Döbel Heinrich Wilhelm
Jäger, Holzförster, Schriftsteller
* 1699 im Erzgebirge 14.6.1759 Schmerkendorf Schmerkendorf(ev.)
VHeinrich Wilhelm d.Ä. (1672-1738), Jäger, Reitender FörsterM(1669-1738)GWilhelm Rudolph (1704-1753), Piqueur, Reitender Förster; Carl Rudolph (1709-1767), Piqueur, Reitender Förster1732 Henriette Agnes, geb. Trümpler, verw. Pannicke (1696-1746)SKarl Heinrich Wilhelm (* 1732)
GND: 100109187

D. wird in der Forstgeschichte als erster nichtadliger Forstschriftsteller zu den „holzgerechten“, die Belange des Waldes berücksichtigenden Jägern gezählt, die im Gegensatz zu dem bis dahin nur „hirschgerecht“ agierenden Jagdpersonal maßgeblich zur Entwicklung der Forstwirtschaft in Deutschland beigetragen haben. – Aus einer alten Jägerfamilie aus dem Erzgebirge stammend, absolvierte D. zuerst bei seinem Großvater Hans Rudolph und anschließend bei seinem Vater in Güntersberge im Harz eine dreijährige Jägerlehre. 1717 wurde er in Harzgerode als Jägerbursche losgesprochen. Anschließend begab er sich nach Art der Handwerksburschen auf eine ausgedehnte Reise durch Deutschland, um sich im Jagdwesen weiterzubilden. 1720 schrieb er seine Reiseeindrücke nieder und widmete sich wildbiologischen Forschungen zur Trächtigkeit des Rehwilds. 1723 trat D. als Jägerbursche in Blankenburg/Harz in die Dienste des braunschweigischen Herzogs und bewarb sich dann 1725 erfolgreich als Jäger bei der Parforcejagd Leopolds I., Fürst von Anhalt-Dessau. Er erhielt die Anstellung als „Besuch-Knecht“, der die Aufgabe hatte, vor der Parforcejagd Hirsche bzw. Wildschweine mit dem Leithund aufzusuchen und deren Standorte zu bestätigen. Hofintrigen führten schon nach einem Jahr zu seiner Entlassung und veranlassten ihn zur Aufgabe seiner Jägerlaufbahn. Nunmehr widmete sich D. der Bewirtschaftung von Pachtländereien des Ritterguts Großmöhlau bei Gräfenhainichen. Nach seiner Heirat und der Geburt seines Sohns bewarb sich D. 1733 als Jäger bei der Parforcejagd-Equipage Hubertusburg bei Wermsdorf. Seine Anstellung dort soll er der Empfehlung Alexander Josephs von Sulkowski, dem einflussreichen Kabinettsminister des neuen Kurfürsten Friedrich August II. (König August III. von Polen), zu verdanken haben. D. zog mit seiner Familie nach Reckwitz bei Wermsdorf. Dort verfasste er die „Jäger-Praktika“ (1746), die zum Grundlagenwerk der Jägerausbildung wurde, und ein „Hausbuch“ (1747), wofür damals namhafte Ökonomen die „Vorreden“ schrieben. 1748 quittierte D. den kurfürstlichen Dienst und erhielt eine Anstellung als Holzförster bei Peter Freiherr von Hohenthal in dessen Rittergutsbesitz in Falkenberg/Elster und Schmerkendorf. Auch hier war D. publizistisch rege und veröffentlichte in den von Hohenthal herausgegebenen „Oeconomischen Nachrichten“ zahlreiche Beiträge zu land- und forstwirtschaftlichen Themen und verfasste teils kritische Rezensionen. – Seine Schriften lassen die praktischen Begabungen von D. erkennen, der gleichermaßen Empiriker und Autodidakt war. Noch stark im Wissensfundus seiner Zeit verwurzelt, besaß D. jedoch bereits tiefere Kenntnis der Waldbewirtschaftung. Mit seinen veröffentlichten fachlichen Erfahrungen und Ansichten hatte D. an der Entwicklung der deutschen Forstwirtschaft einen nicht geringen Anteil.



Q  Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts Dessau-Roßlau, Vierthalerkartei, Kopulationsregister St. Johannis, Nr. 14/1732; Evangelisch-lutherisches Pfarramt Wermsdorf, Sterberegister Nr. 20/1746; Evangelisch-lutherisches Pfarramt Falkenberg/Elster, Todten-Buch 1753-1854, S. 18, Nr. 12.

W  Eröffnete Jäger-Practica, Oder Der wohlgeübte und Erfahrne Jäger …, Leipzig 1746, 41828 (P) (ND Neudamm 1912); Geschickter Hausvater und fleißige Hausmutter, Oder kurtze, doch gründliche Einleitung zur Haushaltung oder Landwirthschaft; nebst einer nützlichen Haus-Apotheke …, Leipzig 1747; Practische Anmerkungen zu des Herrn Hanns Carl von Carlowitz geschriebener Anweisung zur wilden Baum-Zucht, so zu Leipzig Anno 1732 in Fol. gedruckt worden, in: Oeconomische Nachrichten 1/1749, 2. Stück, S. 143-173, 3. Stück, S. 219-254; Gedanken über den kurzen und deutlichen Unterricht von der wilden Baumzucht, in: ebd. 7/1755, 79. Stück, S. 493; Gegründete praktische Erinnerungen wider ein ohnlängst in den Druck gegebenes Buch, welches betitelt worden ist: Kurzgefaßter Entwurf der Jägerey …, in: ebd. 8/1756, 95. Stück, S. 667, 96. Stück, S. 692; Anmerkungen zu den Policey-Amts Nachrichten Num. 51. Von Pflanzung und Wartung der Eichen, in: ebd. 9/1757, 97. Stück, S. 75-78, 98. Stück, S. 79-94; Letzte Beantwortung desjenigen, so wider ihn Herr Beckmann in der zweyten Auflage seines Werkes von der Holzanpflanzung bekannt gemacht, in: ebd. 15/1763, 178-180. Stück, S. 582-802.

L  B. Bendix, Einführung, in: H. W. D., Ausführliche Nachricht von der Eiche und Anmerkungen … Von Pflanzung und Wartung der Eichen, hrsg. von B. Bendix, Remagen-Oberwinter 2016, S. 5-39. – ADB 5, S. 282-285; DBA I, II, III; DBE 2, S. 568; NDB 4, S. 10f.



Bernd Bendix
22.12.2016


Empfohlene Zitierweise:

Bernd Bendix, Döbel, Heinrich Wilhelm, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (31.3.2017)

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