Olmützer (von Olmütz, Olomuntzer) Hans
Bildhauer, Bildschnitzer, Fassmaler (?)
* Olmütz (tschech. Olomouc), belegt 1473-1503

GND: 132678756






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O., der aus der mährischen Bischofsstadt Olmütz (tschech. Olomouc) stammte, war in den 1470er-Jahren im Bodenseeraum und der westlichen Schweiz tätig. Über dort entstandene Werke bzw. über seine frühere Tätigkeit in Mähren liegen keine gesicherten Nachrichten vor, auch wenn die kunsthistorische Forschung versucht hat, ihm Bildwerke in Olmütz zuzuschreiben. Zwischen 1473 und 1478 ist O. als Meistergeselle beim Bildhauer Peter Zeiner in Zürich und als selbstständiger Bildschnitzer in St. Gallen nachweisbar. 1479 ließ er sich in Konstanz nieder, wo er im selben Jahr heiratete und das Bürgerrecht erhielt. 1483 zog er nach Breslau (poln. Wrocław), erwarb dort das Bürgerrecht und ein Haus. 1488 kam O. schließlich nach Görlitz und erhielt noch im selben Jahr vom Stadtrat die Ausführung eines Marienaltars übertragen. Dieser Auftrag ist lange mit dem Altarretabel („Goldene Maria“) in der Barbarakapelle der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche (Franziskanerklosterkirche, Oberkirche) in Verbindung gebracht worden, der O. jedoch inzwischen abgeschrieben wurde. Zugeschrieben wird ihm heute das künstlerisch hochwertige Wappen des böhmisch-ungarischen Königs Matthias Corvinus am Görlitzer Rathausturm, das der Stadtrat 1488 hatte anbringen lassen. 1492 begann O. mit der Arbeit an der heute in der Barbarakapelle aufgestellten Beweinungsgruppe, die der Görlitzer Kaufmann und Bürgermeister Georg Emmerich gestiftet hatte. Ausgehend von diesem gesicherten Werk wird ihm die stilistisch ähnliche, jedoch im 18. Jahrhundert überarbeitete Figurengruppe der „Marienklage“ in der sog. Salbungskapelle des Görlitzer Heiligen Grabes zugeschrieben sowie zwei Figuren einer Triumphkreuzgruppe aus der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche. Von letzterer befindet sich die Marienfigur heute im Nationalmuseum Warschau, die Johannesfigur hingegen ist nur durch eine Zeichnung des späten 18. Jahrhunderts überliefert. In dieser Zeit bildete O. in seiner Görlitzer Werkstatt Paul Doring und Jorg Radisch, der sich später in Prag niederließ, zu Bildschnitzern aus. Nach einem Streit zwischen ihm und dem Görlitzer Stadtrat über die Rechtmäßigkeit seines Meistertitels, zu dessen Schlichtung die Bauhüttenmeister von Prag, Passau und Wien herangezogen wurden, verließ O. jedoch 1503 die Neißestadt. Zuvor stellte er noch den Annenaltar für die private St. Annenkapelle des Görlitzer Kaufmanns Hans Frenzel fertig. Ob O. mit einem in Prager Quellen zwischen 1518 und 1530 erwähnten Bildhauer Hans von Holomuc identisch ist, bleibt unsicher. – Die Görlitzer Werke O.s, eines typischen „Wanderkünstlers“ des ausgehenden Mittelalters, gehören zu den herausragenden spätgotischen Bildhauerarbeiten im östlichen Mitteleuropa. Er bereicherte die vielfältige spätgotische Kunstproduktion in der Region durch die über den Bodenseeraum vermittelten Formen der burgundischen Plastik.



W  Grablegung Christi, 1492, Sandstein, Dreifaltigkeitskirche Görlitz; Wappen des Matthias Corvinus, 1488, Sandstein, Rathausturm Görlitz (Zuschreibung); Marienklage, um 1500, Sandstein, Görlitz, Salbungskapelle des Heiligen Grabs (Zuschreibung); Marienfigur aus einer Kreuzigungsgruppe, um 1490-1500, Holz, Nationalmuseum Warschau (Muzeum Narodowe Warszawa).

L  E. Wernicke, Maler und Bildschnitzer des Mittelalters in Görlitz, in: Neues Lausitzisches Magazin 52/1876, S. 62-67; H. Lutsch, Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Schlesien, Bd. 3, Breslau 1891, S. 658, 662, 680; G. Dalmann, Das Heilige Grab in Görlitz und sein Verhältnis zum Original in Jerusalem, in: Neues Lausitzisches Magazin 91/1915, S. 198-244, hier S. 213; H. Braune/E. Wiese/E. Kloss, Schlesische Malerei und Plastik des Mittelalters, Leipzig 1929, S. 43, 54f., 59, 62f., 74f.; A. Zobel, Auf den Spuren Hans O.s, in: Kunst und Denkmalpflege in Schlesien 2/1939, S. 90-110; J. Krčalová, Příspěvek k poznání díla Hanuše z Olomouce [Ein Beitrag zur Kenntnis des Werks des Hans von O.], in: Umění 4/1956, S. 17-50; W. Biehl, Das Rätsel um Hans O., in: M. Reuther (Hg.), Oberlausitzer Forschungen, Leipzig 1961, S. 135-142; E.-H. Lemper, Kaplica Świętego Krzyża i Święty Grób w Görlitz [Die Hl.-Kreuz-Kapelle und das hl. Grab in Görlitz], in: Roczniki Sztuki Śląskiej 3/1965, S. 103-128; ders., Görlitz, Görlitz/Zittau 2001, S. 61, 81-91; R. Kaczmarek, Das Werk des Hans von O., in: T. Torbus (Hg.), Die Kunst im Markgraftum Oberlausitz während der Jagiellonenherrschaft, Ostfildern 2006, S. 115-127; K. M. Mieth/M. Winzeler, Das Görlitzer Corvinus-Wappen von 1488, in: Neues Lausitzisches Magazin 11/2008, S. 7-26. – ADB 24, S. 314, 788; DBA II, III; DBE 7, S. 490; Thieme/Becker, Bd. 26, Leipzig 1932, S. 12.



Kai Wenzel
23.2.2009


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Olmützer (von Olmütz, Olomuntzer), Hans, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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