Peifer (Peiffer, Peiferus, Peifferus, Pfeiffer, Pfeyffer, Pfeifer) David d.Ä.
Hofrat, Kanzler, Jurist, Dichter, Geschichtsschreiber
* 2.1.1530 Leipzig 2.2.1602 Dresden Dresden, Frauenkirchhof(kath., seit 1539 ev.)
VNicolaus (1496/97-1565), Jurist in LeipzigMKunigunde, geb. Wolfhart († 1558)GMarcus, Arzt in Leipzig; Just (Justus, Jobst, Jodocus); Abraham; Gregor; Reinhard; Elisabeth, verh. Müller1563 Barbara, geb. Grunewald (Grünewald) († 1591), Tochter des Blasius Grunewald, herzoglicher und später kursächsischer LeibarztS6 u.a. David d.J., Stiftsrat; JohannesT9 u.a. Elisabeth, verh. Badehorn († 1596); Justina, verh. Reich; Anna, verh. Rudiger; Christina, verh. Röhling
GND: 116073659





P. war ein humanistisch gebildeter Jurist, der sich am kursächsischen Hof als Berater, Geheimer Rat und Kanzler besondere Verdienste erwarb. So war er u.a. bei der Installierung des Geheimen Rats im Kurfürstentum Sachsen, bei der Ausarbeitung der Constitutiones von 1572, der Fertigstellung und Durchsetzung der Konkordienformel sowie der Reform der Universitäten beteiligt. – P. erhielt zunächst Unterricht an der Leipziger Thomasschule, später bei Privatgelehrten und 1544/45 an der neu gegründeten Landesschule Schulpforte. Hierauf nahm er ein Studium der Philosophie an der Universität Leipzig auf und erlangte im Wintersemester 1551/52 den Grad eines Magisters. In der Folge wandte sich P. dem Studium der Rechte bei Petrus Loriotus zu, setzte dieses 1555 bis 1558 in Bologna (Italien) fort und erlangte dort die Promotion zum Doktor beider Rechte. Die Zeit in Italien nutzte er für ausgedehnte Bildungsreisen durch das Land, die ihn u.a. nach Florenz, Rom und Neapel führten. – Bereits während seines Studiums trat P. durch seine literarischen Arbeiten hervor: So verfasste er u.a. ein Gedicht, in dem er König Ferdinand I. und Kurfürst Moritz von Sachsen gegen Anfeindungen in Schutz nahm, die in einer von dem Spanier Luis de Ávila y Zúñiga verfassten Geschichte über den Schmalkaldischen Krieg geäußert wurden. Dafür wurde P. von Ferdinand am 25.10.1550 zum Poeta laureatus ernannt. Darüber hinaus war er der Autor einer nach 1550 publizierten Elegie mit dem Titel „Imperatores Turcici“, in der er den Kaiser und die deutschen Fürsten zum Kampf gegen die Türken aufforderte. – Nach der Rückkehr aus Italien lehrte P. für kurze Zeit Recht an der Universität Leipzig, trat jedoch Ende 1558 als Hofrat in den Dienst des mecklenburgischen Herzogs Johann Albrecht I. In dieser Position begleitete er den Herzog auf zahlreichen Reisen und war als Gesandter tätig. Auch brachten ihm erfolgreiche Schlichtungen von Rechtsstreitigkeiten den Ruf eines geschickten Vermittlers ein. 1565 quittierte er den mecklenburgischen Dienst und nahm eine ihm angebotene Stelle als Hofrat des Kurfürsten August von Sachsen an. Als kursächsischer Hofrat gehörte er u.a. 1572 dem Konvent zur Ausarbeitung einer einheitlichen Rechtsordnung, der Constitutiones, an. In diese Zeit fiel auch eine durch Kaiser Maximilian II. angestrebte Nobilitierung P.s aus dem Jahr 1570, die wohl in Zusammenhang mit einer offenbar geplanten Ernennung zum kaiserlichen Hofrat in Verbindung stand. Jedoch wurden diese Pläne nie realisiert, denn P. wurde weder Rat des Kaisers noch findet sich für die Folgezeit ein Hinweis auf eine Nutzung des Adelsprädikats. – Indes ging der Aufstieg P.s am sächsischen Hof weiter. 1574 wurde er, als einziger Bürgerlicher neben Laurentius Lindemann, in den von Kurfürst August neu gebildeten Geheimen Rat berufen. P.s Aufgabenbereich lag in der Aufsicht über die gelehrten Schulen und die kurfürstlichen Theater. Auch führte er in dieser Position zahlreiche Verhandlungen mit Gesandtschaften, begleitete den Kurfürsten auf Reichstage und unterstützte die auf Reichstreue und Stabilität ausgerichtete Politik Augusts. Nach der Vertreibung der Philippisten, nahm er 1574 an der Visitation der Universität Wittenberg teil, die die Reform der Hochschulen in Kursachsen einleitete. Ein weiteres wichtiges Ereignis, an dem P. teilhatte, war die Erarbeitung der Konkordienformel, die 1577 veröffentlicht und 1580 in das Konkordienbuch aufgenommen wurde. P. wirkte fördernd bei deren Zustandekommen. – Nach dem Tod Kurfürst Augusts 1586 wurde P. durch dessen Nachfolger Kurfürst Christian I. zum Kanzler berufen. Christian hatte bereits ab 1584 Teile der Regierungsgeschäfte des Kurfürstentums übernommen und P. galt ihm dabei als Förderer und Unterstützer, woraus sich ein besonderes Vertrauensverhältnis ergab und schließlich die Ernennung zum Kanzler resultierte. Während der Regierungszeit Christians trat eine grundsätzliche Änderung der Kirchenpolitik ein, die in der sog. Zweiten Reformation und einer Hinwendung zum Calvinismus mündete. Auch auf reichspolitischer Ebene rückte Christian von der Politik seines Vaters ab. Ein wichtiger Akteur in diesem Prozess war Nikolaus Krell, ein enger Berater des Kurfürsten, der von diesem zum Geheimen Rat berufen worden war und der die innere und äußere Politik Kursachsens in der Folge maßgeblich mitbestimmte. P., als führende Persönlichkeit der lutherisch-orthodoxen Amtsträgerschaft, geriet, nachdem er zunächst die Reformpolitik Christians und Krells, v.a. im Bereich des Schulwesens und der Justiz, unterstützt bzw. mitgetragen hatte, mehr und mehr in Opposition zu deren Politik. Dies führte 1589 zur Amtsenthebung P.s und Einsetzung Krells als Kanzler. Nach der Entlassung zog sich P. auf sein Lehen auf Schloss Goseck zurück, wo er sich wieder verstärkt der literarischen Arbeit widmete. Darüber hinaus war er in dieser Zeit als Beisitzer am Oberhofgericht in Dresden tätig. – Nach dem frühen Tod Christians I., der darauffolgenden Verhaftung Krells sowie dem Ende der Zweiten Reformation 1591 wurde P. durch den kursächsischen Administrator Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar erneut zum Kanzler berufen. Gemeinsam mit anderen einflussreichen Räten, wie Abraham von Bock, prägte er die Rückkehr zu einer kaisertreuen Reichs- und lutherisch-orthodoxen Konfessionspolitik, die während der Regentschaft Friedrich Wilhelms I. und unter Christian II. vollzogen wurde. Seine Rolle im Prozess gegen den 1601 hingerichteten Krell bleibt hingegen unklar, jedoch scheint es, als ob er sich nicht aktiv daran beteiligt hat. – Am 2.1.1600 verfasste P. sein Testament und verband dies mit der Stiftung eines bis 1936 bestehenden Stipendiums für Mitglieder seiner Familie, das jene beim Studium unterstützen sollte. In den letzten Lebensjahren von einem Nierenleiden befallen, starb der Kanzler 1602 in Dresden. An seiner Begräbnisstätte wurde die Figur eines Schmerzensmanns aufgestellt, die von Sebastian Walther geschaffen wurde und die sich heute in der Dresdner Kreuzkirche befindet. – Das literarische Werk P.s ist bisher kaum erschlossen. Erwähnenswert ist, dass er neben den genannten Schriften u.a. eine erste Geschichte Leipzigs mit dem Titel „Lipsia, seu originum Lipsiensium libri IV“ verfasste, die 1689 durch Adam Rechenberg publiziert wurde.



Q  P. Leyser, Eine christliche Predigt bey dem Begräbnüs David P.s, Dresden 1602; Österreichisches Staatsarchiv - Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Reichsregister, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat, 10036 Finanzarchiv; Privatarchiv Familie Peifer, Stammbaum der Familie Peifer, Stiftungsurkunde.

W  Imperatores Turcici, seu eorum vita et rebus gestis …, Basel [nach 1550]; Epistola ecclesiae afflictae ad Christum salvatorem, Leipzig 1552; Tyranni Turcici …, 2 Bde., Wittenberg 1587; Davidis Peiferi Lipsici ad Adamum Pflugum Prooemium, in: J. Fischer (Hg.), Delitiae poetarum Germanorum huius superiorisque aevi illustrium, Bd. 5, Frankfurt/Main 1612; Davidis Peiferi Lipsia seu originum Lipsiensium Libri IV …, hrsg. von A. Rechenberg, Merseburg/Leipzig 1689 (ND Frankfurt/Main/Leipzig 1700); Epistolae …, hrsg. von F. G. Gotter, Jena 1708. – VD 16; VD 17.

L  W. Lorenz, Die Röhlinge aus Geyer, Annaberg-Buchholz 2001, S. 34; H. Krell, Dr. David P., in: ders. (Hg.), Das Verfahren gegen den 1601 hingerichteten kursächsischen Kanzler Dr. Nicolaus Krell, Frankfurt/Main 2006, S. 400-403; U. Schirmer, Der ernestinische und albertinische Landadel in der Zentralverwaltung der Kurfürsten und Herzöge von Sachsen (1525-1586), in: M. Schattkowsky (Hg.), Die Familie von Bünau, Leipzig 2008, S. 191-214. – ADB 25, S. 321-324; DBA I, III; DBE 7, S. 589; J. H. Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 27, Leipzig/Halle/Saale 1741, Sp. 106f., Online-Ausgabe: www.zedler-lexikon.de; C. G. Joecher (Hg.), Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 3, Leipzig 1751, Sp. 1346; J. C. Adelung/H. W. Rotermund, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Joechers allgemeinem Gelehrten-Lexicon, Bd. 5, Bremen 1816; S. Kusche, Friedrich Wilhelm I., Herzog von Sachsen-Weimar, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von M. Schattkowsky, Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2012).



Hans-Dieter Krebs/Henrik Schwanitz
26.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Hans-Dieter Krebs/Henrik Schwanitz, Peifer (Peiffer, Peiferus, Peifferus, Pfeiffer, Pfeyffer, Pfeifer), David d.Ä., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (16.12.2017)

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