Kramer Hans (Johann, Jan) d.Ä.
Steinmetz, Baumeister, Festungsbauingenieur
1577 Weichselmünde (poln. Wisłoujście)
VBastian, Steinmetz, Baumeister
GND: 133276120






Artikel wurde bearbeitet:

K. ist seit 1554 in Dresden nachweisbar. Vermutlich wurde er von seinem Vater zum Steinmetz und Baumeister ausgebildet. Im Auftrag der Kurfürsten Moritz und August von Sachsen arbeiteten beide nach Plänen von Caspar Vogt von Wierandt am Um- und Ausbau des Dresdner Residenzschlosses. 1554 erhielt K. die Bestallung als kurfürstlich sächsischer Hofsteinmetz und Werkmeister. Damit unterstanden die am Dresdner Schlossumbau und bei weiteren kurfürstlichen Bauvorhaben beschäftigten Bauhandwerker seiner Aufsicht. K. führte nachweislich architektonische Elemente für die Dresdner Schlosskapelle aus und war ferner für Umbauten an der alten Frauenkirche verantwortlich. Ob er auch an der Errichtung des neuen Saalbaus auf Schloss Nossen (1554-1557) beteiligt war, kann nur vermutet werden. In den Folgejahren projektierte K. in Wittenberg Umbauten am Residenzschloss (1558-1561) sowie an den Festungsanlagen und am städtischen Waaghaus. Weiter entwarf K. die Rathäuser für Schmiedeberg (1560) und Lommatzsch (1560). 1561 war er für die bauliche Vorbereitung zur Aufstellung des Grabmonuments für Kurfürst Moritz im Freiberger Dom verantwortlich. – 1565 schied K. aus den kurfürstlich sächsischen Diensten aus und zog nach Danzig (poln. Gdańsk), wo er wenig später die Stelle des Stadtbaumeisters erhielt. Zusammen mit ihm kamen mehrere Bauhandwerker aus Sachsen nach Danzig, um für ihn zu arbeiten. Als Stadtbaumeister war er mit dem Entwurf und der Instandhaltung der städtischen Bauten sowie mit der Beaufsichtigung der in städtischen Diensten tätigen Künstler und Bauhandwerker beschäftigt. In den Folgejahren prägte er das Baugeschehen in Danzig wesentlich mit. Zwischen 1571 und 1576 ließ er u.a. die Danziger Verteidigungsanlagen modernisieren und das Hohe Tor (ca. 1575) errichten. Gemeinsam mit dem aus Amsterdam stammenden Stadtbaumeister Regnier führte K. 1565 bis 1568 den anspruchsvollen Neubau des Grünen Tors am Langen Markt aus, das die Funktionen eines Stadttors, einer königlichen Residenz und eines städtischen Waaghauses in sich vereinte. Darüber hinaus entwarf er im Auftrag des Kaufmanns Dirck Lylge das sog. Englische Haus (1568-1570), in dessen Architektur K. die Formen der sächsischen Renaissance mit der Ornamentik der niederländischen Baukunst verband. Er starb während der Belagerung der Festung Weichselmünde. – K. zählt zu den herausragenden Baumeistern der Renaissancearchitektur in Sachsen und Danzig und ist als beispielhafter Vertreter eines mitteleuropäischen Kulturtransfers im 16. Jahrhundert anzusehen.



W  Rathaus Schmiedeberg, 1560; Rathaus Lommatzsch, 1560; Grünes Tor Danzig, 1565-1568; Löwenschloss Danzig, 1569 (Zuschreibung); Englisches Haus Danzig, 1568-1570; Hohes Tor Danzig, ca. 1575.

L  G. Cuny, Danzigs Kunst und Kultur, Bd. 1, Frankfurt/Main 1910, S. 15-29; C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen, H. 41, Dresden 1923, S. 375; F. Löffler, Das alte Dresden, Dresden 1955, S. 18, 349, 389; H. u. S. Kozakiewicz, Die Renaissance in Polen, Leipzig/Warschau 1976, S. 217; F. Bellmann/M.-L. Harksen/R. Werner (Bearb.), Die Denkmale der Lutherstadt Wittenberg, Weimar 1979, S. 82, 236; E. Cieślak, Historia Gdańska, Bd. 2, Gdańsk 1982, S. 22, 400 u.ö.; J. Z. Łoziński, Pomniki sztuki w Polsce, Bd. 2, Warszawa 1992, S. XLIV, XLV, 380 u.ö.; H. Magirius, Die Hofkapelle, in: Das Dresdener Schloss, hrsg. von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden 31992, S. 78-84; J. Friedrich, Gdańskie zabytki architektury do końca XVIII w, Gdańsk 1995, S. 30, 53, 250; A. Miłobędzki, Scena architektoniczna Gdańska 1450-1800, in: T. Grzybkowska (Red.), Aurea Porta rzeczypospolitej, Aufsatzband, Gdańsk 1997, S. 11-34, hier 23; T. DaCosta Kaufmann, Höfe, Klöster und Städte, Köln 1998, S. 251. – DBA II, III; DBE 6, S. 69; Thieme/Becker, Bd. 21, Leipzig 1927, S. 413f. (WV); Vollmer, Bd. 21, Leipzig 1927, S. 413f.; Z. Nowak (Red.), Słownik biograficzny Pomorza nadwiślańskiego, Gdańsk 1994, S. 494f.; J. Turner (Hg.), The Dictionary of Art, Bd. 18, London/New York 1996, S. 435f. (WV).



Kai Wenzel
16.1.2006


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Kramer, Hans (Johann, Jan) d.Ä., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.8.2017)

Wikipedia Link