Barthel Friedrich Hartwig
Heimatforscher, Volkskundler, Mundartforscher, Mundartdichter
* 30.8.1903 Falkenstein/Vogtland 14.7.1989 Waren/Müritz Falkenstein/Vogtland(ev.)
VDachdeckermeister
GND: 136376576





Der in einer kinderreichen Familie geborene B. erhielt seinen ersten Unterricht an der von Trützschler’schen Stiftungsschule in Falkenstein/Vogtland. Danach besuchte er 1917 bis 1924 das Lehrerseminar in Auerbach/Vogtland und war anschließend bis 1927 Aushilfslehrer in Rebesgrün sowie nichtständiger Lehrer in Poppengrün. Nach der Wahlfähigkeitsprüfung studierte B. 1927 bis 1932 an der Leipziger Universität Germanistik, Geschichte, Französisch und Pädagogik. 1932 promovierte er bei Theodor Frings und Fritz Karg zum Thema „Der vogtländisch-westerzgebirgische Sprachraum. Kulturgeographische Untersuchungen zum Grenzproblem“. Im Jahr darauf trat er in Niederwürschnitz erneut in den Volksschuldienst ein und war ab 1934 Schulleiter in Poppengrün. 1939 wurde er an die Deutsche Oberschule für Jungen in Auerbach/Vogtland versetzt, wo seine Lehrtätigkeit durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. In französischer Kriegsgefangenschaft begann er, Mundartdichtung zu schreiben. Nach dem Krieg war B. zunächst als Dachdecker und Berufsschullehrer, später als Museumsleiter und Stadtarchivar in Falkenstein/Vogtland tätig. 1953 nahm er an der Oberschule Rodewisch den Schuldienst wieder auf und wechselte 1955 an die Oberschule Auerbach/Vogtland, wo er bis zu seinem Renteneintritt 1968 unterrichtete. – Nach der Gründung des „Folklorezentrums Erzgebirge/Vogtland“ 1978 in Schneeberg und der Bildung eines ehrenamtlich tätigen wissenschaftlichen Beirats zur erzgebirgischen und vogtländischen Folklorepflege arbeitete B. aktiv in diesen Gremien mit. Er war Redaktionsmitglied des „Kulturspiegels Auerbach“, gehörte zu den Lektoren des Kalenders „Sächsische Gebirgsheimat“ und veröffentlichte mehr als 300 Artikel zur Heimatgeschichte, Volkskunde und Sprachgeschichte (Mundartforschung) in lokalen und regionalen Zeitschriften, vornehmlich in den Sächsischen Heimatblättern, den Vogtländischen Heimatblättern und im Glückauf Schneeberg. In seinen volkskundlichen Beiträgen beschäftigte er sich mit Festen und Bräuchen, bildnerischem Volksschaffen (Volkskunst), Sagen, Liedern und Tänzen, aber auch mit Siedlung, Haus und Wohnen, Handwerk, Bergbau, Nahrungswesen, Volkstracht, Namenkunde etc. 1961 skizzierte er in einem Beitrag die „Grundzüge einer Volkskunde des Vogtlandes“. B. entwickelte eine rege Vortragstätigkeit und trug mit Gedichten und Erzählungen zur Mundartpflege im Vogtland bei. Für seine Verdienste erhielt er 1962 die Johannes-R.-Becher-Medaille in Silber sowie 1968 die Ehrennadel „Für heimatkundliche Leistungen“ in Gold und den Kulturpreis des Bezirks Karl-Marx-Stadt.



Q  Universität Leipzig, Universitätsarchiv, Promotionsakte 10326, Rep. I/XVI/VII C 92.

W  Der vogtländisch-westerzgebirgische Sprachraum. Kulturgeographische Untersuchungen zum Grenzproblem, Diss. Leipzig 1932, Halle 1933; mit M. Blechschmidt (Hg.), Stimmen der Heimat. Dichtungen in erzgebirgischer und vogtländischer Mundart von den Anfängen bis zur Gegenwart, Leipzig 1960, ²1965; Auersberggebiet, Leipzig 1962; mit K. Morgner/O. Petzoldt, Auerbach, Falkenstein, Rodewisch, Treuen, Leipzig 1964; Erdepfelblumme. Geschichten, Lieder und Gedichte in der Mundart des östlichen Vogtlandes, Leipzig [1966], ²1967; (Hg.), Alleweil höhauf. Ein heiteres Vortragsbuch in vogtländischer Mundart, Leipzig 1967, ²1971; (Hg.), Wie iech miech af Weihnachten fraa. Ein vogtländisches Weihnachtsbuch, Leipzig 1970, ²1972; Bunte Fischle. Geschichten in der Mundart des östlichen Vogtlandes, Leipzig 1972; Vogtländische Wörter und Wendungen, 1. Teil, Plauen 1978, ²1979, 2. Teil, Plauen 1983 (P); (Hg.), Dort wue dorchs Land de Elster fließt. Eine Anthologie der Mundartdichtung im sächsischen Vogtland, Leipzig 1980; Die vogtländische Moosmannfigur in Volkskunst und Volksdichtung, Schneeberg 1987.

L  M. Bachmann, Zum 60. Geburtstag von Dr. Friedrich B., in: Sächsische Heimatblätter 9/1963, S. 383 (P); ders. u.a., Heimatforschung als schöpferische Altersleistung, in: ebd. 19/1973, S. 239f.; H. Fröhlich, Dr. Friedrich B. zum 80!, in: Vogtländische Heimatblätter 3/1983, H. 4, S. 25f.; ders., Dr. Friedrich B. 80 Jahre, in: Sächsische Heimatblätter 29/1983, S. 285; G. Altmann, Zum Gedenken an den Vogtländer Dr. phil. Friedrich B., in: ebd. 35/1989, S. 284f.; H. Fröhlich, Dr. Friedrich B. (1903-1989) zum Gedenken, in: Vogtländische Heimatblätter 10/1990, H. 1, S. 16f.; W. Barthel, Meinem Vater, Dr. phil. Friedrich B., zum Gedenken, in: Vogtländisches Jahrbuch 11/1994, S. 40-42; R. Glaß, Der Vogtlanddoktor ist uns unvergessen (1903-1989), in: Vogtländische Heimatblätter 16/1996, H. 5, S. 11f.; H. Fröhlich, Dr. Friedrich B.s Beiträge zur Volkskunde im Vogtland, in: ebd. 23/2003, H. 3, S. 14-16 (P). – DBA III.



Brigitte Emmrich †
7.9.2011


Empfohlene Zitierweise:

Brigitte Emmrich †, Barthel, Friedrich Hartwig, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.11.2017)

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