Költzsch Franz Heinrich
MdR, DNVP-Politiker, Pfarrer, Superintendent in Dresden
* 13.9.1861, Plauen 1.6.1927 Dresden(ev.)
VGustav, TuchhändlerMgeb. BräuningG1 SchwesterMartha, geb. Meyer, Tochter des Zwickauer Superintendenten Christian Friedrich MeyerSFritz (1890-1957), Pfarrer; Martin, Diplomat
GND: 126882436





Durch seine langjährige Amtsausübung als Dresdner Superintendent, die Leitung im Evangelischen Bund in Sachsen und als Abgeordneter der DNVP zur Weimarer Nationalversammlung zählte K. zu den kirchenpolitisch einflussreichsten Geistlichen nationalprotestantischer Prägung in Sachsen zu Beginn der Weimarer Republik. Seinem Besuch des Plauener Gymnasiums 1872 bis 1881 schlossen sich das Theologiestudium bis Ostern 1884 an der Universität Leipzig sowie ein Jahr im Predigerkolleg St. Pauli in Leipzig mit gleichzeitiger Lehrertätigkeit am Königlichen Gymnasium an. 1885 bis 1887 war K. als Religionslehrer am Zwickauer Gymnasium tätig, wo er durch die Bekanntschaft mit dem Superintendenten Christian Friedrich Meyer die entscheidende Prägung im Sinne einer deutsch-evangelischen Glaubensakzentuierung erhielt. 1887 kam er als Diakonus an den Freiberger Dom und wurde zwei Jahre später mit einer Arbeit zur melanchthonischen Ethik in Leipzig zum Dr. phil. promoviert. Die Kreuzgemeinde in Dresden berief ihn 1891 als Vierten Diakonus (später Dritten Diakonus) in die Landeshauptstadt. Gekennzeichnet ist diese erste Dresdner Zeit (bis 1902) v.a. durch K.s Bemühen, die Entfremdung der Arbeiter von der Kirche zu stoppen, u.a. durch die Mitarbeit im Dresdner Evangelischen Arbeiterverein, dessen Vorsitzender er 1893 wurde. Sein strategisches Gespür wurde erkennbar, als K. vier Jahre später den Landesverband sächsischer evangelischer Arbeitervereine gründete, dem er bis 1902 vorstand. Der Brand der Kreuzkirche 1897 und die folgenden drei Jahre des Wiederaufbaus gaben der damaligen Gemeindearbeit ihr Gepräge. Die folgende Zeit als Oberpfarrer von St. Jacobi in Chemnitz (1902-1910) wurde zunehmend von K.s Mitarbeit im Evangelischen Bund bestimmt. Er leitete dessen Chemnitzer Zweigverein. Er war außerdem seit 1898 Vorstandsmitglied (mit Unterbrechung 1911-1914) sowie ab 1921 Vorsitzender des Sächsischen Landesvereins. Rhetorisch und homiletisch hochbegabt wurde K. während dieser Zeit ein sachsen- und reichsweit aktiver Redner des Evangelischen Bunds. Nach nur einjähriger Tätigkeit 1910/11 als Pfarrer der Dreikönigsgemeinde in Dresden wurde K. 1911 als Superintendent der Ephorie Dresden I und damit verbunden als Oberpfarrer der Kreuzkirche berufen und hatte dieses Amt bis zu seinem Tod inne. In diese Zeit mit ihren großen gesellschaftlichen Umbrüchen fällt auch K.s größte Wirksamkeit, die geistesgeschichtlich in einer immer ausgeprägteren national-konservativen, deutsch-protestantischen Haltung und organisatorisch in der Wahrnehmung zahlreicher leitender Ämter der Kirche und verschiedener christlicher Vereine zum Ausdruck kam. So war er 1911 Konsistorialrat, 1914 Oberkonsistorialrat, ab 1921 Vorsitzender im Dresdner Gustav-Adolf-Hauptverein, 1915 Synodaler, seit 1923 Vizepräsident der Landessynode, Mitarbeiter im synodalen Verfassungsausschuss sowie dem ständigen Ausschuss der Landesynode und in dieser Eigenschaft Mitglied des elfköpfigen Vorläufigen Kirchenregiments (Juni 1919-1926 existent). Nicht zuletzt durch seine äußerst engagierten Predigten, zahlreiche Predigtbücher und veröffentlichte Vorträge erreichte K. ein großes Publikum. Die unter seinen Vorgängern Gustav Moritz Franz und Franz Dibelius in Gang gesetzte Neuordnung der parochialen Strukturen in Dresden wurde 1915 von K. zu Ende geführt. Erstmals gab er ein Kirchenblatt für die gesamte Ephorie Dresden I heraus („Dresdner Kirchenblatt“, 1912-1920, Auflage ca. 150.000) und begründete das „Kreuzkirchenblatt“ für seine Gemeinde. Unterstützt durch die konservative Weltkriegsrezeption akzentuierte sich bei K., v.a. unter dem Eindruck der Novemberrevolution, ein immer entschiedenerer nationalprotestantischer Standpunkt, der die schwindende Religiosität und Kirchlichkeit des Volks für die deutsche Kriegsniederlage und „Schmach“ verantwortlich machte sowie die Trennung von Kirche und Staat als zerstörerischen Angriff auf die „deutsche Volksseele“ empfand. So entspricht seiner großen Volksnähe und Popularität eine Idealisierung und Mythisierung der Kirche als Garantin religiöser und ethischer Wertevermittlung. Dementsprechend stand K. im Januar 1919 an der Spitze des Dresdner Evangelischen Ausschusses zur Erarbeitung eines allgemeinen Forderungskatalogs der Kirche für die bevorstehende verfassunggebende Nationalversammlung und kandidierte im selben Monat erfolgreich für die DNVP bei den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung, der er bis 1920 angehörte. Der 1919 erzielte Kirchen- und Schulkompromiss der Weimarer Verfassung (an dessen Erarbeitung die DNVP nur mittelbar über die Interessenabstimmung im bürgerlichen Lager beteiligt war) wurde von K. dann insgesamt als positiv bewertet, aber vom Kampf gegen das Sächsische Schulgesetz (das wenige Tage vor der Verfassung verabschiedet wurde) überlagert, wobei K. konsequent für den Erhalt der konfessionellen Schule in Sachsen eintrat. 1922 wurde K. von der Universität Leipzig zum Dr. theol. h.c. promoviert.



W  Marksteine im Kirchenjahr. Predigten für die großen Tage des Jahres, Dresden 1902; Alltag im Kirchenjahr. Predigten an schlichteren Sonn- und Festtagen, Dresden 1903; Gäste im Kirchenjahr. Festpredigten bei besonderen Anlässen, Dresden 1904; Der Philipperbrief, wie er zum ersten Male verlesen und gehört ward, Dresden 1907; (Hg.), Dresdner Kirchenblatt 1/1912-32/1920; Nationalehre, Dresden 1916; (Hg.), Luther noch immer. Die evangelisch-luth. Geistlichen Dresdens im Reformationsjubeljahr 1917, Dresden 1917; Feiertage im Leben. Predigten. Nach seinem Tode herausgegeben und mit einem Lebensbild eingeleitet, Dresden 1927; M. Költzsch (Hg.), Sechs Predigten, Dresden 1932.

L  Handbuch der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung Weimar 1919, hrsg. vom Büro des Reichstags, Berlin 1919, S. 199, 353; Worte am Sarge von D. Dr. Franz K. bei der Trauerfeier in seiner Kreuzkirche zu Dresden, Dresden 1927; Dresdner Anzeiger 1927, S. 4; Amtskalender für die Geistlichen der Sächsischen evang.-luth. Landeskirche 58/1928, S. 117 (P), 124; Franz K., in: Der Sonntag 26/1957, S. 4; Kalender, in: ebd. 31/1967, S. 4; L. Richter, Kirche und Staat in den Beratungen der Weimarer Nationalversammlung, Düsseldorf 1996. – DBA II; H. A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s?, Leipzig 81922, S. 825; M. Schumacher (Hg.), M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus, Düsseldorf ³1994, S. 258.



Thomas Markert
4.8.2010


Empfohlene Zitierweise:

Thomas Markert, Költzsch, Franz Heinrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

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