Schaufuß Heinrich Gotthelf
Hofmaler, Porzellanmaler, Zeichenlehrer
* 21.10.1760 Chemnitz 19.5.1838 Meißen(ev.)
VChristian Wilhelm, BergmannMM Juliana Sophia, geb. Roschers, Tochter des kurfürstlich sächsischen Fischotter-Fängers Michael RoschersGChristina Wilhelmina (* † 1765); Christian Friedrich (* † 1768); Christian August (* † 1770)
GND: 13812440X





Als äußerst produktiver Porzellanmaler, der v.a. für den sächsischen Hof hochwertige Kopien der „alten Meister“ auf Meißner Porzellan fertigte, gehörte S. in Sachsen zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit. – S. besuchte das Gymnasium in Chemnitz. Sein Talent für Malen und Zeichnen wurde v.a. im Kunstunterricht sichtbar und übertraf das seiner Lehrer bei Weitem. Besonders begeistert war er von der italienischen Porträtmalerei (insbesondere des Malers Raffael), die er schon als Schüler kopierte. S. studierte an der Kunstakademie in Dresden und wurde u.a. von Johann Eleazar Zeissig, dem damaligen Direktor der Akademie, unterrichtet, der sich intensiv mit der Porzellanmalerei beschäftigte. 1781 nahm S. seinen Dienst an der Porzellanmanufaktur Meißen auf. An der Manufaktur war er als brillanter Kopist bekannt, der zuvor nicht, wie viele deutsche Maler, Italien besucht hatte. Mit höchster Kunstfertigkeit übertrug er Kopien berühmter Meister auf das Meißner Porzellan und ließ dabei eigene Kompositionen kreativ einfließen. Seine Inspiration für die Kopien hatte er sich durch das intensive Studium der „alten Meister“ erworben. – Zu S.s Repertoire gehörten Porträts von Mitgliedern europäischer Fürstenhöfe auf Porzellan und als Ölgemälde. Aufgrund seiner außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen wurde er durch König Friedrich August II. mit dem Titel „Sächsischer Hofmaler“ geehrt. Er galt als sehr produktiver Maler und schuf insbesondere für den Hof Hunderte von porzellanenen Einzelstücken. 1828 wurde S. als Erster Zeichenmeister an die königliche Zeichenschule zu Meißen, einer Außenstelle der Kunstakademie Dresden, berufen. Zweiter Zeichenmeister war Karl Samuel Scheinert, der bekannte Maler Ludwig Richter war Dritter Zeichenmeister. Richter und S. wurden zusätzlich mit der Administration der Zeichenschule beauftragt. Die 200 Schüler wurden auf höchstem künstlerischen Niveau ausgebildet, wobei Richter hauptsächlich Landschaftsmalerei, Scheinert altdeutsche Meister und S. Porträt sowie italienische Meister unterrichtete. 1835 wurde die Außenstelle der Kunstakademie geschlossen und S. in den Ruhestand versetzt. Sporadisch arbeitete er weiterhin als Maler an der Porzellanmanufaktur. – S.s künstlerisches Schaffen wurde mit der Großen goldenen Verdienstmedaille der Meißner Porzellanmanufaktur geehrt. Wie die zeitgenössische Presse berichtete, waren die Kunden in England und Wien von der hervorragenden künstlerischen Qualität der Bemalung gelieferter Vasen begeistert. S. gehörte in seiner Zeit zu den bedeutendsten Künstlern in Sachsen, obwohl er wenig eigene Werke schuf. Sein Œuvre bestand v.a. aus künstlerisch hervorragenden Kopien, beispielsweise von Raffael, Domenichino, Guido Reni, Pompeo Batoni, Anthonis van Dyck und Anton Raphael Mengs. Seine Werke wurden 1798, 1811, 1816, 1818, 1828 und 1830 in Dresden ausgestellt. – Im Fitzwilliam Museum der Universität Cambridge wird eine Vase der Porzellanmanufaktur Meißen präsentiert, die als Denkmal für die engen politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Sachsen und Großbritannien im frühen 19. Jahrhundert betrachtet wird. Diese Campana-förmige Vase im neoklassischen Stil wurde von S. bemalt. In der Sammlung der Wiener Albertina befindet sich eine Vielzahl von S.s Aquarellen. Es handelt sich dabei um Auftragswerke für Herzog Albert von Teschen, einen Sohn des Kurfürsten Friedrich August II. (August III.). Weitere Werke von S. finden sich im Kupferstichkabinett Coburg sowie in den USA. – Als S. starb, attestierte man ihm als Maler, nach fünfzigjähriger Dienstzeit an der Porzellanmanufaktur, seine großen Verdienste. Über seine Ehe ist nichts bekannt.



Q  St.-Jakobi-Kirche Chemnitz, Taufbuch 1759-1783, fol. 35, Nr. 110 (10.10.1760); Kunstakademie Dresden, Studentenordnung 1778-2012, Immatrikulationen im Bereich der bildenden Kunst (Archiv); Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10736 Ministerium des Inneren, Nr. 17258, Statuten für die Königlich Sächsische Akademie der Bildenden Künste 19.12.1835; Königlich Sächsischer Hof-, Civil- und Militär-Staat im Jahre 1828, Leipzig, S. 236.

L  Vermischte Nachrichten, in: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste 1780, S. 307; Über die Dresdner Gemäldeausstellung vom Jahre 1781, in: ebd. 1781, S. 36; Zeitung für die elegante Welt 15.11.1816; Allgemeine Zeitung 22.8.1816, S. 410; Nachtrag zur Kunst-Ausstellung 1821, in: Verzeichnis der am Augustustage den 3. August 1821 in der Königlich Sächsischen Akademie der Künste zu Dresden öffentlich ausgestellten Kunstwerke, Dresden 1821, S. 3; P. Reinhard, Die Stadt Meißen, ihre Geschichte, Merkwürdigkeiten und malerische Umgegend, Meißen 1829, S. 31; Leipziger Zeitung 29.6.1831; E. Lange, Die königliche Porzellan-Manufaktur und deren Verwandte, Meißen 1911, S. 86; L. Richter, Lebenserinnerungen eines deutschen Malers, Berlin 1923; J. Kunze, Angaben zu Personalen bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur Meißen aus den Jahren 1800-1860, in: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde 101/1983, S. 17-40; B. Kovalevski, Georg Friedrich Kersting als Malervorsteher an der Königlich-Sächsischen Porzellanmanufaktur Meißen von 1818 bis 1847, in: Keramik-Freunde der Schweiz. Mitteilungsblatt 108/1994, S. 66; T. Schaufuß, Spuren bekannter und unbekannter Schaufüße. Eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte, Plaidt 2014. – ADB 30, S. 637f.; DBA I, II, III; DBE 8, S. 576; G. K. Nagler, Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc., Bd. 15, München 1845, S. 153.

P  Heinrich Gotthelf S., ca. 1829, Scherenschnitt, Privatarchiv T. Schaufuß (Bildquelle).



Thomas Schaufuß
14.8.2018


Empfohlene Zitierweise:

Thomas Schaufuß, Schaufuß, Heinrich Gotthelf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.9.2018)

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