Heinz Hellmuth
Museumsdirektor, Kunstsammler, Heimatforscher, Gegner des NS-Regimes
* 31.8.1904 Potschappel 15.12.1994 Freital Freital, Friedhof Potschappel
VMetallschleiferG7
GND: 10554793X





H. war ein kenntnisreicher Heimatforscher der Stadt Freital und ihrer Umgebung sowie eine prägende Figur des Freitaler Kulturlebens nach 1945. Sein Verdienst liegt v.a. darin, dass er die Freitaler Kunstsammlung durch seine persönlichen Kontakte und ausgedehnte Sammlertätigkeit zu einer über die sächsischen Grenzen hinaus bedeutsamen Sammlung Dresdner Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte. – Nach dem Besuch der Volksschule 1910 bis 1918 erlernte H. den Beruf des Verlagskaufmanns und besuchte hiernach die Handelsschule. Im Anschluss arbeitete er als Buchhalter, Vertriebsleiter und Redakteur im Zeitungsverlag Freital. – Bedingt durch seine Herkunft aus einem sozialistisch-kommunistischen Milieu - sein Vater gehörte dem Spartakusbund an - engagierte sich H. frühzeitig politisch in der Arbeiterbewegung. So trat er 1919 in die Karl-Liebknecht-Jugend (später Freie Sozialistische Jugend) ein und gehörte zu den „Landfahrern“, einer kommunistischen Gruppe innerhalb der Wandervogelbewegung. Er war ab 1923 Mitglied einer Gewerkschaft und trat 1928 in die USPD ein. Bis 1933 war er zudem Mitglied im sozialistischen Touristen- und Wanderverein „Naturfreunde“ und Funktionär in der „Universum Bücherei für alle“, einer kommunistischen Buchgemeinschaft, die 1926 von dem Verleger Willi Münzenberg gegründet worden war. – Ab 1924 trat H. regelmäßig durch eigene Beiträge und Artikel in regionalen Zeitungen wie dem „Freitaler Tageblatt“ in Erscheinung. Er schrieb dabei v.a. zu Themen des Kulturlebens, der Orts- und Regionalgeschichte sowie über Wander- und Naturerlebnisse. Neben Freital spielte für H. vor allem Dresden als Kultur- und Kunststadt eine wichtige Rolle. Hier kam er - als autodidaktischer Kunstkenner - in engen Kontakt mit „linken“ Künstlern, Malern und Bildhauern, vornehmlich Vertreter der die moderne Kunst repräsentierenden Dresdner Sezession. – Nach dem Machtantritt des NS-Regimes beteiligte sich H. ab 1934 aktiv am Widerstand. Er war Mitglied der Gruppe um den Dresdner Maler Fritz Schulze und stand in Verbindung zu Kurt Schlosser und Mitgliedern der KPD-nahen „Naturfreunde-Opposition/Vereinigte Kletterabteilung“. H. nahm an der illegalen politischen Arbeit dieser beiden Gruppen teil. Im Zuge der Verhaftung der Mitglieder der Widerstandsgruppe um Schulze im Februar 1941 wurde auch H. festgenommen. Anders als Schulze und andere Mitglieder wie Albert Hensel oder Karl Stein, die zum Tod verurteilt wurden, wurde H. im März 1941 wegen Antikriegspropaganda und Fortführung der KPD-Politik zu einer Haftstrafe von 15 Jahren im Zuchthaus Waldheim verurteilt. – Nach der Befreiung im Mai 1945 ging H. zurück nach Freital. Dort engagierte er sich auf vielfältige Art und Weise in der kommunalen Verwaltung der Stadt. So war er Mitglied des Antifaschistischen Aufbaukomitees, Bezirksvorsteher für den Freitaler Stadtteil Birkigt und Leiter des Kulturamts der Stadt. 1946 bis 1949 war er zudem Stadtverordneter. H. entwickelte sich in dieser Zeit zu einer wichtigen Figur des Freitaler Kulturlebens. So beteiligte er sich u.a. an der Gründung verschiedener lokaler Zeitungen, war Mitbegründer des Freitaler Schauspielhauses im Plauenschen Grund (1947), das als Spielstätte der ausgebombten Dresdner Theater genutzt wurde, sowie des Freitaler Ortsvereins des Kulturbunds (1947) und der Volkshochschule in Freital, deren ehrenamtlicher Leiter er bis 1953 war. Zu seinen Verdiensten zählt zudem, dass er bereits im August 1945 in Freital unter räumlich schwierigen Verhältnissen die erste Kunstausstellung in Sachsen nach Kriegsende organisierte und veranstaltete. Sein Engagement für die Heimat- und Lokalgeschichte, aber auch für Naturschutz und Denkmalpflege zeigt sich auch in dem durch H. u.a. gemeinsam mit Hans Nadler und Gerhard Thümmler angeregten Wettbewerb „Das schöne Dorf“ (1954/55). Dies geschah im Rahmen seiner Mitgliedschaft bei den Natur- und Heimatfreunden im Kulturbund. Zudem war er Vorsitzender des „Aktivs Museen“ der Ständigen Kommission für kulturelle Massenarbeit und im Fachausschuss „Heimatgeschichte/Ortschronik“ der Zentralen Kommission für Natur und Heimat im Kulturbund der DDR. 1955 bis 1959 absolvierte er ein Fernstudium an der Fachschule für Heimatmuseen in Weißenfels. – Zu H.s wichtigsten Leistungen gehört die Einrichtung des Museums „Haus der Heimat“ in Freital-Burgk. Unter seiner Leitung wurde ab 1946 damit begonnen, das ehemalige Herrenhaus der Freiherren Dathe von Burgk zu einer Bildungsstätte umzuwandeln. Als Museumsleiter war er 1954 bis 1971 v.a. für die zahlreichen Bildausstellungen renommierter Künstler der Moderne verantwortlich. Grundstock der maßgeblich von H. zusammengetragenen Freitaler Kunstsammlung bildete die Sammlung des mit ihm eng befreundeten Malers Willy Eberl, deren Erwerb durch die Stadt Freital bereits 1949 von H. initiiert wurde. Durch die Bekanntschaft mit jungen Künstlern der Avantgarde in Dresden wie Otto Dix war es Eberl bereits vor 1945 gelungen, eine große Sammlung moderner Kunst aufzubauen, die durch H.s Engagement nach Freital gelangte. Weitere Nachlässe, die unter H. die Sammlung erweiterten, stammten z.B. von den Malern Ewald Schönberg und Karl Hanusch. 1987 übergab H. schließlich auch seine private Sammlung an das Museum. Die so zusammengetragene Bildersammlung stellt den Grundstock der heutigen Städtischen Kunstsammlung Freital dar, die eine der bedeutendsten Sammlungen Dresdner Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. – Auch nach 1945 war H.s Wirken durch eine vielfältige Publikationstätigkeit geprägt. Er beschäftigte sich v.a. mit der Geschichte seiner heimatlichen Umgebung. So gehörte H. 1954 auch zu den ersten Beiträgern der „Heimatkundlichen Blätter des Bezirks Dresden“ (ab 1958 „Sächsische Heimatblätter“), für die er zahlreiche Artikel verfasste. Besondere Popularität erlangte darüber hinaus sein Buch über den Plauenschen Grund (1950). Große Verdienste erwarb sich H. schließlich durch zahlreiche Publikationen zu Künstlern, mit denen er z.T. freundschaftlich eng verbunden war, wie das Beispiel des Malers Curt Querner zeigt. Über diesen publizierte H. 1968 einen Bildband, der maßgeblich für Querners Wiederentdeckung in der DDR war. Andere mit ihm eng verbundene Künstler, zu denen er z.T. auch Publikationen verfasste, waren z.B. Erich Fraaß, Karl Hanusch, Hermann Lange, Erich Gerlach, Conrad Felixmüller, Carl Bantzer. Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden bewahrt heute einen umfangreichen Nachlass H.s auf, in dem sich über 1.000 Briefe der mit ihm befreundeten und korrespondierenden Maler, Bildhauer und Schriftsteller befinden. – Für seine Leistung erhielt H. mehrfach den Kunstpreis der Stadt Freital (u.a. 1961). Darüber hinaus wurde er mit der Verdienstmedaille der DDR (1969), mit der Ehrenmedaille des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer (1975) sowie mit dem Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Bronze (1978) und in Silber (1987) ausgezeichnet. 1988 wurde er Ehrenbürger der Stadt Freital und zwei Jahre später mit einer Ehrenpromotion der Philosophischen Fakultät der Pädagogischen Hochschule Dresden geehrt. Heute erinnert eine nach ihm benannte Straße unweit des Museums in Freital-Burgk an sein Wirken in und für Freital.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Sammlung Hellmuth H.

W  Heimatbuch Plauenscher Grund. Tal der Unrast, Dresden 1950; Erich Fraaß. Auf dem Lande, Dresden 1960; Curt Querner, Dresden 1968; Fritz Winkler, Dresden 1976; Ewald Schönberg, Dresden 1977; Conrad Felixmüller, Dresden 1978; Carl Bantzer, Dresden 1981; Erich Gerlach, Dresden 1984; Hermann Lange, Dresden 1988.

L  Von der Heimat- und Denkmalpflege berichtet. Unser Porträt: Hellmuth H., in: Sächsische Heimatblätter 5/1959, H. 7, S. 473f.; E. Frommhold, Ein geachteter Senior sächsischer Heimatkunde. Hellmuth H., in: ebd. 30/1984, H. 6, S. 285f.; K. Neumann, Bibliographie der Veröffentlichungen von Dr. h. c. Hellmuth H. von 1924 bis 1989, Dresden 1991; C. Hebig, Zum Gedenken an Dr. h. c. Hellmuth H., in: Sächsische Heimatblätter 41/1995, H. 1, S. 53; R. Hanusch, Zum Tod von Dr. h. c. Hellmuth H., in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 1995, H. 1, S. 67; R. Günther, Die Städtische Kunstsammlung Freital, Freital 2002, S. 7-11; Querner trifft H. Zwei zum 100., hrsg. von den Städtischen Sammlungen Freital, Freital 2004; T. Schaarschmidt, Regionalkultur und Diktatur. Sächsische Heimatbewegung und Heimat-Propaganda im Dritten Reich und in der SBZ/DDR, Köln/Weimar/Wien 2004.

P  Im Licht des Abends. Bildnis Hellmuth H., E. Gerlach, 1980/81, Mischtechnik, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek, Fotografie: H. Reinecke (Bildquelle).



Henrik Schwanitz
24.6.2019


Empfohlene Zitierweise:

Henrik Schwanitz, Heinz, Hellmuth, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (15.9.2019)

Wikipedia Link