Hähnel Johann Ernst
Orgelbauer, Instrumentenmacher
* 12.5.1697 (?) 12.1.1777 Hubertusburg Wermsdorf(ev.)
1.um 1720 Johanna Catharina, geb. TamitiusTSophia Juliana (* 1721) 2.1755 Juliane Dorothea, geb. Wintzler (* 1729)TChristiana Juliana (1751-1812)
GND: 13681798X

H. gehörte im 18. Jahrhundert zu den bedeutenden Orgelbauern in Sachsen. – Woher H. stammte, ist bisher unbekannt. Doch wird er in einem Rechtsstreit mit Gottfried Silbermann als Ausländer bezeichnet. Sein Lehrmeister war vermutlich sein späterer Schwager Johann Gottlieb Tamitius in Zittau. H. hatte seine Werkstatt ab 1721 in Meißen, verlegte sie aber um 1756 infolge des Siebenjährigen Kriegs nach Hubertusburg. – Obwohl H. stets im Schatten Gottfried Silbermanns stand, galt er doch als ein hervorragender Orgelbauer. 1741 wurde er in Anbetracht seiner zahlreichen Orgelbauten sowie seiner Neuentwicklungen im Instrumentenbau zum Hof- und Land-Orgelbaumeister ernannt. Dabei ist v.a. an die Versuche zu denken, die H. zusammen mit Pantaleon Hebenstreit 1732/33 anstellte, eine Orgel mit Porzellanpfeifen für das Japanische Palais in Dresden zu bauen. Die Versuche misslangen. Geblieben ist das 1737 fertiggestellte Porzellan-Glockenspiel, das in seinem von Johann Joachim Kändler geschaffenen Gehäuse in der Porzellansammlung im Dresdner Zwinger zu sehen ist. Als H.s Erfindung gilt auch der sog. Cölestinzug an dem von ihm gebauten Cymbal royal, mit dem der Klang verändert werden konnte. Der Bau dieser Instrumente verletzte nach Silbermanns Auffassung das Privileg, das er für sein Cymbal d’Amour erhalten hatte. In dem daraus folgenden Rechtsstreit wurde H. zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach einem Gegengutachten von Hebenstreit hob jedoch Kurfürst Friedrich August II. (König August III. von Polen) 1734 das Urteil auf. Die beiden Kontrahenten haben sich später ausgesöhnt.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 383, Loc. 5577, Loc. 13676; Stadtarchiv Dresden, D.XXXIV.20, D.XXXIV.28; Kreiskirchenarchiv Delitzsch-Torgau; Privatarchiv Eichler.

W  Orgel-Neubauten: Mittelsaida, 1723/24; Steinbach bei Borna, 1724/25; Schloss Moritzburg, 1725; Ottendorf-Okrilla, 1730; Meißen, St. Afra, 1734/35; Brockwitz, 1737; Mühlberg, Neustädter Kirche, 1737; Röhrsdorf bei Meißen, 1738/39; Deutschenbora, 1740; Bärenstein, 1742/43; Pirna-Zehista, 1743; Naundorf bei Oschatz, 1744; Oschatz, St. Aegidien, 1744-1746; Leuben bei Oschatz, 1745; Königstein, 1748/49; Kaditz, 1751/53; Pausitz, 1754/55; Schrebitz, 1756; Staucha, 1756; Hohenwussen, 1756; Mehltheuer, 1770; Krippehna, 1770/71; Luppa, 1773; Mautitz, 1774; Tragnitz, 1775; Merkwitz, um 1775; Umbauten und Reparaturen: Wantewitz, 1726, 1741, 1763; Coswig, 1735; Dresden-Friedrichstadt, 1738; Struppen, um 1740; Langhennersdorf, 1740; Frankenberg, 1741; Großdobritz, 1745; Mittelsaida, 1747; Schandau, 1749; Meißen, Franziskanerkirche, 1750; Meißen, Dom, 1752/53; Zschochau 1757/58; Waldheim, Schlosskirche, 1764; Großböhla 1764; Eilenburg, St. Nikolai, 1767; Pehritzsch, 1768; Steinbach bei Borna, 1771; Grimma, Klosterkirche, 1773; Liptitz, 1776; Gutachten und Angebote: Dresden-Friedrichstadt, 1735; Görlitz, St. Peter und Paul, 1735; Stolpen, 1737; Großenhain, 1745; Dresden, Kreuzkirche, 1751; Dresden-Neustadt, 1753; Bitterfeld, 1760; Luppa, 1760; Meißen, Dom, 1765; Kleinwaltersdorf, 1772.

L  J. Adlung, Musica mechanica organoedi, Bd. 2, Berlin 1768, S. 126; W. Hosäus, Gottfried Silbermanns letzte Orgel, in: Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung 1883, Nr. 4, S. 17-20, 1883, Nr. 5, S. 25-28; P. E. Richter, Das Glockenspiel der Königlichen Porzellansammlung im Johanneum zu Dresden, in: Zeitschrift für Instrumentenbau 35/1915, Nr. 29/30, S. 297-299, Nr. 31, S. 312f.; P. Smets (Hg.), Orgeldispositionen. Eine Handschrift aus dem XVIII. Jahrhundert im Besitz der Sächsischen Landesbibliothek, Kassel 1931; F. Oehme, Handbuch über ältere, neuere und neueste Orgelwerke im Königreiche Sachsen, Bd. 2 und Supplement, hrsg. von W. Hackel, Leipzig 1978; U. Dähnert, Historische Orgeln in Sachsen, Leipzig 1980; F. Oehme, Handbuch über die Orgelwerke in der Kreishauptmannschaft Leipzig 1905, hrsg. und ergänzt von W. Hackel, Berlin 1994; U. Eichler, „Kunstberühmt“ und doch vergessen, in: Dresdner Neueste Nachrichten 21.5.1997, S. 21. – ADB 10, S. 374; DBA I; GerberNTL 3, Sp. 464; Mendel-Reißmann 4, S. 472; E. Flade, Orgelbauer-Lexikon. Typoskript mit handschriftlichen Zusätzen [Staatsbibliothek Berlin].



Ulrich Eichler
8.2.2010


Empfohlene Zitierweise:

Ulrich Eichler, Hähnel, Johann Ernst, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.7.2017)

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