Bouché Johann Carl Friedrich
Gartenkünstler, Obergartendirektor
* 6.7.1850 Schöneberg bei Berlin 11.3.1933 Dresden Dresden, Trinitatisfriedhof(ev.)
VCarl David (1809-1881), Garteninspektor im Botanischen Garten SchönebergMFriederike Dorothea, geb. BusseGKarl Friedrich Julius (1846-1922), Inspektor des Botanischen Gartens Poppelsdorf, Handelsgärtner in Bonn; Elisabeth (1848-1855); Valerie (1852-1896) 1.1879 Margareta, geb. Wendler (1852-1884)SFriedrich (1880-1953)TMargareta (1882-1953) 2.1895 Rosalie, geb. Seidel (1867-1945)TJohanna (1896-1957)
GND: 123420520

B. entstammte einer bekannten Berliner Gärtnerfamilie mit hugenottischen Wurzeln. Er besuchte das König-Wilhelm-Gymnasium in Berlin, das er 1866 mit dem Einjährig-Freiwilligen-Zeugnis verließ. Anschließend absolvierte er eine Gärtnerlehre bei seinem Vater im Königlichen Botanischen Garten in Berlin-Schöneberg und ließ sich 1868 bis 1870 an der Gärtnerlehranstalt in Potsdam-Wildpark zum Gartenkünstler ausbilden. Während des praktischen Teils seiner Ausbildung an der Lehranstalt arbeitete er im Potsdamer Marlygarten unter dem dortigen Hofgärtner und späteren Berliner Stadtgartendirektor Gustav Meyer. Dieser beschäftigte B. 1870 bis 1872 in seinem privaten Entwurfsbüro mit der Planung und Ausführung von Privatgärten und empfahl ihn schließlich für die neu geschaffene Stelle eines Gartendirektors im Dresdner Großen Garten. B. trat den Dienst hier nach erfolgreicher Obergärtnerprüfung an der Potsdamer Gärtnerlehranstalt und einjährigem Militärdienst im April 1873 an. Er zeichnete nicht nur für die Erweiterung des Großen Gartens um die Strehlener und Grunaer Anlagen mit Carolasee und Neuteich sowie für die Anbindung an die Bürgerwiese verantwortlich, sondern auch für eine Überarbeitung der bestehenden, aus der Barockzeit hervorgegangenen Kernpartien im gemischten Stil der Lenné-Meyerschen Schule. Zu seinen Verdiensten im Großen Garten gehören ferner die Errichtung eines Wasserwerks 1892 und der Bau einer großen Gewächshausanlage 1913, die allerdings beide 1945 zerstört wurden. – Aufgrund seiner gartenkünstlerischen Fähigkeiten und seiner organisatorischen Leistungen beim Aufbau der Gartenverwaltung im Großen Garten wurde B. nach dem Tod des sächsischen Hofgartendirektors Gustav Friedrich Krause 1895 im Nebenamt mit der Aufsicht über die königlich sächsischen Hofgärten (Herzogin-, Menagerie- und Palaisgarten in Dresden sowie die Schlossgärten Pillnitz, Moritzburg und Großsedlitz) und die sonstigen staatlichen Dresdner Gartenanlagen (Zwinger, Brühlsche Terrasse, Hochuferpromenade am Finanzministerium u.a.) betraut. Im Zuge dessen erhielt er den Ehrentitel Obergartendirektor sowie den Hofrang IV. Ordnung verliehen. Die zunächst nur in der Personalunion B.s bestehende Zusammenfassung staatlicher Gärten wurde nach 1918 schrittweise in der Staatlichen Sächsischen Gartenverwaltung institutionalisiert. B. blieb bis zu seiner Pensionierung im Juni 1922 als deren Direktor tätig. Seine Nachfolge im Amt übernahm - gegen B.s Wunsch - der bisherige Pillnitzer Garteninspektor Heinrich Christoph Kleine. – Als erster Mann seines Fachs im sächsischen Staatsdienst wurde B. während seiner Amtszeit auch zur Begutachtung weiterer Staatsliegenschaften herangezogen, so z.B. für die Außenanlagen an der Meißner Albrechtsburg, den Klosterpark Altzella, die Kuranlagen in Bad Elster sowie Teilbereiche des Dresdner Zoos. Darüber hinaus übernahm er einige kleinere Entwürfe für gemeinnützige und private Auftraggeber. – Von Krause übernahm B. 1895 außerdem den Vorsitz der Dresdner Gartenbaugesellschaft „Flora“. Ab 1922 war er deren Ehrenvorsitzender. Sein berufsständisches Engagement erstreckte sich auf die Verbesserung von Ausstellungswesen und gärtnerischer Ausbildung. So unterstützte er die drei Internationalen Gartenbauausstellungen der Flora 1887, 1896 und 1907 im Großen Garten organisatorisch und wirkte ab 1892 als Mitglied der Schulkommission der Gartenbauschule der Flora in Laubegast. Aus seinem Gehilfen- und Lehrlingskreis gingen u.a. der spätere Chemnitzer Stadtgartendirektor Otto Werner, der Badgärtner in Bad Elster Paul Schindel und der Dresdner Gartenarchitekt Wilhelm Röhnick hervor. – 1887 gründete B. gemeinsam mit seinen ehemaligen Potsdamer Kommilitonen Max Bertram und Carl Hampel den Verein Deutscher Gartenkünstler, um die gartenkünstlerischen Ideen seines Mentors Meyer zu verbreiten. 1899 wurde B. zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Nach 1918 setzte sich die aus dem Verein hervorgegangene Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst insbesondere für den Erhalt der ehemaligen deutschen Fürstengärten ein und unterstützte auch B. in seiner Tätigkeit. B. engagierte sich darüber hinaus als ausgezeichneter Pflanzenkenner im Sortenprüfungsausschuss der Flora und im Kuratorium der pflanzenphysiologischen Versuchsstation zu Tharandt. Bereits frühzeitig setzte er sich für den Vogelschutz im Großen Garten ein und trat noch im Gründungsjahr des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 1908 dessen Naturschutz-Sektion bei. Trotz körperlicher Gebrechen war er bis zu seinem Tod 1933 für den Landesverein aktiv. Er kämpfte für die Bewahrung alter Bäume sowie die Erhaltung und fachgerechte Pflege historischer Gärten. So gelang es ihm z.B., 1919 den geplanten Bau einer Straßenbahntrasse durch den Pillnitzer Schlossgarten und 1926 die dauerhafte Überbauung des Großen Gartens zu Ausstellungszwecken zu verhindern. In wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch überaus schwierigen Zeiten ebnete er damit seinem späteren Amtsnachfolger Hermann Schüttauf den Weg. – B.s gartenkünstlerisches Hauptwerk ist der Dresdner Große Garten, der bis heute seine Handschrift in weiten Teilen bewahrt hat. Darüber hinaus prägte B. das Erscheinungsbild vieler weiterer sächsischer Gärten. Sein vielseitiges Engagement für Gartenkunst und Gartenbau in Sachsen trug ihm bereits zu Lebzeiten den Respekt und die Anerkennung von Fachkollegen und Laien gleichermaßen ein. Noch heute darf man ihn als einen der bedeutendsten sächsischen Gartenfachmänner der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als Pionier des Heimatschutzes und als Wegbereiter der Gartendenkmalpflege in Sachsen bezeichnen.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10923 Staatliche Gartenverwaltung, Großer Garten Dresden, 10851 Ministerium der Finanzen, 11401 Ministerium für Volksbildung, 10711 Ministerium des königlichen Hauses, 10010 Hausmarschallamt.

W  Gartenanlagen: Großer Garten Dresden, 1873-1922; Außenanlagen Carolahaus Dresden, 1880; Polenzpark Cunewalde, 1880; Kurpark Bad Elster, 1883; Park Bischheim, 1885; Außenanlagen Maria-Anna-Kinderhospital Trachenberge, 1897; Schlossgarten Pillnitz, Erweiterung des Englischen Teiches, 1905, Erneuerung der Charmillen, 1910/11; Neue Hofgärtnerei Pillnitz, 1913-1915; Schriften: Der Schloßgarten zu Pillnitz a.E., in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 8/1919, S. 252-261; Dresden als Gartenstadt, in: Dresden. Das Buch der Stadt, hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Dresden 1924, S. 25-28; Die staatlichen Gärten in Dresden und seiner Umgebung, in: W. Dänhardt (Hg.), Festschrift aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Flora, Dresden 1926, S. 189-203; Der Park an der Königsvilla in Dresden, in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 17/1928, S. 250-260; Schwere Gefahren für unsere Naturdenkmäler durch Neuzeitlichen Fortschritt und wirtschaftliche Not, in: ebd. 20/1931, S. 237f.

L  H. Schüttauf, Friedrich B., in: Die Gartenkunst 46/1933, H. 6, S. 95f.; K. Jentsch, Obergartendirektor Johann Carl Friedrich B., in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 1993, H. 3, S. 7-10; S. Jäger, Friedrich B.s Wirken in Sachsen, in: Der Große Garten zu Dresden, hrsg. von der Sächsischen Schlösserverwaltung, Dresden 2001, S. 115-125; C. A. Wimmer, Friedrich B.s Herkunft und Prägung, in: ebd., S. 104-110 (P); R. Puppe, Friedrich B., in: Jahrbuch der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen 15/2008, S. 93-96; S. Krihning, Der Große Garten zu Dresden 1873-1945, Dresden 2013.

P  Friedrich B., Klinkhardt & Eyssen, um 1915, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Stefanie Krihning
3.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Stefanie Krihning, Bouché, Johann Carl Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (1.5.2017)

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