Carlowitz (zu Arnsdorf) Hans Carl von
Oberberghauptmann, Publizist
* 14.12.1645 Rabenstein 3.3.1714 Freiberg Freiberg, Stadtkirche St. Petri(ev.)
VGeorg Carl (zu Altschönfels und Arnsdorf bei Hainichen) (1616-1680), Oberaufseher der Erzgebirgischen Flößen, Amtshauptmann, Landjägermeister, RittergutsbesitzerMAnna Maria, geb. von Römer (1623-1680)GJohann Christoph (1644-1691), Oberaufseher der Zwickauer Flößen; Johann Georg (* 1646); Hans Wolf (1648-1683), Oberst der Artillerie; Hans Dietrich (1649-1683), Leutnant der Kavallerie; Hans Jobst (1653-1715), Oberaufseher der Erzgebirgischen Flößen; Georg Carl (1658-1700), Generalkriegskommissar, Generalmajor; Carl Gottlob (* † 1659); Carl Rudolf (1659-1700), Generalkriegskommissar; Carl (1660-1736), Hauptmann; Johann Günther; Johann Wilhelm; Carl Gottlob; Magdalene Elisabeth; Marie Dorothee; Johanne Sophie; Martha Sabine1675 Ursula Margaretha, geb. von Bose (1656-1727), Tochter des Geheimen Rats, Kriegsrats und Generalkriegskommissars Christoph Dietrich von Bose d.Ä.K5 u.a. Ursula (1678?-1746); Charlotta Maria (1679-1734); Johanna Magdalena († 1729)
GND: 100039596





C. nimmt unter den Wegbereitern des Forstwesens in Deutschland als Oberberghauptmann und Autor der „Sylvicultura oeconomica“ (1713), dem ersten rein forstlichen Fachbuch in deutscher Sprache, einen hervorragenden Platz ein. – Er wurde als zweites von 17 Kindern des sächsischen Oberaufsehers der erzgebirgischen Flößen Georg Carl von Carlowitz geboren. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ auch im Chemnitzer Umfeld vielfältige Spuren der Verwüstungen durch Söldnerheere, sodass auch Rabenstein davon nicht verschont blieb. Wohl deshalb zog die Familie 1652 auf ihre Besitzung Altschönfels. Als dieser Wohnsitz zweimal durch Brand stark geschädigt wurde, verlebte C. seine Kindheit überwiegend auf dem väterlichen Rittergut Arnsdorf. Die Eltern ermöglichten ihm auch in dieser schwierigen Zeit eine solide Erziehung. Vierzehnjährig wechselte C. dann 1659 an das Lycei Halensis. Fünf Jahre später begann der Gymnasiast sein Studium an der Universität Jena. Ab 1665 begab sich C. auf die für junge Adlige obligate Grand Tour, die ihn nach Nürnberg, Heidelberg, Stuttgart, Durlach (heute ein Stadtteil von Karlsruhe), Frankfurt/Main, Mainz und Köln sowie in die Niederlande führte. Zur Fortsetzung seines Studiums ging er kurzzeitig an die Universitäten Leiden und Utrecht. Sein weiterer Reiseweg führte ihn durch die spanischen Niederlande (Flandern) bis nach London. Hier erlebte er den großen Stadtbrand vom 2.9.1666, der 80 Prozent der Stadtbebauung verwüstete. In Verdacht einer der möglichen Brandstifter zu sein, wurde C. verhaftet, kam aber durch Intervention des kurpfälzischen Prinzen Ruprecht, der in Diensten des englischen Königs stand, kurzfristig wieder frei und verließ England in Richtung Hamburg und Dänemark. Anschließend reiste er weiter nach Schweden und von dort über Lübeck zurück nach Hamburg. Sein Weg führte ihn weiter nach Frankreich. In Paris setzte er seine Studien in der Bibliothek der Sorbonne fort, um dann um die Jahreswende 1667/68 nach Italien aufzubrechen. Von Rom aus begab er sich 1669 über Neapel und Sizilien nach Valletta auf Malta. Von hier trat dann C. endgültig die Rückreise über Venedig und Tirol nach Sachsen an, wo er 1669 eintraf. – Im August 1671 unterstützte C. seinen Vater als Adjunkt bei Berichtigungen des Grenzverlaufs zu Böhmen. Nachdem er 1672 zum Kammerjunker bestallt worden war, half er wiederum seinem Vater bei dessen Dienstaufgaben als Amtshauptmann für Wolkenstein, Lauterstein, Lichtenwalde und Neusorge. Dabei kam C. erstmals auch mit dem Forstwesen in den genannten Ämtern in Berührung. Aufgrund seiner Kenntnisse und organisatorischen Fähigkeiten im Floß- und Bergwesen ernannte ihn Kurfürst Johann Georg II. 1679 zum Vize-Berghauptmann. In diesem Amt 1686 auch von Kurfürst Johann Georg III. bestätigt, berief ihn schließlich Kurfürst Friedrich August I. (August II., der Starke) am 23.12.1709 zum Kammer- und Bergrat. Damit übernahm er eine Schlüsselfunktion im kursächsischen Montanwesen. Nunmehr oblag ihm als Leiter des sächsischen Oberbergamts und seit Ende 1711 als Oberberghauptmann auch die Holz- und Holzkohleversorgung des sächsischen Berg- und Hüttenwesens. – Seine gehobene Stellung unterstreicht auch 1675 seine Heirat mit Ursula Margaretha, der ältesten Tochter des Christoph Dietrich von Bose d.Ä., der unter vier Kurfürsten als Geheimer Rat, Kriegsrat und Generalkriegskommissar gedient hatte. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. – C. starb nach längeren Gesundheitsproblemen am 3.9.1714 in seinem Haus am Obermarkt in Freiberg und wurde zehn Tage später in die Carlowitzsche Familiengruft in der dortigen Stadtkirche St. Petri überführt. Sein Grab ist durch die 1891 erfolgte Auflösung des Erbbegräbnisses verloren. – C.s 1713 erschienenes Hauptwerk „Sylvicultura Oeconomica Oder Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung Zur Wilden Baum-Zucht ...“ stellt die erste ausschließlich der Forstwirtschaft (ohne Jagd) gewidmete Publikation im deutschen Sprachraum dar. Damit avancierte C. zum bedeutendsten forstlichen Publizisten des frühen 18. Jahrhunderts. Besonders die umfassenden Ausführungen zur waldbaulichen Praxis in der Forstpflanzenanzucht, Waldverjüngung und Jungbestandspflege zeugen von seiner fundierten Sachkenntnis. Spätere Veröffentlichungen legen nahe, dass das heute überaus populäre Modell einer „Nachhaltigen Entwicklung“ aus der Idee der forstlichen Nachhaltigkeit hervorgegangen ist, die grundsätzlich auf Überlegungen von C. zurückweisen. Zwar war C. nicht der „Vater der Nachhaltigkeit“, wie er heute immer wieder gern zitiert wird, er hat jedoch dieses Prinzip eindringlich beschrieben und die Notwendigkeit seiner Durchsetzung in seinem Werk angemahnt. Mit ihm wird damit auch heute eine Persönlichkeit geehrt, die als Nichtforstmann für die Erhaltung und Verbesserung der kursächsischen Wälder sehr verdienstvoll gewirkt hat.



Q  Evangelisch-lutherisches Pfarramt Rabenstein, Kirchenbuch der St.-Georg-Kirche, Taufbuch 1585-1688, Nr. 15; Evangelisch-lutherische Superintendentur Freiberg, Kirchenbuch der Stadtkirche St. Petri, Totenbuch 1665-1721, Bl. 371; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10036 Finanzarchiv, Bergspecial-Rescr. 1709, Bd. 4, Nr. 45, Bl. 291, 10036 Finanzarchiv, Rep. IX, Sect. I. 5213, Spec.Rescr. 1710, I. 23; H. J. Wäger, Der hohe geistliche Adel gläubiger Christen ward ... Bey Hoch-Adelichem Leichen-Begängnüsse Des weyland Hoch-Wohlgebohrnen Herrn, Herrn Hans Carl von C. auff Arnsdorff ..., Leichenpredigt, Freiberg 1714.

W  Sylvicultura oeconomica, Oder Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung Zur Wilden Baum-Zucht …, Leipzig 1713 (ND Remagen-Oberwinter 2012, München 2013).

L  O. R. von Carlowitz, Aus dem Archive der Familie von Carlowitz, Dresden 1875; B. Bendix, Zur Biographie eines Vordenkers der Nachhaltigkeit, Hans Carl von C. (1645-1714), in: Die Erfindung der Nachhaltigkeit. Leben, Werk und Wirkung des Hans Carl von C., hrsg. von der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft e.V. zur Förderung der Nachhaltigkeit, München 2013, S. 175-220; ders., Biographie des Hans Carl von C. (1645-1714), in: H. Thomasius/ders., Sylvicultura oeconomica. Transkription in das Deutsch der Gegenwart, Remagen 2013, S. 327-353. – ADB 3, S. 791f., NDB 3, S. 147f.; DBE 2, S. 282.

P  Porträt des Oberberghauptmanns Hans Carl von C. (1645-1714), M. Bernigeroth, um 1711, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Inventar-Nr.: A 121576 in A, 2 (INT XV-XIX, Bildnisse, C I), Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Bernd Bendix
7.6.2017


Empfohlene Zitierweise:

Bernd Bendix, Carlowitz (zu Arnsdorf), Hans Carl von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2017)

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