Friedrich XX. Herr von Schönburg
* um 1420 10.10.1480 Kloster Geringswalde
VFriedrich XVII. († 1426), Herr von SchönburgMSophie, geb. Burggräfin von LeisnigGVeit II. (um 1418-1472); Dietrich († um 1445)Elisabeth, geb. von Guttenstein († 1507)SErnst I. (um 1458-1489)
GND: 139666621

F. besaß die Herrschaften Glauchau, Waldenburg, Lichtenstein und Hartenstein, die er zunächst zusammen mit seinen Brüdern Veit II. und Dietrich regierte. Nach dem Tod Dietrichs nahmen die Brüder Veit und F. am 6.2.1446 eine Besitzteilung vor, in deren Ergebnis Veit Lichtenstein und F. Waldenburg erhielt. Glauchau und Hartenstein blieben unter gemeinsamer Verwaltung. Als 1472 auch Veit kinderlos starb, gingen sämtliche Herrschaften in den Alleinbesitz F.s über. – Im „sächsischen Bruderkrieg“ erwies sich F. als eifriger Parteigänger Kurfürst Friedrichs II. gegen Landgraf Wilhelm. Zur Überraschung des Kurfürsten unterbrach F. jedoch 1449 sein Engagement für Friedrich II. und kämpfte zusammen mit Kunz von Kauffungen für die Reichsstadt Nürnberg gegen den brandenburgischen Markgrafen Albrecht Achilles. Um die böhmischen Besitzungen der Schönburger gegen die Hussiten zu schützen, trat F. 1450 dem Strakonitzer Herrenbund bei. Beim Kampf um die Burg Pürstein geriet F. in Gefangenschaft, aus der er 1451 gegen Ausstellung eines Urfehdebriefes entlassen wurde. F. gab daraufhin die böhmischen Unternehmungen weitgehend auf und konzentrierte sich auf seine muldenländischen Besitzungen. – Zum Nachteil gereichte F. der Preßburger Machtspruch vom 4.5.1439, aus dem Kurfürst Friedrich II. die sächsische Lehnshoheit über Hartenstein folgerte. Tatsächlich wurden F. und sein Bruder Veit in zwei kaiserlichen Verfügungen 1456 und 1457 angewiesen, sich die vordem reichsunmittelbare Grafschaft nunmehr von Kursachsen zu Lehen reichen zu lassen. Diese neue Konstellation ließ es F. geraten erscheinen, sich nun wiederum enger an Böhmen anzulehnen, um Rückhalt gegen Kursachsen zu gewinnen. Mit böhmischer Hilfe gelang es ihm, das Ansinnen der Wettiner, die Schönburgischen Herrschaften mit Steuern zu belegen, zurückzuweisen. – Deutlicher als sein Bruder Veit erkannte F. die wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit der Schönburgischen Herrschaften. Insbesondere das Städtewesen erfuhr durch ihn eine weitreichende Förderung. F. gab den Städten Lößnitz (1464) und Glauchau Statuten und begründete dort mehrere Innungen. Waldenburg, dessen Wiederaufbau F. nach einem Brand umsichtig organisiert hatte, erhielt 1473 Stadtrecht. Auch fallen die ersten erfolgreichen Bergbauversuche in F.s Regierungszeit. Auf religiösem Gebiet verfolgte F. unnachgiebig die Bekämpfung der hussitischen Lehren. – In der volkstümlichen Überlieferung des Prinzenraubs nimmt F. bis heute einen hervorragenden Platz ein. Von der älteren Forschung oft bestritten, jedoch quellenmäßig eindeutig belegt, erwirkte er am 11.7.1455 die Freilassung des Prinzen Ernst und übergab diesen in Chemnitz dessen kurfürstlichen Eltern.



Q  T. Schön, Geschichte des Fürstlichen und Gräflichen Gesamthauses Schönburg. Urkundenbuch, Bd. II und III, Stuttgart/Waldenburg 1901.

L  E. Eckardt, Chronik von Glauchau, Glauchau 1882, S. 74-77; T. Schön, F. von Schönburgs Anteil an der Befreiung der geraubten Prinzen Abrecht und Ernst von Sachsen, in: Schönburgische Geschichtsblätter 2/1895/96, S. 60; E. Berlet, Geschichte der Stadt Glauchau, 1. Teil, Glauchau 1931, S. 190-199; C. Müller, Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 252-260; 277-283.



Michael Wetzel
20.12.2004


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Friedrich XX., Herr von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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