildegard, geb. Günther (* 1921), Angestellte
GND: 12203046X





F. war einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit im Erzgebirge. Sein „Sachlicher Expressionismus“ zeichnete sich vor allem durch eine außergewöhnliche Farbigkeit und expressionistische Darstellung seiner Heimat aus. – F. wurde im böhmischen Erzgebirge geboren. Die materiellen Verhältnisse im gutbürgerlichen Elternhaus gaben Sicherheit, und F. konnte eine unbeschwerte Kindheit genießen, in der er regelmäßig die k.u.k. Fachschule für Keramik und verwandte Kunstgewerbe in Teplitz-Schönau besuchte. – Nach Abschluss des Gymnasiums ging F. 1914 nach Dresden an die Königliche Kunstakademie zu Bruno Oskar Zwintscher. An der Akademie studierte zu dieser Zeit auch Conrad Felixmüller, mit dem er in lockerer Verbindung stand. 1919 zeichnete er ihn, mit fragendem Blick, schmalem Kinn und noch gezeichnet von den Strapazen, die er als Krankenwärter im Ersten Weltkrieg erleiden musste. Nach dem Tod Zwintschers war er noch zwei Jahre Meisterschüler bei Robert Sterl. Kurz vor Sommer 1916 wurde F. eingezogen und nach einer kurzen Ausbildungszeit an der Westfront in Frankreich eingesetzt. Wie viele seiner Künstlerkollegen griff auch er an der Front immer wieder zu Feder, Bleistift und Papier, um die Sinnlosigkeit des Kriegs zu verarbeiten. Im Oktober 1918 wurde er schwer an Rücken und Bein verwundet. – Nach der Rückkehr aus dem Krieg war F. seit 1919 in Geising als selbstständiger Maler und Grafiker - mit dem Fokus auf Druckgrafik - tätig. Im Holzschnitt beschäftigte er sich v.a. mit Porträts und entdeckte die Neue Sachlichkeit für sich. 1924 heiratete er Wilhelmine Leu, eine Keramikerin aus Koblenz. Nach 1933 arbeitete er häufiger als Skilehrer, um den Unterhalt zu verdienen. – 1933 zog sich F. noch weiter in sich und seine Heimat zurück; in dieser Zeit entstand eine Serie von Holzschnitten im Stil der Neuen Sachlichkeit, deren Motive Geising und die Sächsische Schweiz waren. Gleichzeitig aber sind diese Arbeiten mit expressionistischen Andeutungen versehen, so wie seine späteren Arbeiten: aufwühlende Wolkenformationen, eine alles überstrahlende Sonne und im Wind sich wiegende Bäume und Sträucher (Sachlicher Expressionismus). Einem Rom-Aufenthalt wurde im gleichen Jahr von offizieller Seite nicht zugestimmt, da sich F. weigerte, in die NSDAP einzutreten. In den 1930er-Jahren entstanden expressive erzgebirgische Landschaften und subtile Porträts wie „Junge aus Geising“ (um 1935), „Erzgebirgler“ und „Mein Vater“ (beide 1940), die in der Qualität unbedingt vergleichbar mit Curt Querners „Bauer Rehn“ sind. Diese Arbeiten waren im engsten Sinne „Heimatkunst“, v.a. aber Beispiele der realistischen Porträtmalerei des 20. Jahrhunderts. F.s Hauptwerk ist das 1943 entstandene „Damenbildnis mit gelbem Hut“. Die Ölarbeit zeigt Susanne Heigl-Wach, Urenkelin von Felix Mendelssohn Bartholdy. – 45-jährig wurde F. 1941 zum Kriegsdienst eingezogen und in Mazedonien und Italien eingesetzt. Ende 1942 wurde er Landgendarm in Altenberg. Auch in der Nachkriegszeit musste F. Nebentätigkeiten annehmen, um seine Familie zu ernähren. So arbeitete er etwa in den 1950er-Jahren nebenbei als Sport- und Zeichenlehrer. Seit Anfang der 1950er-Jahre besuchte er regelmäßig Hildegard Günther, die in Bayern und im Schwarzwald wohnte. Als am 13.8.1961 die Grenze zwischen DDR und BRD geschlossen wurde, war F. gerade zu Besuch bei ihr. Er entschloss sich, nicht mehr in die DDR zurückzukehren und heiratete 1971, nach dem Tod seiner Frau, Hildegard. 1978 durfte er erstmalig in die DDR einreisen und schenkte dem Museum in Dippoldiswalde, dem Kupferstichkabinett Dresden und den Städtischen Kunstsammlungen Freital auf Schloss Burgk ausgewählte Arbeiten. Ab 1965 beschäftigte er sich intensiv mit abstrakten Formen. 1980 brach diese Phase abrupt ab und er kehrte in seinen letzten Lebensjahren wieder zu seinen Wurzeln zurück: Stillleben, Landschaften, Porträts.



W  Bildnis Conrad Felixmüller, 1919 [Schwarze Kreide auf Papier], Heribert Fischer-Geising Stiftung; Junge aus Geising, [1935]; Erzgebirgler, 1940; Mein Vater, 1940; Damenbildnis mit gelbem Hut, 1943 [Öl auf Leinwand], Heribert Fischer-Geising Stiftung.

L  R. Groß, Der Maler und Grafiker Heribert F. aus Geising, in: Erzgebirgische Heimatblätter 16/1994, H. 3, S. 16-19; Menschen und Landschaften im Osterzgebirge. Bestandskatalog Sammlungsbereich Bildende Kunst, hrsg. von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen und dem Lohgerber-, Stadt- und Kreismuseum Dippoldiswalde, Chemnitz 1995; G. Claußnitzer/H. Fischer (Hg.), Heribert F., Geising 1999; R. Jessewitsch/G. Schneider (Hg.), Verfemt-Vergessen-Wiederentdeckt. Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider, Olpe 1999; K. M. Mieth (Hg.), Heribert F., Stillleben, Naundorf/Struppen 2004; B. Dalbajewa, Heribert F., in: Dies. (Hg.), Neue Sachlichkeit in Dresden, Dresden 2011, S. 208; D. Hoefer, Künstler zwischen Stadt und Land. Leben und Werk des Malers Heribert F., in: Dresdner Hefte 134/2018, S. 27-35; online: www.fischer-geising-stiftung.de. – DBA II; Vollmer, Bd. 2, Leipzig 1999, S. 115.

P  Selbstporträt, 1966, Aquarell auf Papier, Heribert Fischer-Geising Stiftung (Bildquelle).



Dieter Hoefer
20.11.2018


Empfohlene Zitierweise:

Dieter Hoefer, Fischer (Fischer-Geising), Heribert, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (15.9.2019)

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