Willius (Edler von Willisen zu Gräfenroda) Emanuel
Legationssekretär, Geheimer Rat
* um 1650 [4./19.]9.1728 Regensburg(ev.)
VJohann Valentin († 1659), gräflich rappoltsteinischer Leib- und Hofmedikus, Arzt in Colmar
StiefV Anton von Schott, kurfürstlich sächsischer Geheimer Rat
MAnna Maria Schott, geb. Röttler, verw. Willius (Edle von Willisen) (1628-1705)GJohann Valentin, königlich dänischer Leib- und Feldmedikus; Johann Moritz; Anna Katharina; Anna MariaAnna Agatha, geb. von Seimwald (?)
GND: 139901531





Von bürgerlicher Herkunft, jedoch sicherlich begünstigt durch seinen adligen Stiefvater, begann W. seine Karriere 1683 als kurfürstlich sächsischer Legationssekretär in den Niederlanden. Seit 1685 in der Funktion eines Residenten in Wien, spielte er eine nicht unwichtige Rolle bei den Bemühungen um die Freilassung des Feldmarschalls Hans Adam von Schöning, der 1692 wegen angeblicher Konspiration mit Frankreich spektakulär aus Teplitz entführt worden war. Als Schwager des evangelischen Reichshofrats Friedrich von Binder verfügte W. über gute Beziehungen in Wien und wurde von dem brüskierten Kurfürsten Johann Georg IV. beauftragt, ihm außerhalb des üblichen Geschäftsgangs direkt in dieser Sache zu berichten. W. stand zwar mit Schöning in geheimem Briefwechsel, konnte aber keine wesentlichen Hafterleichterungen erreichen. – Als Folge unbegründeter Verdächtigungen wurde W. 1694 nach Dresden gerufen und auf der Festung Sonnenstein inhaftiert. Unter Kurfürst Friedrich August I. freigekommen, befand sich W. 1696 wiederum als Legationssekretär in Den Haag. Wenig später trat er als Geheimer Rat in Zeitzer Dienste und sollte nach der vertraglichen Einigung mit Kursachsen 1699 die zur Readmission anstehenden Stiftsvoten Naumburg und Merseburg im Regensburger Reichsfürstenrat wahrnehmen. Dies scheiterte zwar am Umschwung der kursächsischen Politik, jedoch führte W. das nach 1700 zwischen Sachsen-Zeitz und mehreren ernestininischen Linien alternierende Votum Henneberg. Auf diesem Weg konnte wenigstens eine gewisse Reichstagspräsenz der albertinischen Sekundogenitur gesichert werden. Sein Vorschlag zur Bildung eines gemeinschaftlichen Henneberger Gesandtschaftsarchivs gelangte jedoch nicht zur Ausführung. Nach der Teilnahme an der albertinischen Reichsbelehnung 1702 wurde W. in den Reichsadelsstand erhoben und erhielt offenbar auch den angesehenen Reichshofratstitel. Von 1709 bis zu seinem Tode führte er zusätzlich die Voten von Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar im Reichsfürstenrat, seit 1711 auch das von Sachsen-Hildburghausen. Informiert über die heimliche Konversion seines Dienstherrn Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz, befürwortete W. 1716 die Fortsetzung der Geheimverhandlungen über die Abtretung des Stifts Naumburg an Kursachsen. Nach dem Bekanntwerden des herzoglichen Religionswechsels bearbeitete W. als ranghöchster Geheimer Rat in Zeitzer Diensten die Regensburger Religionsangelegenheiten selbstständig und nur in Abstimmung mit den übrigen Teilhabern am Henneberger Votum. – W. verkörperte den Typus des bürgerlichen Aufsteigers, dem durch langjährigen diplomatischen Dienst und begünstigt durch familiäre Verbindungen ein beachtlicher sozialer Aufstieg bis an die Behördenspitze eines freilich mindermächtigen Kleinterritoriums gelang.



Q  J. J. Langjahr, Rechtglaubiger Seelen Unverwelckliches Ehren-Kleid, ... Bey höchstbetrübt und traurigen Abschied Der ... Anna Maria, Edlen Frauen von Schott ... (Leichenpredigt) Regensburg [1705]; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimes Konsilium.

L  K. G. Helbig, Kurfürst Johann Georg der Vierte und Feldmarschall Hans Adam von Schöning 1691-1694, in: Archiv für die sächsische Geschichte 11/1874, S. 351-408; G. Richter, Die Vertretung der thüringischen Staaten beim Regensburger Reichstag 1663-1806, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 98/1962, S. 121-158; J. Vötsch, Kursachsen, das Reich und der mitteldeutsche Raum zu Beginn des 18. Jahrhunderts, Frankfurt/Main/Berlin/Bern/Wien 2003. – J. H. Zedler, Großes Vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 57, Halle/Leipzig 1748, Sp. 260; L. Bittner/L. Groß/F. Hausmann (Hg.), Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden (1648), Bd. 1, Graz/Köln 1936, Bd. 2, Zürich 1950 (ND Nendeln/Liechtenstein 1976).



Jochen Vötsch
11.5.2005


Empfohlene Zitierweise:

Jochen Vötsch, Willius (Edler von Willisen zu Gräfenroda), Emanuel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.9.2017)

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