Friedrich Alfred Fürst von Schönburg
Diplomat
* 24.4.1786 Waldenburg 13.1.1840 Wien Schloss Lichtenstein, Familiengruft(ev.)
VOtto Carl Friedrich (1758-1800), Fürst von SchönburgMHenriette Eleonore Elisabeth, geb. von Reuß-Köstritz (1755-1829)GCarolina Alexandra Henriette Jeanette (Jenny) (1780-1809); Otto Alexander (1781-1782); Victoria Albertine (1782-1840); Juliane Ernestine (1783-1838); Otto Victor I. (1785-1859), Mitglied der I. Kammer des Sächsischen Landtags; Heinrich Eduard (1787-1872), Diplomat; Marie Clementine (1789-1863); Otto Hermann (1791-1846)
GND: 139665625





F. studierte seit dem Frühjahr 1804 in Leipzig und Göttingen und unternahm im darauffolgenden Jahr zusammen mit seinem Bruder Otto Victor I. eine ausgedehnte Reise durch Süddeutschland und die Schweiz. Vom Krieg Napoleons gegen die deutschen Staaten überrascht, stieß F. zu den preußischen Truppen, mit denen er am 14.10.1806 vor Jena gegen die Franzosen kämpfte. – Im Streit um das väterliche Erbe erhob F. gemeinsam mit seinen Brüdern Heinrich Eduard und Otto Hermann Ansprüche auf die schönburgischen Stammbesitzungen, die einer Primogeniturordnung vom 8.4.1786 zufolge allein auf den erstgeborenen Otto Victor übergehen sollten. Ein 1811 angestrengter Primogenitur- und Allodialprozess endete am 21.1.1813 mit einem Vergleich, in dem Otto Victor die Herrschaften Hartenstein und Stein freigab, während er Waldenburg, Lichtenstein und Remse behielt. Heinrich Eduard und Otto Hermann verkauften ihre Anteile an Hartenstein und Stein unverzüglich an F., der damit zum Alleinbesitzer beider Herrschaften wurde. – Die Präsenz F.s in seinem Herrschaftsgebiet beschränkte sich auf wenige sporadische Aufenthalte, da er in der Folgezeit eine diplomatische Laufbahn einschlug, die mit der Ernennung zum kaiserlich-österreichischen Gesandten in Stuttgart gekrönt wurde. Als Diplomat setzte sich F. zusammen mit Otto Victor beim Wiener Kongress 1815 für die Rechte des Hauses Schönburg ein und erlangte eine Garantieerklärung der europäischen Großmächte über die Beibehaltung der durch die Rezesse von 1740 festgeschriebenen Sonderstellung der Schönburgischen Herrschaften im Königreich Sachsen, wenngleich das Haus Schönburg entgegen preußischer und sächsischer Verlautbarungen keinen Sitz im Deutschen Bundesrat erhielt. – Um eine effiziente Verwaltung seiner Herrschaften zu gewährleisten, richtete F. eine Hofkanzlei auf Schloss Hartenstein ein, deren weitgehende Befugnisse und selbstständige Geschäftsführung auf eine nur geringe persönliche Anteilnahme des Fürsten an administrativen Vorgängen schließen lassen. Gleichwohl setzte F. trotz seiner häufigen Abwesenheit deutliche Akzente im Bereich des Bauwesens. Um 1820 ließ er Schloss Hartenstein im anglo-gotischen Stil erneuern. Eng mit dem Namen F.s ist auch der Wiederaufbau der 1806 abgebrannten Lößnitzer St. Johanniskirche verbunden. Die nach Plänen des Architekten Raffaelo Rigl entstandene und 1826 geweihte dreiemporige Stadtkirche zählt zu den größten und bedeutendsten klassizistischen Sakralbauten in Sachsen. Eine besondere Würdigung in der schönburgischen Hausgeschichtsschreibung erfuhren F.s Stiftungen zur Versorgung und Erziehung mittelloser Waisenkinder. In seiner Person kommt exemplarisch das gesteigerte Pflichtgefühl der schönburgischen Adelsfamilie für ein sozial-karitatives Engagement in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche zum Ausdruck.



L  O. E. Schmidt, Fürst Otto Carl Friedrich und die Seinen, Leipzig [1931], S. 138-145 (P); W.-D. Röber, Schönburgische Burgen und Schlösser im Tal der Zwickauer Mulde, Beucha 1999, S.18-21 (P); M. Wetzel, Das schönburgische Amt Hartenstein 1702-1878, Leipzig 2004, S. 142-144 (Bildquelle).

P  Fürst F. v. Schönburg-Hartenstein, M. L. E. Vigée-Lebrun, um 1815/20, Foto eines Gemäldes, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Fotosammlung.



Michael Wetzel
20.12.2004


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Friedrich Alfred, Fürst von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.11.2017)

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