Dobrucky (Dobrucký) Božidar (Theodor)
Pfarrer, Abteilungsleiter für Kunst und Wissenschaft im Sorbischen Kultur- und Volksbildungsamt, Schriftsteller
* 7.10.1893 Hoyerswerda (sorb. Wojerecy) 7.3.1957 Bautzen (sorb. Budyšin) Bautzen, Taucherfriedhof(ev.)
VJán Emanuel (1854-1921), PfarrerMMarie Luise, geb. Bergan (1859-1911)GJohannes (* 1884); Emanuel Martin (1885-1886); Friedrich Gerhard (* † 1886); Margaretha (1887-1953); Maria (1889-1892); Irena (1890-1891); Elisabeth (1891-1971); Herbert (1896-1897)1920 Anna (Hana), geb. Sauer (Žurec) (1893-1960)SJan (1921-1974), ArztTUrsula (Wórša), verh. Pfeiffer (1923-2014)
GND: 139984127






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D. war als leitender Mitarbeiter des Sorbischen Kultur- und Volksbildungsamts nach 1945 für den Aufbau des sorbischen Kulturlebens und seiner Institutionen verantwortlich. Dabei erwarb er sich große Verdienste. – D. wuchs als Sohn einer Pfarrersfamilie in der damaligen Kleinstadt Hoyerswerda auf. Bereits die Mutter entstammte einer Pfarrersfamilie; ihr Großvater mütterlichseits war Superintendent in Hoyerswerda. Sein Vater Ján Emanuel Dobrucký war ein Slowake, der seit 1882 die Pfarrstelle in Spreewitz (sorb. Sprjejcy) innehatte und 1883 bis 1919 als Archidiakon in Hoyerswerda wirkte. D. besuchte 1909 bis 1913 das Gymnasium in Görlitz und studierte anschließend 1913 bis 1916 Theologie und Philosophie in Leipzig. Gleichzeitig legte er die Lehrerprüfung für die Oberstufe ab. 1916/17 war er Hilfsprediger in Rabenstein bei Chemnitz und anschließend bis 1924 Pfarrer in Kleinbautzen (sorb. Budyšink). – In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gehörte D. neben Arnošt Bart (Ernst Barth) zu den führenden Akteuren der sorbischen Bewegung. Für diese Aktivitäten wurde er 1919 zu einer Geldstrafe und zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, aus der er aufgrund einer Amnestie vorzeitig entlassen wurde. Nachdem er bei der Kirchenleitung in Ungnade gefallen war, studierte er 1924/25 einige Monate auf der Suche nach einer neuen Pespektive in Bratislava. Nach Deutschland zurückgekehrt war er 1925 bis 1930 Pfarrer im thüringischen Heldburg. 1930 wurde er zum Pfarrer in Windischleuba bei Altenburg berufen, wo er für den dort ansässigen Börries Freiherr von Münchhausen auch als Bibliothekar tätig war. Er verfasste selbst einige kleinere Prosatexte in sorbischer Sprache, von denen die Erzählungen „Wo čłowjeku z dwěmaj wutrobomaj“ (Über einen Mensch mit zwei Herzen, 1924) und „Pusty kraj“ (Leeres Land, 1931) eine Erwähnung verdienen. Durch seine Darstellung charakterisiert sich der Autor selbst als „rebellischen Antibürger“ (J. Młynk), zeitlebens war ihm besonders der preußische Untertanengeist zuwider. 1948 gab er den Dienst in der Kirche auf und wurde Abteilungsleiter am neu gegründeten staatlichen Sorbischen Kultur- und Volksbildungsamt in Bautzen. Hier erwarb er sich große Verdienste beim Aufbau und der Organisation des sorbischen Kulturlebens. In der Verantwortung für Wissenschaft und Kultur organisierte er u.a. die ersten Ausstellungen sorbischer bildender Künstler. Dafür gelang es ihm, bekannte Maler mit sorbischen Wurzeln wie Conrad Felixmüller zu gewinnen. In D.s Verantwortung lag die Gründung eines staatlichen sorbischen Volkskunstensembles. Zu seinen Aufgaben machte er zudem die Entwicklung und Organisation wissenschaftlicher sorabistischer Projekte wie auch den Auf- und Ausbau der sorbischen Presse. Ganz besonders setzte sich D. für die Errichtung des Instituts für sorbische Volksbildung in Bautzen und das Institut für Sorabistik an der Universität Leipzig ein. Aus gesundheitlichen Gründen musste er 1953 in den Ruhestand treten.



Q  Sorbisches Kulturarchiv Bautzen; Stadtarchiv Hoyerswerda.

W  Wo čłowjeku z dwěmaj wutrobomaj [Über einen Menschen mit zwei Herzen], in: Serbske Nowiny 24.12.1924, Beilage; Pusty kraj [Leeres Land], in: Łužica 46/1931, H. 6/7, S. 45f., H. 8, S. 53-56; Die Herren v.d. Gabelentz (1938), in: K. Ezawa/A. v. Vogel (Hg.), Georg von der Gabelentz. Ein biografisches Lesebuch, Tübingen 2013, S. 35-83.

L  J. Młynk, Rebelija antibyrgarja [Rebellion eines Antibürgers], in: Rozhlad 21/1971, H. 7, S. 264-269; P. Nedo, Architekt noweje serbskeje kultury [Architekt der neuen sorbischen Kultur], in: ebd. 23/1973, H. 10, S. 373-375. – J. Šołta/P. Kunze/F. Šěn (Hg.), Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow [Neues biografisches Wörterbuch zur Geschichte und Kultur der Sorben], Bautzen 1984, S. 112f.

P  Božidar D., Fotografie, Sorbisches Institut Bautzen, Sorbisches Kulturarchiv (Bildquelle).



Annett Bresan
19.6.2017


Empfohlene Zitierweise:

Annett Bresan, Dobrucky (Dobrucký), Božidar (Theodor), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

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