Schröter Corona Elisabeth Wilhelmine
Sängerin, Schauspielerin, Komponistin, Malerin
* 14.1.1751 Guben 23.8.1802 Ilmenau Ilmenau(ev.)
VJohann Friedrich (1724-1811), Militärmusiker, HofmusikerMMaria Regina, geb. Heffter (1723-1766)GRegina Henriette (* 1748); Johann Samuel (1753-1788), Klaviervirtuose, Komponist; Maria Henriette (1755-vor 1766); Johann Heinrich (* 1762, 1782 verschollen), Violinist, Komponist; Regina Friederica Wilhelmina (1764-vor 1805); Maria Henriette (1766-1805/11), Sängerin
GND: 118761943






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S. war eine künstlerisch begabte und beeindruckende Persönlichkeit der Goethezeit. Als eine gefeierte Sängerin, gefragte Schauspielerin, Künstlerin und Muse entfaltete sie eine enorme Wirkung im Leipziger und Weimarer Kulturleben. – Ihre frühe Kindheit verbrachte S. in ihrer Geburtsstadt Guben in der sächsischen Niederlausitz. Die Familie lebte während des Siebenjährigen Kriegs in der deutschen Kolonie am polnischen Königshof in Warschau unter August III. (Friedrich August II.). Die Kinder wuchsen in einer künstlerisch hochgespannten Atmosphäre mit Musik und Theater in französischer und italienischer Sprache auf, die S. einen „internationalen“ Akzent verlieh. Nachgewiesen ist ein hohes Bildungsniveau: die Geschwister erlernten z.B. Englisch, Französisch, Italienisch und Polnisch. Beim ehrgeizigen Vater erhielten die Kinder eine erste musikalische Ausbildung. Infolge des überfordernden Gesangsunterrichts wurde jedoch S.s Stimme geschädigt. Sie konnte aber durch intensives Selbststudium trotzdem einen reinen, weichen Ton ihrer Stimme entwickeln, der ihren Ruhm begründete. – Nach Kriegsende 1763 zog die Familie zu Verwandten und Freunden nach Leipzig. Zu diesen gehörte auch der Komponist Johann Adam Hiller, dessen Frau aus Guben stammte und S.s Taufpatin war. Hiller bildete S. gründlich in der Musik aus. Der Taufpate einer Schwester und spätere Leipziger Bürgermeister Karl Wilhelm Müller machte ihr in den 1770er-Jahren einen Heiratsantrag, doch sie heiratete niemals. Zu ihren studentischen Verehrern gehörten zudem der spätere Kapellmeister des preußischen Königs Friedrich II., Johann Friedrich Reichardt, und Christian Gottfried Körner. S. trat erstmals 1765 in einem Gewandhauskonzert in Leipzig öffentlich auf und prägte im nächsten Jahrzehnt die städtische Gesangskunst in überragender Weise mit. – Johann Wolfgang von Goethe holte S. 1776 als Kammersängerin der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach und Mitwirkende am Liebhabertheater nach Weimar. Dort wurde sie zum Mittelpunkt des Musenhofs und wegen ihrer Schönheit und Grazie berühmt. Sie spielte u.a. in der Uraufführung der Prosafassung der „Iphigenie auf Tauris“ am 16.4.1779 neben Goethe als Orest in der Titelrolle und vertonte die Arien aus Goethes Singspiel „Die Fischerin“ (1782) sowie erstmals Goethes „Erlkönig“. Die Vertonungen von Balladen Friedrich Schillers sind leider verschollen. 1786 und 1794 gab sie zwei Sammlungen selbstkomponierter Lieder heraus. – In Weimar besuchte S. die von Goethe geförderte Zeichenschule, malte in Pastell und Öl und schuf Selbstporträts. – Über S.s Privatleben gibt es einige Spekulationen: So haben sich sowohl Goethe als auch Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach um ihre Zuneigung bemüht. – Ab 1788 zog sich S. immer mehr vom höfischen Leben zurück. Sie starb 1802 in Ilmenau in Anwesenheit ihrer langjährigen Freundin Wilhelmine Probst an Tuberkulose. Ihr Grab befindet sich auf dem historischen Teil des Ilmenauer Friedhofs. – Goethe drückte seine Verehrung für die große Künstlerin S. in den beiden folgenden Gedichtzeilen aus: „Es gönnten ihr die Musen jede Gunst, Und die Natur erschuf in ihr die Kunst“.



Q  Woiwodschaftsarchiv Zielona Góra, Kirchenbücher Guben (Teilverlust).

W  Fünf und Zwanzig Lieder, Weimar 1786 (ND Leipzig 1907); Gesaenge mit Begleitung des Fortepiano, 2 Bde., Weimar 1794.

L  R. Keil, Corona S., Leipzig 1875; R. Hefter, Die Vorfahren der Corona S., in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 40/1989, S. 50-56; J. Hecker, Corona - Das Leben der Schauspielerin Corona S., Arnstadt/Weimar 1996; P. Braun, Corona S. - Goethes heimliche Liebe, Düsseldorf/Zürich 2004; R. Schuder/A. Peter, Goethes „schöne Krone“, Guben 2011; M. Bock, Die Geschwister der Corona S. (1751-1802), in: Zeitschrift für Mitteldeutsche Familiengeschichte 56/2015, S. 183-189; ders., Über die Vorfahren von Goethes Muse Corona S. (1751-1802), in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 109/110/2016, S. 141-146 (P). – ADB 32, S. 560-567; DBA I, III; DBE 9, S. 154f.; NDB 23, S. 585f.; Thieme/Becker, Bd. 30, Leipzig 1999, S. 293; H.-D. Dahnke/R. Otto (Hg.), Goethe Handbuch, Bd. 4/2: Personen, Sachen, Begriffe. L-Z, Stuttgart/Weimar 2004, S. 964-966.

P  Corona S., A. Graff, 1787, Öl auf Leinwand, Klassik Stiftung Weimar; Corona S., 1882, Fotografie eines Gemäldes von E. Hader, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (Bildquelle) [CC BY-SA 3.0, This work is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License].



Michael Bock
28.2.2017


Empfohlene Zitierweise:

Michael Bock, Schröter, Corona Elisabeth Wilhelmine, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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