Rietzsch Ernst Albrecht
Jurist, NSDAP-Politiker, Bürgermeister von Brand-Erbisdorf und Schwarzenberg
* 24.1.1886 Kirchberg 21.5.1946 Dresden (hingerichtet)
VKaufmann († 1912)1914K2
GND: 143128663

R. amtierte als Bürgermeister in Brand-Erbisdorf und Schwarzenberg. – Nach dem Besuch der Bürgerschule 1892 bis 1896 ging R. bis 1905 auf das Staatsgymnasium in Schneeberg. Anschließend studierte er bis 1909 Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Im Januar 1909 absolvierte er seine erste Staatsprüfung, der sich im Dezember die Promotion anschloss. Danach arbeitete er bis 1912 als Referendar an verschiedenen Amtsgerichten, bei der Staatsanwaltschaft und am Landgericht Chemnitz, bevor er bis 1914 die Leitung des väterlichen Bank- und Versicherungsgeschäfts übernahm und die zweite Staatsprüfung abschloss. – Während des Ersten Weltkriegs war R. aus gesundheitlichen Gründen vom Kriegsdienst befreit. So war er 1915 bis 1919 als Ratsassessor und Stadtamtmann sowie anschließend bis Dezember 1920 als Bürgermeister in Brand-Erbisdorf tätig. Zum Bürgermeister Schwarzenbergs am 1.1.1921 gewählt, erfolgte im November 1925 seine Wiederwahl auf zwölf Jahre. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat er 1933 in den „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ ein, der 1934 in die SA überführt wurde. 1937 trat R. in die NSDAP ein. Ein Jahr später erfolgte seine Berufung für weitere zwölf Jahre zum Bürgermeister von Schwarzenberg. Am 20.5.1941 wurde R. zur Wehrmacht eingezogen und diente hier in verschiedenen Positionen: bei der Oberfeldkommandantur 570 in Gent (niederl. Gand) zur Einarbeitung (21.5.1941-16.9.1941), als Leiter der Abteilung VII als Oberverwaltungsrat bei der Feldkommandantur 181 (V) im weißrussischen Lepel (20.6.1941-18.10.1942), als Verwaltungsgruppenleiter bei der Oberfeldkommandantur 894 in Marseille (19.10.1942-6.12.1942), als Verwaltungsgruppenleiter bei der Feldkommandantur 544 in Chartres (7.12.1942-12.8.1943) sowie als Chef der Verwaltungsgruppe Oberbauleitung in Cherbourg bei der Organisation Todt (September 1943). Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst am 31.8.1944 berief man ihn im November in das Amt für Kriegsschäden nach Leipzig. Von dort kehrte er am 14.4.1945 nach Schwarzenberg zurück und nahm am 25.4. seine Bürgermeistergeschäfte wieder auf. Vom antifaschistischen Aktionsausschuss, dem u.a. Willy Irmisch und Paul Korb angehörten, wurde er am 12.5. abgesetzt, im Dezember verhaftet und an die SMAD übergeben. Diese ließ ihn in die Haftanstalt Dresden bringen. Am 26.4.1945 verurteilte man R. ohne Berufungsmöglichkeit zum Tod wegen Grausamkeiten gegenüber Sowjetbürgern während seiner Zeit in Weißrussland. Das Urteil wurde wahrscheinlich am 21.5.1946 in Dresden vollstreckt, über seinen Begräbnisort ist nichts bekannt. Seine Rehabilitation erfolgte am 19.10.1994 von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation post mortem, da R. keine konkreten Verbrechen nachgewiesen werden konnten.



L  W. Gross, Der Kampf Schwarzenberger Antifaschisten während der besatzungslosen Zeit (Mai/Juni 1945), in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 8/1960, H. 3, S. 657-676; ders., Die ersten Schritte, Berlin 1961; H. Bräuer/L. Heydick (Hg.), Historischer Führer. Bezirke Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Leipzig/Jena/Berlin 1981, S. 292; J. Czerny, Republik im Niemandsland, Leipzig 1997; L. Lobeck, Die Schwarzenberg-Utopie, Leipzig 2004 (P); A. Nancy, Recherchebericht zur Tätigkeit von Dr. Ernst Albrecht Rietzsch während der NS-Zeit, in: Tätigkeitsbericht 2004/05 des Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Dresden 2005, S. 66-77.



Andreas Peschel
17.2.2015


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Peschel, Rietzsch, Ernst Albrecht, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.6.2017)

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