Heinrich Ernst II.
Graf von Schönburg
* 29.4.1760 Rochsburg bei Lunzenau 19.4.1825 Rochsburg Rochsburg, Schloss Rochsburg(ev.)
VHeinrich Ernst I. (1711-1777), Graf von SchönburgMMagdalena Louise, geb. Freiin von Elster zu Diamantstein (1723 (?)-1798)GFriedrich Ernst (1748-1770); Ludwig Ernst (1750-1806); Heinrich Wilhelm Ernst (1751-1816); Caroline Antoinette Louise (1752-1827); Wilhelmine Eleonora Sidonie (1756-1822); Albert Gottlieb Ernst (* † 1758); Magdalena Louise (1762-1835) 1.1792 Sophie Wilhelmine, geb. Fürstin von Carolath-Schönaich (1766-1795) 2.1819 Ernestine Wilhelmine, geb. von Köhler (1768-1838)TAdolfine Sophie Wilhelmine Henriette Ernestine (* 1809), unehelich, später legitimiert
GND: 1011432544

H. wuchs in Rochsburg auf, wo er Privatunterricht bei seinem Hofmeister Gabriel Leberecht Wimmer, dem späteren Oberpfarrer von Burgstädt, erhielt. 1778 bis 1782 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig und war anschließend einige Jahre als Assessor bei der Landesregierung in Dresden tätig. Da der vielseitig begabte H. im Staatsdienst jedoch ein zu enges Betätigungsfeld sah, übernahm er 1786 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Heinrich Wilhelm Ernst die bislang von der Mutter administrierte Herrschaft Rochsburg. Diese ging 1816 in H.s Alleinbesitz über. Am 12.12.1820 erwarb er zusätzlich das Rittergut Mittelfrohna. Während seiner insgesamt fast 40-jährigen Regierungszeit trat H. v.a. als rastlos tätiger und innovationsfreudiger Landwirt hervor. Über gründliche landwirtschaftliche Kenntnisse, aber auch Experimentierfreude verfügend, ersetzte er die herkömmliche Dreifelderwirtschaft durch wechselnde Fruchtfolgen, erprobte neuartige Bodenbearbeitungs- und Düngemethoden und erzielte damit auf seinen Gütern beachtliche Ertragssteigerungen. Durchschlagende Erfolge verzeichneten H.s. Bemühungen, sein Herrschaftsgebiet zu einem Zentrum der Schafzucht zu machen. Dabei griff er auf die in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingeführten spanischen Merinos zurück. 1801 wurden auf den Rochsburger Schäfereien insgesamt 2.000 Schafe dieser Rasse gezählt. Wenn H.s. Schäfereien bald als die qualitätsvollsten in ganz Sachsen galten, so ist dies u.a. auf die systematisch betriebene ganzjährige Stallfütterung und eine Intensivierung des Futtermittelanbaus zurückzuführen. Anerkennung fanden seine Bewirtschaftungsmethoden u.a. bei Albrecht Daniel Thaer, dessen landwirtschaftliche Studien teilweise auf Aufenthalte in Rochsburg zurückgehen. Dass H. selbst landwirtschaftstheoretische Schriften verfasste, blieb seinen Zeitgenossen verborgen, da sie unter Pseudonym veröffentlicht wurden. Unter seinen Aufsätzen zur Schafzucht und zum Kartoffelanbau ragt die Schrift „Einige Bemerkungen eines praktischen Landwirts über das Ganze der Schafzucht des E. Petri“ (1817) heraus. H.s Wirtschaftspläne und sein „Ökonomisches Tagebuch“ geben darüber hinaus Einblick in Methodik, Empirie und Theorie der zeitgenössischen außerakademischen Forschung. H.s sämtliche Schriften wurden 1828 posthum in zwei Bänden von Friedrich Benedikt Weber veröffentlicht. – Jenseits des wirtschaftlichen Erfolgs müssen H.s geld- und zeitintensiven Experimenten jedoch auch zahlreiche negative Auswirkungen zugeschrieben werden. Ein enormer Weideflächenbedarf zerstörte viele Waldgebiete, während großangelegte Grundstücksaufkäufe der bäuerlichen Bevölkerung landwirtschaftliche Nutzflächen entzogen. Dies mag zumindest mittelbare Ursache dafür sein, dass die Herrschaft Rochsburg von allen schönburgischen Gebieten am stärksten vom kursächsischen Bauernaufstand 1790 betroffen war. Dabei wurden Versuche, das Rochsburger Schloss zu stürmen von H. mit einem blutigen Militäreinsatz beantwortet. – Nach 1815 konnte H. nicht mehr an die einstigen wirtschaftlichen Erfolge anknüpfen. Versuche einer Rinderzucht (1820) scheiterten ebenso wie das Bemühen, die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Eigenerzeugnisse mittels einer Tuchfabrikation in Berthelsdorf bei Lunzenau zu organisieren. Mittlerweile ertaubt, musste sich H. für die letzten zehn Jahre seines Lebens teils auf schriftliche Konversation beschränken. Mit seinem Tod 1825 erlosch die Linie Schönburg-Rochsburg. Sein inzwischen verschuldetes Herrschaftsgebiet fiel an die Linie Schönburg-Hinterglauchau.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, Schönburgische Gesamtregierung, Herrschaft Hinterglauchau, Herrschaft Rochsburg.

W  Einige Bemerkungen eines praktischen Landwirts über das Ganze der Schafzucht des E. Petri, Leipzig 1817; Des Grafen H. von Schönburg-Rochsburg Handschriftliche Nachrichten über seine Wirtschaftsführung in Rochsburg in Sachsen, hrsg. v. F. B. Weber, 2 Bde., Halle 1828 (P).

L  K. G. Eckardt, Genealogie und Familien-Geschichte des Hochfürstlichen und Hochgräflichen Hauses Schönburg, 1853 [MS], S. 363-365; M. Donath (Hg.), Schloß und Herrschaft Rochsburg, Beucha 2006, S. 40-42; 96f. (P). – DBA I.

P  Graf H. v. Schönburg-Rochsburg, Lithografie um 1828, Museum Schloß Rochsburg (Bildquelle).



Michael Wetzel
13.11.2013


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Heinrich Ernst II., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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