Eschebach Carl August Emil
Blechwaren- und Küchenmöbelfabrikant
* 4.5.1842 Wittenberg 8.2.1905 Monte Carlo (Monaco) Dresden, Johannisfriedhof(ev.)
VFriedrich († 1871), BuchbindermeisterMJohanne Christiane, geb. Schmidt, adoptierte Knocke 2.1872 Bertha Emma, geb. Illgner (* 1851)SKarl Franz Alexander (* 1873)TBertha Margarethe (* 1875)
GND: 139649093






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E., von der Nachwelt als der Pionier der sächsischen Emaille-Industrie bezeichnet und bis heute als Küchenmöbelfabrikant bekannt, zählte um 1900 zu den reichsten Männern Dresdens. – Nach einer Lehre bei einem Klempnermeister in Könnern arbeitete E. als Geselle bei den Meistern Anton K. Köcke in Wittenberg und C. W. Gewecke in Hannover. Danach führte sein Weg über Köthen nach Berlin in die Lampenfabrik C. H. Stobwasser und wieder zurück nach Köthen, wo er sich v.a. der Herstellung von Petroleumkochöfen widmete. Diese präsentierte er auch auf der Leipziger Messe. – Wann E. nach Dresden kam und sich dort selbstständig machte, ist unklar. Sicher ist, dass seine Frau Bertha 1872 das Klempnergeschäft „Schulze & Co.“ in der Neugasse 14 in Dresden kaufte und es unter dem Namen „B. Eschebach“ weiterführte. Hier begann E., unterstützt von drei Arbeitern, hauswirtschaftliche Gegenstände herzustellen. Drei Jahre später bezog die Firma ein neues Domizil am Pirnaischen Platz. Am 1.5.1877 gab Bertha Eschebach ihr Geschäft auf. Gleichzeitig eröffnete E. gemeinsam mit dem Kaufmann Julius Haußner das Klempnergeschäft „Eschebach & Haußner“. Die hier produzierten Haushaltserzeugnisse verkauften sich gut und die Nachfrage nach neuen Produkten war groß, sodass die Firma 1878 neue Räumlichkeiten im ehemaligen Pontonschuppen am Elbufer bezog und bereits zwei Jahre später die Fertigung in das Gebäude des ehemaligen Garnisonslazaretts am Hospitalplatz 2 in der Dresdner Neustadt verlegte. Die kleine Klempnerei hatte sich zu einem fabrikmäßigen Betrieb entwickelt, der inzwischen etwa 150 Beschäftigte zählte. Das Unternehmen profitierte vom Bevölkerungszuwachs in Dresden. Die zugewanderten Arbeitskräfte benötigten Wohnraum und die entsprechende Einrichtung. „Eschebach & Haußner“ produzierten nun auch größere Gegenstände wie Eisschränke, Ofenschirme, Badewannen, Klosettanlagen und Waschtoiletten. Um alle Aufträge erfüllen zu können, musste sich das Unternehmen erneut vergrößern. So entstand 1886 in Radeberg direkt an der Bahnlinie Dresden-Görlitz eine Filialfabrik auf 64.000 m2. Die „Radeberger Guß- und Emaillierwerke Carl Eschebach & Co.“ übernahmen die Herstellung von Eisschränken, Emaillewaren und Erzeugnissen aus Eisenguss. Hier wurden in den nächsten Jahrzehnten u.a. emaillierte, verzinnte und geschliffene Geschirre, emaillierte Gegenstände für die Gesundheits- und Krankenpflege, guss- und schmiedeiserne Herde sowie Gasherde produziert. 1890 fusionierten die Werke in Dresden und Radeberg und wurden in die „Vereinigten Eschebachschen Werke Aktiengesellschaft“ mit einem Grundkapitel von drei Millionen Mark überführt. Der Hauptsitz blieb Dresden. Die Vorstandsmitglieder E. und Richard Schumann, der ehemalige Prokurist der Firma „Eschebach & Haußner“, traten als gleichberechtigte Partner in die Firma ein. Inzwischen beschäftigte das Unternehmen über 600 Arbeiter. Die Hälfte der Waren wurde nach Italien, Spanien und Südamerika exportiert. Konjunkturaufschwung und eine Zunahme des Exportgeschäfts führten zur erneuten Expansion, sodass die Firma 1899 ihren Reingewinn auf 1.069.316 Mark steigern konnte. In Pieschen bei Dresden (1897 eingemeindet) hatte die Firmenleitung bereits 1894 ein Grundstück von ca. 24.000 m2 gekauft. 1900 wurde die Produktion dorthin (Riesaer Straße) verlegt. Das neu errichtete Werk, dessen Bau über zwei Millionen Mark kostete, war modern ausgestattet: elektrische Beleuchtung, Dampfheizung, fünf elektrische Warenaufzüge. Als E. starb, gab es in beiden Werken zusammen ca. 2.000 Arbeiter und Angestellte. – Auch das Wohl seiner Beschäftigten lag E. am Herzen. Die beiden Fabriken in Radeberg und Dresden besaßen große Ankleideräume mit Waschtischen und fließend Wasser, Toiletten mit Wasserspülung und Kantinen mit Vorrichtungen zur Speiseerwärmung. In Radeberg stellte E. betriebseigene Wohnhäuser für Arbeiter und Angestellte zur Verfügung. Er gründete eine Stiftung, die der Absicherung der Betriebsangehörigen in Notsituationen diente. Bei seinem Tod verfügte sie über ein Kapital von 120.000 Mark und erhielt testamentarisch weitere 320.000 Mark. Für seine Leistungen wurde E. 1892 zum Kommerzienrat und 1898 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. – Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs erwarb er 1897 die Kureinrichtung und das Schloss Friedrichsthal in Berggießhübel. Dort stiftete er 1899 den Bismarckturm, woran noch heute eine Inschrift erinnert. Außerdem wurde E. zum Ehrenbürger der Stadt Berggießhübel und zum Ehrenmitglied des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz ernannt. Um die gleiche Zeit sicherte sich E. ein Grundstück am Albertplatz in Dresden, auf dem er 1903 eine Villa errichten ließ. In diesem monumentalen Bau, in dem sich seit 1995 der Hauptsitz der Volksbank Dresden befindet, wohnten E.s Erben bis 1920. – Das Dresdner Werk bestand lediglich bis 1931, während in Radeberg bis 2004 Küchenmöbel hergestellt wurden; zunächst innerhalb des „VEB Möbelkombinat Hellerau“ und 1992 bis 2004 in der „Eschebach Küchenmöbel GmbH“. Nach der Insolvenz 2004 wurde das Werkarchiv geplündert und zerstört, sodass heute wertvolle Firmenunterlagen, Musterkataloge und Mustermöbel fehlen.



Q  Stadtarchiv Dresden, Gewerbeakten, Adressbücher; Museum Schloss Klippenstein, Nachlass der Vereinigten Eschebach’schen Werke; Pfarramt Wittenberg; Evangelisch-Lutherische Kirchenamtsratsstelle Dresden.

L  Bestattung des Geheimen Kommerzienrats E., in: Dresdner Anzeiger 17.2.1905, S. 7f.; Vereinigte Eschebach’sche Werke Aktiengesellschaft Dresden und Radeberg, Dresden [ca. 1911] (auch in: Das Königreich Sachsen. Kultur, Industrie, Handel und Gewerbe 3/1916, S. 9-18) (Bildquelle); Villa Eschebach, hrsg. von der Volksbank Dresden eG, Dresden 1997; G. Reim, Die Vereinigten Eschebachschen Werke Aktiengesellschaft Dresden-Radeberg, in: Dresdner Geschichtsbuch, hrsg. vom Stadtmuseum Dresden, Bd. 7, Altenburg 2001, S. 233-250.



Rita Müller
8.4.2008


Empfohlene Zitierweise:

Rita Müller, Eschebach, Carl August Emil, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.8.2017)

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