Dörffel (Dörfel, Doerfel) Georg Samuel
Pfarrer, Superintendent, Astronom
* 11.10.1643 Plauen 6.8.1688 Weida/Vogtland Weida, Stadtkirche(ev.)
VFriedrich (1612-1672), Rektor, LanddiakonMMaria, geb. Tröger (1608-1673) 1.1668 Maria Elisabeth, geb. Gebhard (1650-1678)SJohann Friedrich (1670-1671)TSusanna Maria (* 1669); Maria Elisabeth (* 1672); Johanna Dorothea (* 1674); Euphrosyne (1676-1748) 2.1679 Maria Salome, geb. Gottsmann, verw. Klinger (1651-1686)SGeorg Wilhelm (* 1680); Johann Gottfried (* † 1686)TMaria Sophia (* 1681); Johanna Christiane (* 1683) 3.1687 Judith, geb. Franke (1660-1736)SChristoph Heinrich (* † 1688)
GND: 11948689X





D. entstammte einer Pfarrersfamilie, ergriff selber diesen Beruf und wirkte lange als Pfarrer und Superintendent im Vogtland. Er erlangte aufgrund seiner astronomischen Beobachtungen von Kometenbahnen große Bedeutung. – Nach dem Besuch der Lateinschule seiner Heimatstadt ging D. 1659 an das Evangelisch-Lutherische Stadt-Gymnasium nach Halle/Saale, bevor er 1661 sein Studium in Leipzig aufnahm. Dem Baccalaureat der Freien Künste (1662) folgte - seinem naturwissenschaftlichen Interesse entsprechend - ein Semester Mathematik und Astronomie bei Erhard Weigel in Jena, wo er u.a. Gottfried Wilhelm Leibniz kennenlernte, der zur selben Zeit Mathematik in Jena studierte. 1662/63 erwarb er den Magistertitel im Fach Philosophie. Danach studierte D. v.a. Theologie bei Johann Adam Scherzer in Leipzig und erwarb Ende 1667 das Baccalaureat der Theologie. – Als Gehilfe seines Vaters begann D. 1668 seine berufliche Laufbahn. Schon 1670 verfasste er ein hebräisches Handbuch für das praktische Bibellesen, das weite Verbreitung fand. Ende 1672 bis Herbst 1684 war D. Landdiakon für Straßberg und Oberlosa. In diese Zeit fällt das Auftragswerk „Der ärgste Seelen-Gifft ...“, eine Streitschrift gegen den Jesuitenpater Aloysius Richardus. Am 5.1.1685 wurde D. als Superintendent in Weida eingesetzt und schaffte es, in kurzer Zeit für Vertrauen, Ruhe und Ordnung in seinem Dienstbereich zu sorgen. – D. beschäftigte sich schon in der Schulzeit mit Mathematik und Astronomie. Später studierte er u.a. die Werke von Johannes Kepler, Johannes Hevel, Jeremias Horrox sowie Kartenwerke und aktuelle Kometenschriften. Die Beobachtungsstation unter dem Dach seines Hauses stattete D. mit einfachen, teils selbstgebauten Instrumenten aus. Eine erste Flugschrift, die er über den Kometen von 1672 herausgab, weist ihn als Sachkenner und erfahrenen Beobachter aus. Im August 1681 verfasste D. die 40-seitige Abhandlung „Astronomische Betrachtung des Großen Cometen ...“, in welcher er eine Lösung des Problems der Kometenbahnen zur Diskussion stellte. Er setzte voraus, dass nur ein Komet in zwei Bahnteilen gesehen wurde: zur Sonne hin am Morgen, von der Sonne fort am Abend. Zunächst bestimmte D. die jeweilige Position des Kometenkopfs und übernahm weitere Werte aus anderen Schriften für die Zeit vom 4.11.1680 bis 31.1.1681. Daraus errechnete er für jede Position den wahren Ort, den Abstand von Sonne und Erde und konstruierte nach Keplers Vorbild eine durchgehende Bewegungslinie um die Sonne herum in senkrechter Projektion auf die Erdbahnebene. Die so entdeckte Kometenbahn ist eine Parabel, in deren Brennpunkt das Zentrum der Sonne steht. Hevel vermutete eine verborgene Gleichartung der Planeten und Kometen, die D. nun mit dem gemeinsamen Brennpunkt begründete und somit die Schweifsterne dem Sonnensystem nach Kepler zuordnete, welches Isaac Newton später mathematisch beweisen konnte. – Weitere beachtliche Leistungen D.s. waren Mondbeobachtungen, Sternbedeckungen, Mitentdeckung des Kometen „P/Halley“ 1682 nur acht Tage nach John Flamsteed und die Höhenbestimmung der Feuerkugel vom 12.8.1683 nach den Angaben der Beobachter aus Leipzig und Frankfurt/Oder. Die Anerkennung dieser Forschungen erfolgte jedoch erst im späten 18. Jahrhundert. – D. zu Ehren benannte die Internationale Astronomische Union 1979 einen Krater auf der Rückseite des Monds (69,1° S, 107,9° W) nach ihm. Zudem schuf der Bildhauer Rolf Magerkord 1988 eine Gedenkstätte für D. auf dem Bärenstein in Plauen und 1989 erhielt der Kleine Planet 4076 seinen Namen.



Q  Universität Leipzig, Universitätsbibliothek, Handschriftenzentrum, Ms.0333-m, Briefe an Gottfried Kirch; Universität Basel, Universitätsbibliothek, Handschriften, L Ia 688, Briefe an Gottfried Kirch, 1682-1685.

W  Tirocinium Accentuationis, Ad Lectionem Biblicam practice accommodatum, Plauen 1670; Neuer Comet-Stern ..., Plauen 1680; Astronomische Betrachtung des Grossen Cometen ..., Plauen 1681 (Übersetzung ins Lateinische durch J. Xylander, St. Petersburg 1747); Der ärgste Seelen-Gifft Des Trostlosen Pabstthums ..., Jena 1682; Methodus Nova, Phaenomenorum Coelestium intervalla a terris facillime determinandi, in: Acta Eruditorum Mensis Decembris 1685, S. 571-580; Der geistliche Christ-Adler ..., Eisenberg 1687.

L  J. Kepler, Harmonices Mundi, Linz 1519; J. Hevel, Cometographia ..., Danzig 1668; G. H. Götze, Diptycha exulum oder Exulanten-Register, Altenburg 1714, S. 75-77; A. G. Kästner, Nachrichten von Georg Samuel D.n, in: Sammlung einiger Ausgesuchter Stücke der Gesellschaft der freyen Künste zu Leipzig, 3. Teil, Leipzig 1756, S. 252-263 (W); J. J. Le Français de LaLande, Tables Astronomiques, Calculées Sur Les Observations Les Plus Nouvelles, Paris 1792, S. 220-222; F. X. v. Zach, Correspondance astronomique géographique, hydrographique et statistique, Bd. 7, Genua 1822, S. 136-138, Bd. 8, Genua 1823, S. 397-399; C. Reinhardt, Magister Georg Samuel D. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie im 17. Jahrhundert, in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i.V. 2/1882, S. 1-77 (W, P); A. Armitage, Master Georg D. and the Rise of Cometary Astronomy, in: Annals of Science 7/1951, S. 303-315 (W); E. Pfitzner, Die astronomischen Beobachtungen des Geistlichen Georg Samuel D., Weißbach 1998 (W, P). – ADB 5, S. 346; DBA I, II, III; DBE 2, S. 576; NDB 4, S. 30f.; K. G. Dietmann, Die gesamte der ungeänderten Augsp. Confeßion zugethane Priesterschaft in dem Churfürstenthum Sachsen und denen einverleibten Landen, Teil 1, Bd. 3, Dresden/Leipzig 1755, S. 1238; La Grande Encyclopédie, Bd. 14, Paris [1885-1902], S. 802; J. Engelmann, Georg Samuel D. Mondkrater trägt seinen Namen, in: E. Bräunlich (Hg.), Hundert sächsische Köpfe, Chemnitz 22004, S. 52f. (P).

P  Georg Samuel D., 1688, Ölgemälde, Stadtkirche Weida (Bildquelle).



Elvira Pfitzner
21.3.2005


Empfohlene Zitierweise:

Elvira Pfitzner, Dörffel (Dörfel, Doerfel), Georg Samuel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

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