Carlowitz Christoph von
Geheimer Rat, Gesandter, Oberhauptmann, kaiserlicher Pfalzgraf
* 13.12.1507 Hermsdorf bei Dresden 8.1.1578 Rothenhaus bei Görkau (tschech. Červený Hrádek) Görkau (tschech. Jirkov), St.-Aegidius-Kirche (kath., später ev.?)
VFriedrich († 1543/44), Amtmann von LohmenMAnna, geb. von KarrasGMargarethe († 1581/82); Brigitte († 1583) 1.1538 Brigitte, geb. von Drachsdorf († 1559) 2.1560 Clara, geb. von Breitenbach († 1579), Witwe des Oberhauptmanns des Gebirgischen Kreises Heinrich von Gersdorf
GND: 128556641





C. war einer der einflussreichsten und engagiertesten Staatsmänner seiner Zeit und bewies als zentrale Figur der albertinischen Außenpolitik politischen Scharfblick und hervorragendes Verhandlungsgeschick. Er war der Wegbereiter des Regensburger Vertrags und somit des Bündnisses zwischen Herzog Moritz und Kaiser Karl V. Auf diese Weise trug er maßgeblich zur Erhebung des albertinischen Herzogtums Sachsen zum Kurfürstentum bei. – C.s Erziehung und Entwicklung wurden maßgeblich von seinem Onkel Georg von Carlowitz, Rat und enger Vertrauter Herzog Georgs (der Bärtige), beeinflusst. Nach dem Besuch der Kreuzschule in Dresden nahm C. im Sommer 1520 an der Universität in Leipzig ein humanistisches Studium bei Petrus Mosellanus auf. Im Dezember 1527 schloss er einen Studienaufenthalt in Basel (Schweiz) bei Erasmus von Rotterdam an. Erasmus, mit dem er eine enge Freundschaft und einen regen Briefwechsel pflegte, schätzte ihn sehr. In seinem 1528 erschienenen „Dialogus Ciceronianus“ lobte er C.s hohe Bildung und sittliche Haltung. Ab Februar 1528 studierte C. Rechtswissenschaften und Französisch in Dole (Frankreich) und Besançon (Frankreich). Nach seiner Rückkehr nach Dresden 1529 gewann er durch seine Tüchtigkeit, durch den Einfluss seines Onkels Georg von Carlowitz und aufgrund einer Empfehlung von Erasmus das Vertrauen Herzog Georgs und begann eine politische Karriere in herzoglichen Diensten. Trotz seiner Jugend wurden ihm verschiedene diplomatische Missionen übertragen. Sie führten ihn u.a. nach England, Krakau (poln. Kraków), zum Augsburger Reichstag (1530) und nach Passau (1531/32) zu den Friedensverhandlungen zwischen Ferdinand I., König von Böhmen, und dem Woiwoden von Siebenbürgen, Johann Zapolya. Im Juli 1533 erhob ihn Erzbischof Albrecht von Mainz zu seinem Rat. Ein Jahr später berief ihn Herzog Georg zum Rat und Verwalter des Pachtamts Zörbig bei Halle/Saale. – Bei Georgs Nachfolger, dem zum protestantischen Glauben konvertierten Herzog Heinrich (der Fromme), fiel C. wegen seiner Dienste für den katholischen Kirchenfürsten Albrecht von Mainz in Ungnade. Heinrich entließ ihn 1540 und entzog ihm unrechtmäßig das Amt Zörbig. C. betätigte sich daraufhin vorübergehend als Beisitzer am Reichskammergericht. Nach dem Regierungsantritt von Herzog Moritz 1541 erhielt er jedoch erneut das Amt Zörbig, wurde wieder in den Kreis der Räte aufgenommen und 1542 mit der Organisation der Säkularisation der Klöster betraut. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildete jedoch die sächsische Außenpolitik, die v.a. nach dem erfolglosen Türkenkrieg in Ungarn eine Annäherung an Kaiser Karl V. und die Habsburger anstrebte. So reiste C. Ende 1543 - inzwischen in der Funktion eines Amtmanns - zum Nürnberger Reichstag, wo er Gespräche mit dem kaiserlichen Rat Nicolas Perrenot de Granvelle führte, um die Übertragung der Kurwürde an Moritz vorzubereiten. Anschließend begleitete C. Herzog Moritz beim Feldzug Karls V. gegen Frankreich in den Hennegau, nach Valenciennes und Cambrai. – Seit 1544 half C. dem mit ihm befreundeten Kanzler der Universität Leipzig Joachim Camerarius d.Ä. bei der Reform der Hochschule. Im April des gleichen Jahrs ernannte ihn Karl V. zum kaiserlichen Rat und zeichnete ihn mit dem Wappen der bereits erloschenen, mit C.s Familie verwandten Familie von Ziegelheim aus, was zu einer Wappenbesserung führte. – 1546 beteiligte sich C. am Entwurf des Regensburger Vertrags zwischen Karl V. und Moritz von Sachsen, der die Grundlage des Bündnisses mit dem Kaiser bildete, und nahm während des Augsburger Reichstags 1547/48 an der Erhebung von Herzog Moritz zum Kurfürsten sowie an den Verhandlungen des Augsburger Interims teil. 1548 folgte für kurze Zeit seine Berufung zum Oberhauptmann in Leipzig. Gemeinsam mit Ulrich von Mordeisen war er 1552 Unterhändler beim Passauer Vertrag (2.8.1552) zwischen Kurfürst Moritz und dem kaiserlichen Vertreter Ferdinand I., der den Protestanten bis zum nächsten Reichstag Religionsfreiheit gewährte und zunächst die reichsfürstliche Unabhängigkeit sicherte. Nach dem Regierungsantritt von Kurfürst August 1553 trat C. als Geheimer Rat in dessen Dienste und beteiligte sich an den innerwettinischen Verhandlungen, die zum Abschluss des Naumburger Vertrags vom 24.2.1554 führten. In der zweiten Jahreshälfte gab er sein Amt Zörbig auf und erwarb die Herrschaft Rothenhaus in Böhmen. Ferner wirkte er am Beschluss des Augsburger Religionsfriedens (25.9.1555) mit, durch den die weltlichen Reichsstände die endgültige Religionsfreiheit erhielten. C. genoss das Vertrauen des neuen Kurfürsten nicht im gleichen Maße wie zuvor von dessen Bruder Moritz. Umso höhere Wertschätzung brachten ihm Ferdinand I. und dessen Sohn Maximilian II. entgegen. C. intensivierte daraufhin seine Tätigkeit in kaiserlichen Diensten und nahm 1557 bis 1565 - ohne aus dem sächsischen Dienst auszuscheiden - die Stelle eines Oberhauptmanns der Bergwerke im böhmischen Joachimsthal (tschech. Jáchymov) an. 1558 reiste er zum Frankfurter Kurfürstentag, wo er gemeinsam mit Mordeisen der Abdankung Karls V. und der Inthronisation Ferdinands I. zum Kaiser beiwohnte. Im Auftrag Kaiser Ferdinands I. konnte er im März 1562 von Kurfürst August die Zusage erwirken, auf dem nächsten Kurfürstentag (24.11.1562) der Wahl Maximilians II. zum römischen König zuzustimmen. Als Dank für seine Verdienste wurde C. zum Ritter geschlagen und mit der Pfalzgrafenwürde ausgezeichnet. Während der Grumbachschen Händel (1566/67) fungierte er als einer der kaiserlichen Kommissare bei der Belagerung von Gotha und begleitete den gefangenen ernestinischen Herzog Johann Friedrich II. (der Mittlere) über Meißen und Dresden nach Wien. 1570 war C. im kaiserlichen Auftrag bei den Verhandlungen zur Beilegung des Nordischen Kriegs in Stettin (poln. Szczecin) erfolgreich tätig. Außerdem nahm Kaiser Rudolf II. ihn nach seinem Regierungsantritt in seinen Beraterkreis auf. – C.s Interesse galt den Wissenschaften, der Astrologie, Astronomie, Mathematik und besonders der zeitgenössischen Geschichtsschreibung. Er selbst arbeitete an einer historischen Abhandlung über den Begründer der albertinischen Linie, Herzog Albrecht (der Beherzte). – C., dessen beide Ehen kinderlos blieben, verbrachte die letzten Jahre seines Lebens mit der Bewirtschaftung seines Besitzes in Rothenhaus. Zu seinem Andenken wurde in der Kirche St. Aegidius in Görkau ein Epitaph mit einem Bildnisrelief errichtet und eine silberne Medaille von Tobias Wolff - Hofmedailleur von Kurfürst August - geprägt.



Q  Die Briefe von Joachim Camerarius d.Ä. an Christoph von Karlowitz bis zum Jahr 1553, hrsg. von T. Woitkowitz, Leipzig 2003, S. 46-59; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 10538 Politische Korrespondenzen des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen.

L  F. A. v. Langenn, Christoph von C. Eine Darstellung aus dem XVI. Jahrhundert, Leipzig 1854; O. R. v. Carlowitz, Aus dem Archive der Familie von Carlowitz, Dresden 1875, S. 19-21; H. Baumgarten, Moritz von Sachsen, der Gegenspieler Karls V., Berlin/Wien 1941, 31943, S. 192f. (P); J. Herrmann, Moritz von Sachsen (1521-1553), Beucha 2003, S. 76 (P). – ADB 3, S. 788-790; DBA I, II, III; DBE 2, S. 282; NDB 3, S. 145f.

P  Bildnis Christoph von C., Chursächsischer Regierungsrath, Lithografie, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett (Fotografie: G. Döring, 1967), Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Christiane Schastok
29.8.2011


Empfohlene Zitierweise:

Christiane Schastok, Carlowitz, Christoph von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.11.2017)

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