Hänsel Fritz Bernhard
Archäologe, Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften
* 24.5.1937 Stuttgart 1.4.2017 Marnitz Burow
VFritz (1900-1945), IngenieurMCharlotte, geb. Beyer (1904-1992)GJohann-Richard (* 1932); Barbara, verh. Lehmann (* 1933); Peter-Christoph (* 1936); Martin (* 1940); Gabriele, verh. Eisenberg (* 1945) 1.Anette Beate, geb. Großmann (1940-2000)SPhilipp Moritz Alfred (* 1969), StadtplanerTJulia Mathilde, verh. Treiber (* 1968), Ärztin 2.Dorothea Alix, geb. Hochstetter (* 1951), MuseumskuratorinSNandor Odysseus (* 1984), ArztTEva-Charlotte, verh. Andreasen (* 1983), Wirtschaftsprüferin; Valeria Beatrix (* 1989), Friedens- und Kommunikationswissenschaftlerin
GND: 119482088


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H. hat als Wissenschaftler die Prähistorische Archäologie Europas während der letzten vier Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt, sowohl durch seine Feldforschungen als auch durch wissenschaftsorganisatorische Leistungen (wie die Gründung und Betreuung von Publikationsorganen) sowie als akademischer Lehrer (Berliner Schule). Dafür und wegen seiner Verbundenheit zur sächsischen Archäologie wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt. – Im Jahr nach H.s Geburt zog die Familie nach Dresden, wo der Vater einen Dienstleistungsbetrieb für Bosch-Produkte erworben hatte. 1951 bis 1955 besuchte H. die Kreuzschule. Nach einem studienvorbereitenden einjährigen Praktikum am Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte Sachsen studierte er Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie an den Universitäten Heidelberg und Wien. Die Studienjahre wurden 1964 mit der Promotion bei dem Archäologen Vladimir Milojčić in Heidelberg abgeschlossen. Nach anschließender einjähriger Assistentenzeit in Heidelberg war H. 1965/66 Reisestipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts und 1966 bis 1972 Assistent in Bochum. Während der Dozentenzeit 1972 bis 1976 in Erlangen erfolgte die Habilitation und 1976 seine Berufung auf den Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Kiel als Nachfolger des nach München gewechselten Georg Kossack. 1981 wurde H. auf den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Freien Universität Berlin berufen, wo er Leiter des gleichnamigen Instituts wurde. Diesem stand er bis zu seiner Emeritierung 2005 vor. – Während seiner Zeit als Hochschullehrer führte H. mehrere Grabungen auf der Balkanhalbinsel durch und sorgte anschließend für die zügige, in jedem Fall mehrere Bände umfassende Publikation der Ergebnisse. Die erste größere Grabung führte H. 1975 bis 1979 in Griechenland auf dem 15 Meter hohen Siedlungshügel der Bronze- und Eisenzeit bei Kastanas, nordwestlich von Thessaloniki, durch. Die zweite Grabung fand 1986 bis 1991 in Serbien statt und galt der Erforschung der früh- und mittelbronzezeitlichen sowie früheisenzeitlichen Siedlungsstrukturen des Hügels von Feudvar in der Nähe von Mošorin in der Voivodina am Zusammenfluss von Theiß und Donau. Drei Jahre lang (1994-1996) untersuchte er danach in Griechenland die bronzezeitlichen Siedlungen des 20 Meter hohen Tells von Nea Olynthos auf der Chalkidike. Die letzte der großen Grabungen H.s fand in Kroatien statt und dauerte mehr als zehn Jahre. Sie wurde 1997 begonnen und galt der früh- bis mittelbronzezeitlichen befestigten Siedlung von Monkodonja bei Rovinj auf der Halbinsel Istrien. – Neben dieser wissenschaftlichen Tätigkeit, die zugleich eine enorme organisatorische Leistung darstellte, war H. auch ein unermüdlicher akademischer Lehrer. Eine große Anzahl von Dissertationen (etwa 50) und elf Habilitationen gehen auf seine Anregung und Betreuung zurück. – Die wissenschaftliche Leistung H.s fand nationale und internationale Anerkennung. Die Slowakische Akademie der Wissenschaften und die Universität Bukarest verliehen ihm Ehrendoktorwürden. Geehrt wurde er auch durch die Wahl zum Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts, deren Zentraldirektion er als Mitglied seit 1990 angehörte, sowie der Sächsischen und der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Im April 1993 wurde H. u.a. aufgrund seiner Verdienste um die sächsische Altertumswissenschaft auf Antrag von Werner Coblenz als korrespondierendes Mitglied in die Sächsische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Zudem war er 2007 bis 2014, also während der gesamten Konzeptions- und Gründungsphase, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (SMAC).



Q  Auskunft J. Beutmann, A. Hänsel; www.saw-leipzig.de.

W  Beiträge zur Chronologie der mittleren Bronzezeit im Karpatenbecken, 2 Bde., Bonn 1968; Beiträge zur regionalen und chronologischen Gliederung der älteren Hallstattzeit an der Unteren Donau, 2 Bde., Bonn 1976; Kastanas, 2 Bde., Berlin 1989; mit P. Medović, Vorbericht über die jugoslawisch-deutschen Ausgrabungen in der Siedlung von Feudvar bei Mošorin, Darmstadt 1992; mit I. Aslanis, Das prähistorische Olynth, Rahden/Westfalen 2010; mit K. Mihovilić u.a., Monkodonja. Forschungen zu einer protourbanen Siedlung der Bronzezeit Istriens, Bd. 1, Pula 2015; Ich über mich, in: E. Uhlich/K. Wachtel (Hg.), Klassenbuch, Radebeul 2015, S. 147-182 (P).

L  C. Becker u.a. (Hg.), Xpóvoç. Beiträge zur prähistorischen Chronologie zwischen Nord- und Südosteuropa. Festschrift für Bernhard H., Rahden/Westfalen 1997 (P); B. Horejs u.a. (Hg.), Interpretationsraum Bronzezeit. Bernhard H. von seinen Schülern gewidmet, Bonn 2005 (P); W. Schier, Nachruf Bernhard H., online: www.geschkult.fu-berlin.de (P); B. Horejs, Nachruf Bernhard H., online: www.orea.oeaw.ac.at (P); K. Wachtel, Nachruf Bernhard H., in: Jahrbuch des Evangelischen Kreuzgymnasiums Dresden 2016/2017, S. 24f. (P); S. Hansen (Hg.), Gedenkschrift Bernhard H., Berlin 2018.

P  Bernhard H., undatierte Fotografie, Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Archiv (Bildquelle).



Klaus Wachtel
3.4.2018


Empfohlene Zitierweise:

Klaus Wachtel, Hänsel, Fritz Bernhard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.11.2018)

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