Münster (zu Herrnmotschelnitz und Tzschacksdorf) Georg Ludwig Graf zu
Leutnant, Landstallmeister
* 16.6.1827 Schandau 26.2.1890 Moritzburg bei Dresden Linz bei Großenhain, Familienfriedhof(ev.)
VHerrmann (1779-1838), königlich sächsischer Kammerherr und KreisoberforstmeisterMMarianne, geb. von Metzsch (1797-1869)GAsta (1821-1822); Hermann (1822-1848); Ernst (1823-1860); Otto (1825-1893), MdR, königlich sächsischer Wirklicher Geheimer Rat, Hausmarschall des Königs von Sachsen, Kreishauptmann zu Leipzig; August (1829-1905), herzoglich anhaltinischer Kammerherr und Oberjägermeister, Rechtsritter des Johanniterordens1853 Mathilde Philippine Julie Charlotte Franziska, geb. Freiin von Palm (1828-1916)SGeorg (1854-1925), königlich serbischer Gestütsdirektor, Jagdschriftsteller, bekannt als „Hirschrufmünster“, der Hirschrufe vertonte; Otto (1855-1914), großherzoglich sächsischer Kammerherr und Oberstallmeister; Ernst (1857-1938), Freiherr von Oër, Fideikommissherr zu Linz mit Ponickau, königlich sächsischer Kammerherr und Landstallmeister, Rittmeister; Karl (1860-1938), königlich sächsischer Landstallmeister, Rittmeister; Hermann (1865-1928), Familienforscher; Johann-Georg (Hans) (1866-1929), Jagdschriftsteller; Hugo (1869-1870)TAnna (1859-1860); Maria (Mia) (1864-1945), Leiterin des Lazaretts in Moritzburg; Mathilda (Hilda) (1871-1954)
GND: 137899904






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M. galt als bester Kenner und Sachverständiger für Pferdezucht seiner Zeit und wurde daher 1877 zum königlich sächsischen Landstallmeister in Moritzburg berufen. Mit seiner durchgreifenden Reorganisation der Landbeschälung wies er für die nächsten Jahrzehnte auch über Sachsen hinaus theoretisch und praktisch den Weg zu einer effektiven Landpferdezucht. – Zunächst schlug M. die militärische Laufbahn ein. Nach der Entlassung aus dem Kadettencorps Dresden am 31.12.1846 wurde er am 1.1.1847 Portepeejunker im 1. leichten Reiter-Regiment Prinz Ernst und am 12.12.1847 Leutnant. Im Revolutionsjahr 1849 bezog M. mit seinem Zug Posten auf der zum Dresdner Schloss führenden Augustusbrücke. Ab 1853 war er Assistent der Militär-Reitanstalt, erhielt das Ritterkreuz 1. Klasse des königlich sächsischen Verdienstordens und wurde 1854 zur Kriegsreserve versetzt. Am 2.1.1856 nahm er seinen Abschied aus der Armee. – 1860 kaufte M. das Rittergut Herrnmotschelnitz (poln. Moczydlnica Dworska) bei Wohlau (poln. Wolów) in Schlesien und 1872 das Rittergut Tzschacksdorf (poln. Strzeszowice) bei Triebel (poln. Trzebiel) in der Niederlausitz. M. baute Herrnmotschelnitz zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb aus. Einen Namen machte er sich in und außerhalb Deutschlands als Erfinder und Konstrukteur landwirtschaftlicher Maschinen. Ihm wurden Patente erteilt. Bekannt ist v.a. die Münstersche Kartoffelrodemaschine mit dem ersten quer zur Fahrtrichtung rotierenden Sternrad, das die Häufelung der Kartoffelzeile nach sich zog und dadurch die bislang gebräuchliche Hacke ersetzte. Das System als solches ist bis heute erhalten geblieben. Weitere Erfindungen M.s sind die Kartoffellegemaschine und der Grubber mit elf Scharen zur Lockerung der Ackerkrume. Patentiert wurden auch die Lupinen-Dreschmaschine in Verbindung mit einem Heuwender, eine verbesserte Wagenbremse, die Münstersche Universalkandare und der erste Hinterlader für die Jagd. – M. erwarb außerdem hervorragende praktische und theoretische Kenntnisse in der auf seinem Besitz betriebenen Araberzucht, was ihm am 1.8.1877 die Ernennung zum königlich sächsischen Landstallmeister in Moritzburg als Nachfolger von Oberst Ernst von Mangoldt einbrachte. Im selben Jahr verkaufte M. die schlesischen Güter. – M. deckte v.a. die Defizite der damaligen sächsischen Pferdezucht auf. Durch Kreuzung ausgesuchter sächsischer Stuten mit Oldenburger Hengsten entstand ein leistungsfähiges Warmblutpferd, das sowohl den Erfordernissen der Landwirtschaft als auch des Heeres entsprach. Das unter seinem Vorsitz von der Pferdezuchtkommission des Landeskulturrats formulierte Zuchtziel orientierte auf ein stärkeres Pferd, das sowohl für die Pflugarbeit als auch als Reit- und Kutschpferd dienen sollte. Er richtete eine Beschälstation ein, die mit den umliegenden Orten über die Verwaltungsgrenzen hinaus ein Zuchtgebiet bildete, in der jährlich Stuten- und Fohlenmusterungen durchgeführt wurden. Hervorzuheben ist auch das von M. eingeführte Zuchtregister. – Darüber hinaus kümmerte sich M. intensiv um die Verbesserung der Fohlenaufzucht. Angesichts der Tatsache, dass die Bauern meist ungesunde licht- und luftlose Ställe und keinerlei Weidemöglichkeiten hatten, war es unmöglich, die Fohlen gesund und widerstandsfähig aufzuziehen. Deshalb gründete und leitete M. ab 9.9.1882 bis zu seinem Ableben den „Fohlenaufzuchtverein für das Königreich Sachsen“. Er war zudem außerordentliches Mitglied der Landeskommission für das Veterinärwesen und des Landeskulturrates im Königreich Sachsen. – M. starb 1890 an den schweren Verletzungen, die er sich auf einer Dienstreise am 18.2.1890 zugezogen hatte, als die Pferde bei Perleberg infolge einer herannahenden Eisenbahn gescheut hatten und durchgegangen waren. Nach M.s Tod erwarb seine Ehefrau Gräfin Mathilde 1896 den sog. Rüdenhof in Moritzburg. Ihre Tochter Maria nahm hier im Juli 1944 die Künstlerin Käthe Kollwitz auf, die am 22.4.1945 in diesem Haus starb.



Q  Privatarchiv Familie v. Kopp-Colomb, Archiv der Grafen zu Münster.

W  Über die Zukunft der Reitkunst, in: Militär-Wochenblatt 24/1872; Die Zäumung des Pferdes mit ihren jetzigen Mängeln und die Universal-Kandare, Breslau 1874; Grundprincipien für Prämiirung bei Fohlen- u. Pferdeschauen, Dresden [o.J.]; Instruction für den Fohlenwärter des Sächsischen Fohlenaufzucht-Vereins, [o.O. o.J.]; Anleitung zur rationellen Pferdezucht für die Landwirthe des Königreichs Sachsen, Dresden 1878, ²1879; Das Oldenburger Pferd als geeignete Grundlage der sächs[ischen] Landespferdezucht, in: Sächsische Landwirtschaftliche Zeitung 45/1881, S. 609-612; Das Vollblutpferd als Regenerator, Berlin 1882; Die Zäumung des Pferdes und die Kandaren-Einsatz-Garnitur, Dresden 1883; Motive zur Führung der Zuchtregister im Königreiche Sachsen, 1884; Die Conservierung des Pferdematerials durch mechanische Vorbereitung der Remonten auf dem Zirkel, 1885; Das modifizierte Charliereisen, wie solches im Königlichen Landgestüt Moritzburg angewendet wird, in: Der Hufschmied 3/1885, Nr. 3, S. 33-39; Betrachtung über das Oldenburger Pferd, seine Freunde und Gegner, Oldenburg 1889.

L  Norddeutsche Landwirtschaftliche Zeitung und Landwirtschaftliches Intelligenzblatt 2.4.1870; Nachruf in: Der Hufschmied 8/1890, Nr. 4, S. 49; Denkschrift des Fohlenaufzucht-Vereins für das Königreich Sachsen anläßlich seines 25jährigen Bestehens 1882-1907, Dresden 1907; M. Barthold/F. Verlohren (Hg.), Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, bearb. von H. A. Verlohren, Leipzig 1910, S. 374; K. Herrmann, Nicht mehr die dümmsten Bauern haben die besten Knollen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.9.1994, S. 2; S. Kölbel/C. Hoffmann-Gehr, Schwer in Form, in: Cavallo. Das Magazin für den aktiven Reiter, Oktober 1998, S. 98; R. Kubatzki/M. Görbert, Landgestüt Moritzburg 1828-2008, Moritzburg 2008, S. 68-79. – Meyers Lexikon, Bd. 8, 71928, Sp. 863.

P  P Pastellbild, um 1880, sowie Fotos im Familienbesitz von Kopp-Colomb (Bildquelle).



Agnes von Kopp-Colomb
22.5.2013


Empfohlene Zitierweise:

Agnes von Kopp-Colomb, Münster (zu Herrnmotschelnitz und Tzschacksdorf), Georg Ludwig Graf zu, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

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