Ludovici (Ludewig) Carl Günther
Wirtschaftstheoretiker, Lexikograf
* 7.8.1707 Leipzig 5.7.1778 Leipzig(ev.)
VChristian (1663-1732), Theologe, Orientalist, Universitätsrektor in LeipzigMChristine Sophie, geb. IttigGGottfried Thomas, Doktor der Philosophie und beider Rechte; Gertraude Sophie; Johanna Rosine
GND: 117281387






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L.s publizistische Leistungen erscheinen in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen zeichnete er als Redakteur für über zwei Drittel von „Zedlers Universal-Lexikon“ verantwortlich und brachte das Mammutwerk zum Abschluss. Zum zweiten gab er mit der „Eröffneten Akademie der Kaufleute“ das erste deutschsprachige Handelslexikon heraus, das sich in Anlehnung an Jacques Savarys „Le parfait négociant“ („Der vollkommene Kauf- und Handelsmann“) von 1675 um eine möglichst vollständige Erfassung des zeitgenössischen kaufmännischen Wissens bemühte. L. löste dabei die Handelswissenschaften aus dem Kontext der Kameralwissenschaften und begann, sie zu einer selbstständigen Disziplin zu entwickeln. Seine philosophischen Arbeiten beschäftigten sich v.a. mit Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff. – L. stammte aus einer Gelehrtenfamilie und war im Umfeld der Leipziger Universität aufgewachsen. Über seine Familie und sein Privatleben ist kaum etwas bekannt. Als L., der zunächst von verschiedenen Hauslehrern unterrichtet worden war, 1724 das Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Leipzig aufnahm, amtierte sein Vater gerade als Rektor. L. wurde 1728 Magister der Philosophischen Fakultät und erhielt 1733 eine ordentliche Professur der Weltweisheit in Leipzig, d.h. einen Lehrstuhl für praktische Philosophie. L. hatte gemeinsam mit Paul Daniel Longolius, dem Redakteur der Bände 3 bis 18 von „Zedlers Universal-Lexikon“, studiert, und es ist durchaus denkbar, dass er bereits am Lexikon mitgearbeitet hatte, als er mit Band 19 und 20 die Hauptredaktion übernahm. Zu diesem Zeitpunkt war der Verlag aufwändig reorganisiert worden. Angesichts des ständig wachsenden Arbeitsaufwands am Universal-Lexikon setzte L. durch, dass ab 1740 in den Anzeigen stets auf seine „Direction“ hingewiesen wurde. Nach Zedlers Tod konnte L. von den ursprünglich geplanten acht Supplementbänden allerdings lediglich vier realisieren. 1761 wurde er zum Professor für Aristotelische Logik berufen. An der Leipziger Philosophischen Fakultät lehrten zu diesem Zeitpunkt auch Christian Fürchtegott Gellert und Johann Christoph Gottsched. L. amtierte 1765/66 als Rektor der Universität Leipzig und war zugleich Dekan der Philosophischen Fakultät. Er wurde 1769 als Mitglied in das kleine Fürstenkollegium aufgenommen und war als Archivar der Universität, Aufseher des Kalenderwesens und Bibliothekar der Leipziger „Gesellschaft der Teutschen Sprache und freyen Künste“ tätig. Ferner war L. Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.



W  Ausführlicher Entwurff einer vollständigen Historie der Leibnitzischen Philosophie, 2 Bde., Leipzig 1737 (ND Hildesheim 1966); Ausführlicher Entwurff einer vollständigen Historie der Wolffischen Philosophie, 3 Bde., Leipzig 1737-1738 (ND Hildesheim/New York 1977); Sammlung und Auszüge der sämmtlichen Streitschrifften wegen der Wolffischen Philosophie, 2 Bde., Leipzig 1737-1738 (ND Hildesheim/New York 1976); mit J. H. Zedler (Hg.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, 68 Bde., Halle/Leipzig 1732-1754; Eröffnete Akademie der Kaufleute oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon, 5 Bde., Leipzig 1752-1755, Leipzig 21767-1768, 6 Bde., Leipzig 31797-1801 (überarb. von J. C. Schedel).

L  E. Blühm, Johann Heinrich Zedler und sein Lexikon, in: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau 7/1962, S. 184-200; G. Quedenbaum, Der Verleger und Buchhändler Johann Heinrich Zedler, Hildesheim/New York 1977. – DBA I, II, III; DBE 6, S. 497; NDB 15, S. 305f; J. C. Adelung/H. W. Rotermund, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexikon, Bd. 4, Leipzig 1813 (ND Hildesheim 1961), S. 2111; J. G. Meusel, Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller, Bd. 8, Leipzig 1808 (ND Hildesheim 1967), S. 389-391; J. H. Zedler (Hg.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 18, Halle/Leipzig 1738, Sp. 1005-1012.



Jutta Nowosadtko
22.12.2004


Empfohlene Zitierweise:

Jutta Nowosadtko, Ludovici (Ludewig), Carl Günther, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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