Richter Etha Irmgard Christine
geb. Richter
Tierbildhauerin, Zeichnerin, Malerin
* 4.2.1883 Dresden 12.3.1977 Dresden Dresden, Urnenhain Friedhof Tolkewitz
VHermann Julius Richter (1850-1936), PianistMJohanne Louise, geb. Hopf (1862-1939)GIrma Ursula Johanna (1886-1946), Fotografin; Hildegard Daniela Emilie († 1961), Krankenschwester; Ilse Irene Sidonie (1889-1958), Hausfrau; Eleonore Hermine Senta (1890-1986), Lehrerin für Stenografie und Maschinenschreiben1927 Hans Richter (1880-1946), Veterinär, Tieranatom
GND: 116510951





Als Frau blieb R. der Besuch der Kunstakademie verwehrt. Großes Talent und intensives Naturstudium machten aus der Autodidaktin auch ohne Akademieabschluss eine Tierbildhauerin von erstaunlichem Format. – Gefördert wurde sie zunächst durch ihre Familie und später durch ihren Ehemann, schließlich durch Georg Treu, der frühzeitig ihr Talent erkannte und sie an Robert Diez vermittelte. Diez leitete seit 1881 das Meisteratelier für Bildhauerei an der Dresdner Kunstakademie, und man darf davon ausgehen, dass sich R. bei ihm die gleichen handwerklichen Grundlagen aneignen konnte wie ihre männlichen Mitschüler. Unterstützt wurde sie zudem von den Professoren Max Lehrs und Hans Wolfgang Singer, die ihr umfassende Studien im Kupferstichkabinett ermöglichten. Lehrs war es auch, der eine erste Zeichnung von R. für das Kupferstichkabinett erwarb. Drei Jahre besuchte sie als einzige weibliche Teilnehmerin die Tierärztliche Hochschule in Dresden. Zeichnen lernte R. also zunächst anatomisch exakt, und auch später fertigte sie anatomische Zeichnungen für ihren Ehemann, die dieser für Vorträge und Vorlesungen benötigte. Als Gasthörerin nahm R. an der Technischen Hochschule Dresden zudem an den Vorlesungen Georg Treus zur Geschichte der Plastik teil. 1904 kaufte der sächsische Staat von ihr die Tierplastik „Sitzender Affe“, 1909 und 1911 zwei weitere Bronzeplastiken - eine Katzengruppe und den „Müden Hund“. Aus diesen Jahren rührt R.s Bekanntschaft mit Ernst Barlach und Käthe Kollwitz, für deren Gedenkstein in Moritzburg sie 1947 das Porträtmedaillon fertigte. 1916 wurde sie in den Sächsischen Künstlerverband aufgenommen, dem bereits vier andere weibliche Kolleginnen angehörten. In den 1920er-Jahren war R. als Lehrerin an der von Edmund Kesting geleiteten Kunstschule „Der Weg“ tätig. Nach ihrer Heirat lebte sie mit ihrem Ehemann bis 1933 in Dorpat (heute Tartu/Estland), wo dieser eine Professur innehatte. 1934 bis 1940 ging sie mit ihm in die Türkei nach Ankara, wo sie an der Landwirtschaftlichen Hochschule Zeichenunterricht erteilte. Beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 wurde ihr erstes Atelier in der Südvorstadt zerstört, wodurch R. ca. 500 Arbeiten - Zeichnungen, Gipse und Bronzen - verlor. Seit 1940 besaß sie jedoch eine weitere Wohnung in Dresden-Striesen, wo sie ihre neues Atelier einrichtete und bis zu ihrem Tod lebte. Hier entstand ein neues Œuvre an Zeichnungen und Gipsen für Bronzen, von denen etliche gegossen wurden, sowie Malereien und - was lange Zeit weniger bekannt war - Medaillen und Plaketten. Seit 1945 unterrichtete sie an der Volkshochschule und gab Privatunterricht. R. war Ehrenmitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Wie bereits vor dem Krieg beteiligte sie sich auch nach 1945 an vielen Ausstellungen - z.B. 1946 an der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Dresden, 1953 an der Dritten Deutschen Kunstausstellung in Dresden und der Herbstausstellung Dresdner Künstler im Albertinum, 1955 an der Präsentation „Die tierärztliche Tätigkeit in der bildenden Kunst“ in Leipzig oder 1961 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Dresdner Zoologischen Gartens an der Schau „Das Tier in der Kunst“. Personalausstellungen hatte sie 1951 in der Galerie Kühl in Dresden, 1952 im Städtischen Museum Zwickau und 1954 in der Deutschen Bücherstube in Berlin. Nach dem Tod ihres Mannes 1946 schenkte sie dem Veterinär-Anatomischen Institut der Universität Leipzig 30 seiner anatomischen und physiologischen Unterrichtstafeln mit dem Verweis, dass etliche Zeichnungen von ihr stammten. – Werke der Künstlerin befinden sich in zahlreichen Museen - so in Stuttgart, Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Glauchau, Zittau und Riga sowie in Privatbesitz. Innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts ist R. neben Reneé Sintenis sicherlich eine der bedeutendsten Tierplastikerinnen gewesen. Anlässlich ihres 120. Geburtstags 2003 wurde sie in der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden mit einer Ausstellung geehrt. Eine Bearbeitung ihres umfangreichen Werks steht bis heute noch aus.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftenabteilung, Nachlass R. (WV).

W  Glasgnegativplatten mit Werken, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek; Denkmal für Käthe Kollwitz, 1947, Moritzburg.

L  Sonderausstellung von Plastiken und Handzeichnungen der Bildhauerin Etha R. (Dresden) anläßlich des 65. Geburtstages der Künstlerin, Chemnitz 1948; L. Lang, Tiere und Medaillen, in: Die Weltbühne, 23.3.1971, S. 370f.; C. Wohlfahrt, In memoriam Etha R., in: Dresdener Kunstblätter 21/1977, H. 2, S. 41-46. – DBA II; Vollmer, Bd. 4, Leipzig 1958, S. 62; V. Klimpel, Berühmte Dresdner, Dresden 2002, S. 137.

P  Die Bildhauerin Etha R. in ihrem Atelier, Ch. Borchert, 1975, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Anne Spitzer
2.2.2005


Empfohlene Zitierweise:

Anne Spitzer, Richter, Etha Irmgard Christine, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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