Voigt Georg Otto
Porzellanmaler, Kunstmaler
* 4.2.1871 Dresden 4.10.1940 Meißen Meißen, Alter Johannesfriedhof(ev.)
VKarl Gotthilf (Gotthelf) (1830-1909), Feldwebel, Hausverwalter an der Fürstenschule St. Afra MeißenMJohanna Charlotte, geb. Gast (um 1839-1928)Gertrud Margarethe, geb. Wenzel (1886-um 1950/60)Svermutlich Gustav, Kaufmann in MeißenTvermutlich Ottilie, verw. Feller
GND: 1023272970

V. war ein Spezialist für Scharffeuerfarbenmalerei an der Meißner Porzellanmanufaktur. Seine Dekorentwürfe und -ausführungen zeigen ein hohes malerisches Niveau. U.a. soll V. 1905/06 bei der Herstellung der Porzellanwandfliesen für den „Fürstenzug“ in Dresden am Langen Gang des Stallhofgebäudes mitgewirkt haben. – V. besuchte die Bürger- und Realschule in Meißen, danach erhielt er Zeichenunterricht bei Karl Ludwig Theodor Graff, der ab 1874 an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden tätig war und 1876 Direktor dieser Institution wurde. Anschließend erlernte V. ab 1.4.1888 an der Zeichenschule der Meißner Porzellanmanufaktur den Beruf eines Porzellanmalers, speziell für Figurenmalerei. Wegen seiner malerischen Befähigungen wurde er Ostern 1890 an der Dresdner Kunstakademie für ein Malereistudium angenommen, zunächst in der Mittelklasse, ab 2.5.1890 in der Naturklasse. Michaelis 1890 wurde er in den Malsaal versetzt. V. studierte zeitgleich mit Oskar Zwintscher aus Meißen. 1890 erhielt er eine Prämie für seine Studienleistungen und 1892 ein Ehrenzeugnis mit Prämie. Ostern 1893 verließ er freiwillig die Kunstakademie. Dass er noch einmal 1895 bis 1897 an der Dresdner Kunstakademie studiert haben soll, ist anhand der Matrikelbücher nicht nachweisbar. Im Mannschaftsbuch der Meißner Manufaktur wird erwähnt, dass V. „ohne Stipendium“ zum nochmaligen Studium delegiert wurde. Weshalb er diese zweite Chance nicht wahrnahm, konnte bislang nicht ermittelt werden. Seit 1900 wurde V. als „Kunstmaler“ im Meißner Adressverzeichnis genannt. 1900 bis 1902 wohnte er im selben Haus (Freiheit Nr. 2), in dem Zwintscher 1895 wohnte. Vom 31.1.1917 bis 2.12.1918 leistete V. Militärdienst. Ab 1.1.1921 arbeitete er an der Porzellanmanufaktur als Spezialist auf dem Gebiet der Scharffeuerfarbenmalerei, d.h. im Wirkungsbereich von Otto Voigt. Im Sinne der damaligen Bildvorstellungen waren seine Dekorentwürfe und -ausführungen von hohem malerischen Niveau, wobei sich Zwintscher und V. als Malerkollegen gegenseitig beeinflussten. Am 1.1.1932 wurde V. pensioniert. Im Archiv der Manufaktur existieren noch diverse Entwürfe von ihm, u.a. der 1903 signierte Entwurf des Wandschalenmotivs „Flöte spielender Pan in felsiger Landschaft“. Im Meißner Stadtmuseum befindet sich ein mit 1891 datiertes Aquarell „Im Dom“.



Q  Regionalkirchenamt Dresden, Geburtsregister der Dreikönigskirche Dresden, Film-Nr. KV 084; Stadtarchiv Meißen, Geburts- und Sterberegister der Stadt Meißen; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Akten zur Landesschule St. Afra in Meißen, Loc. 10112.

W  Im Dom, 1891, Aquarell, Stadtmuseum Meißen, Inv.-Nr. 1959.

L  J. Just, Meissener Jugendstil-Porzellan, Leipzig 1983; K.-P. Arnold, Meissener Blaumalerei aus drei Jahrhunderten, Leipzig 1989; G. Meier, Porzellan aus der Meissener Manufaktur, Berlin 1991; C. Marusch-Krohn, Meissener Porzellan 1918-1933. Die Pfeiffer-Zeit, Leipzig 1993; J. Schärer, Auf den Punkt gebracht. Porzellane für Meissen. Max Adolf Pfeiffer zu Ehren, Meißen 2000; H. Sonntag, Oskar Zwintscher und Meißen, in: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde 215/2012, S. 79f.; ders., Die Voigts. Porzelliner und Kunstmaler in Meißen, in: ebd. 223/2014, S. 75f.



Hans Sonntag
29.1.2015


Empfohlene Zitierweise:

Hans Sonntag, Voigt, Georg Otto, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.5.2017)

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