Ernst I. Herr von Schönburg
* um 1458 26.1.1489 Vilvoorden bei Brüssel Antwerpen, Kathedrale
VFriedrich XX., Herr von Schönburg (um 1420-1480)MElisabeth, geb. von Guttenstein († 1507)Anna, geb. von Rieneck (1458-1525)SWolf I. (1482-1529); Ernst II. (1486-1534), Geheimer Rat Herzog Georgs von SachsenTAnna (1479-1533); Elisabeth (1484-1522); Margarethe (1489-1535)
GND: 139657924






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E. besaß in Nachfolge seines Vaters Friedrich XX. die Herrschaften Glauchau, Waldenburg, Lichtenstein und Hartenstein. Seine knapp zehnjährige Regentschaft wirkte impulsgebend für das aufstrebende schönburgische Städte- und Bergwesen, das unter E.s Söhnen schließlich seine größte Blüte erreichen sollte. – E. nahm 1476 an der Pilgerreise Herzog Albrechts des Beherzten ins Heilige Land teil. 1480 wurde er vom böhmischen König mit den Herrschaften Glauchau, Waldenburg und Lichtenstein belehnt. Die Belehnung mit Hartenstein und Geringswalde erhielt E. 1481 zunächst gemeinsam von den wettinischen Brüdern Ernst und Albrecht. Infolge der Leipziger Teilung 1485 ging die Lehnshoheit über diese Gebiete auf das albertinische Herzogtum Sachsen über. – Wie sein Großvater Veit I., so geriet auch E. in Streitigkeiten mit dem Kloster Remse, von dem er Fronen, Zinsen und die Obergerichtsbarkeit über mehrere Dörfer forderte. Die von Kurfürst Ernst zu Schiedsrichtern eingesetzten Caspar von Schönberg und Bischof Johann von Salhausen zu Meißen wiesen E.s Ansprüche zurück, konnten den Konflikt dadurch jedoch nicht beenden. Ein neuerlicher Schiedsspruch Kurfürst Friedrichs des Weisen vom 11.1.1488 entzog E. sogar die über das Kloster ausgeübte Schutzherrschaft, verfügte aber gleichzeitig die Abtretung mehrerer Klosterdörfer an E. – Sein Hauptaugenmerk richtete der tatkräftige E. auf die Förderung des städtischen Handwerks sowie des Bergbaus. Von der Umsicht des Schönburgers zeugt die Umsiedlung der Waldenburger Töpfer, denen E. wegen der Feuergefährlichkeit ihres Handwerks und in Reaktion auf einen Stadtbrand von 1482 in der Vorstadt (Altstadt Waldenburg) einen neuen Arbeitsbereich zuwies. Das Potenzial der Stadt Lößnitz als Handelsplatz erkennend, erteilte E. dem Gemeinwesen 1482 ein Jahrmarktsprivileg. Das dort beheimatete und später weithin bekannte Tuchmacherhandwerk versah er 1487 mit einem Innungsbrief. Zum Zentrum des schönburgischen Silbererzbergbaus entwickelte sich unter maßgeblicher Beteiligung E.s das in der Grafschaft Hartenstein gelegene Elterlein. 1483 wurden hier allein 894 Gewichtsmark Silber ausgebracht. Folgerichtig erhielt Elterlein 1489 – wohl erst nach dem Tode E.s, jedoch in konsequenter Fortsetzung seiner Wirtschaftspolitik – Stadtrecht und wurde schönburgischer Bergamtssitz. – Als Förderer der Kirche, auch der Kirchenmusik, trat E. durch zahlreiche Stiftungen hervor. In der von E. 1480 in Glauchau eingerichteten Knabensingschule lassen sich Anfänge eines geregelten Schulwesens erkennen. Außerdem wird die Abfassung des ersten Stammbaums des Hauses Schönburg auf E. zurückgeführt. – 1488 beteiligte sich E. als kaiserlicher Hauptmann am Zug Herzog Albrechts des Beherzten in die Niederlande. Bei der Belagerung von Schloss Grünberg/Brabant zerschmetterte eine Geschützkugel am 24.1.1489 sein Bein. E. verstarb zwei Tage später an den Folgen der Verletzung, nachdem er in einer letztwilligen Verfügung seiner Ehefrau Anna die Vormundschaft über seine Söhne übertragen hatte.



Q  T. Schön, Geschichte des Fürstlichen und Gräflichen Gesamthauses Schönburg. Urkundenbuch, Bd. III, Stuttgart/Waldenburg 1901.

L  E. Eckardt, Chronik von Glauchau, Glauchau 1882, S. 77-79; Der Heldentod des Herrn E. von Schönburg im Jahre 1489 in den Niederlanden, in: Schönburgische Geschichtsblätter 35/1916, S. 140; E. Berlet, Geschichte der Stadt Glauchau, 1. Teil, Glauchau 1931, S. 199-204; C. Müller, Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 284-313.



Michael Wetzel
5.10.2004


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Ernst I., Herr von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

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