Börner (Boerner) Christian Friedrich
Theologe, Rektor der Universität Leipzig, Bibliotheksdirektor
* 6.11.1683 Dresden 19.11.1753 Leipzig(ev.)
VJohann Georg, Hof- und KonsistorialratMKatharina Elisabeth, geb. Geier 1.Dorothea Sybille, geb. Gräve 2.Rahel Christine, geb. Schreiter (1704-1750)K17Su.a. Friedrich (Pseudonym: Alathareus Adeisidämon, 1723-1761), Mediziner, Medizinhistoriker; Georg Gottfried; Christian Friedrich (1736-1800), Mediziner
GND: 116224878


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Nach dem Unterricht durch Hauslehrer begann B. 1701 in Leipzig zunächst Philosophie und Philologie, später auch Theologie zu studieren. Bald nach seinem Wechsel an die Universität Wittenberg brach er 1705 zu einer Bildungsreise auf, die ihn nach Amsterdam und an die englischen Universitäten Oxford, Cambridge und London führte. 1706 kehrte er an die Universität Leipzig zurück, an der er bis zu seinem Lebensende wirkte. Bereits 1707 wurde er Professor für Moral, 1708 für Griechisch, 1710 außerordentlicher und schließlich 1713 ordentlicher Professor für Theologie. 1710 führte er als Rektor an der zur Universität gehörenden Paulinerkirche regelmäßige Gottesdienste ein, in denen er im Wechsel mit Gottfried Olearius und Cyprian Abicht die Predigten übernahm. Nach seinem Rektorat war er 1711 bis 1736 (oder 1738) mit der Leitung der Universitätsbibliothek betraut, wo er den Ausbau des Katalogs vorantrieb, längere Öffnungszeiten durchsetzte und sich wohl aus privatem Interesse heraus - auf seiner Hollandreise hatte er eine Handschrift der Briefe des Apostel Paulus gekauft, die heute als Codex Boernerianus bekannt ist - für Handschriftenankäufe stark machte. Neben seinen universitären Aufgaben übernahm B. eine Vielzahl weiterer Ämter und Funktionen. 1735 wurde er Kanonikus in Zeitz und 1741 in Meißen, weiterhin war er Ephorus (Leiter) der kurfürstlichen Stipendiaten, Assessor des Konsistoriums und Mitglied des Großen Fürstenkollegiums. – Als Gelehrter besaß B. umfassende Kenntnisse über die Antike sowie in den Sprach- und Geschichtswissenschaften, was sich etwa in seinen Studien über die Entwicklung der Wissenschaften im Italien des 15. Jahrhunderts niederschlug. Als streng lutherisch-orthodoxer Theologe publizierte er rund 100 Arbeiten. Bedeutung erlangte er weiterhin als Herausgeber einer deutschsprachigen Ausgabe der Schriften von Martin Luther, die zwischen 1729 und 1734 erschienen, und als Wegbereiter der philologisch-historischen Schriftauslegung an der Leipziger Theologischen Fakultät.



Q  Denkmal der Liebe ... Herrn Christian Friedrich B. ... aufgerichtet, Leichenpredigt, Leipzig 1754; C. A. Crusius, Trauerrede, welche bey dem Ehrengedächtniß des Herrn Christian Friedrich B.s … gehalten, Leichenpredigt, Leipzig 1753; J. C. Stemler, Erleuchtete Blicke eines ausgewählten Gottesgelehrten in das Buch des Lebens ... in einer dem C. F. B. ... gehaltenen Gedächtnispredigt, Leichenpredigt, Leipzig 1753.

W  De doctis Graeciae exulibus qui saeculo XV. Constantinopoli expugnata in Italiam se contulerunt publice diserentem, Leipzig 1704; Des theuren Mannes Gottes, Martin Luthers sämtliche … Schrifften und Wercke, 22 Bde., Leipzig 1729-1734; Auserlesene Bedenken der theologischen Facultät zu Leipzig, Leipzig 1751.

L  K. Krause, Alma Mater Lipsiensis, Leipzig 2003; K. Löffler, Anthropologische Konzeptionen in der Literatur der Aufklärung, Leipzig 2004. – ADB 3, S. 33f.; DBA I, II, III; DBE 1, S. 633.

P  M. Bernigeroth, 1712, Kupferstich, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; Reproduktion aus Vermischte Samlung von Bildnissen Gelehrter Maenner, Zittau 1844, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Wolfgang Flügel
7.9.2010


Empfohlene Zitierweise:

Wolfgang Flügel, Börner (Boerner), Christian Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.3.2017)

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